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Heilpflanze des Jahres 2014: Anis
 
 
Der Anis wurde als Heilpflanze des Jahres 2014 vom Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, bekannt als Paracelsus (NHV Theophrastus), auserwählt.

Die ursprüngliche Heimat des Anis (Pimpinella anisum L.) ist der östliche Mittelmeerraum, da das dortige Klima die besten Wachstumsbedingungen bietet. Das Aroma entwickelt sich eben bei sehr viel Sonne besonders gut. Nach Mitteleuropa gelang er mit den Mönchen.
Anis war schon im Altertum geläufig und neben Kümmel und Fenchel Bestandteil des „Theriak“, einem Universalheilmittel gegen allerei Beschwerden und Erkrankungen.
Große Beliebtheit erlangte er im Mittelalter als Gewürz für Gemüse, Fisch und Fleisch sowie für Fruchtkompott, aber auch dadurch weil ihm die verschiedensten magischen Wirkungen zugeschrieben wurden. Jugendliches Aussehen soll durch Waschen mit Aniswasser bewahrt werden. Hexen empfahlen bei schlechten Träumen eine getrocknete Anispflanze unter den Kopfpolster zu legen. Dem Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens zufolge sollen Tauben den Anisgeruch so gerne mögen, dass man ihnen bei der Eingewöhnung Anis gab, um sie an den Taubenschlag zu binden. Außerdem soll er böse Blicke abwehren.


Bei Ausgrabungen im römischen Kolosseum fand man Anisfrüchte zwischen den Sitzreihen. Diese stammen vom Anisgebäck der Zuschauer der Gladiatorenkämpfe zur Beruhigung der Nerven.
Heute wird er weltweit in Gebieten mit gemäßigtem Klima angebaut, wobei ein trockener Standort zu bevorzugen ist. Bei uns ist er in Gärten zu finden, selten wildwachsend anzutreffen.

In Mitteleuropa wird gerade die Vorweihnachtszeit geschmack- und geruchlich sehr von ihm geprägt, da er als Gewürz in Brot und Süßwaren gerne verwendet wird. Beispielsweise seien hier die in Österreich bekannten Anisbögen und die berühmten Anis-de-Flavigny-Bonbons aus dem kleinen französischen Dorf Flavigny-sur-Ozerain genannt. Den Spirituosen und Likören aus den Mittelmeergebieten wie dem Ouzo, Raki oder Anisette verleiht er seinen typischen Geschmack. Werden diese mit Wasser vermischt, entsteht ein milchig-trübes Aussehen, da sich ätherisches Öl in Alkohol, aber nicht oder nur kaum in Wasser lösen (Louche-Effekt).
Anethol, der Hauptbestandteil dieses ätherischen Öls, sorgt für dieses Aroma. Der Sternanis, die Süßdolde und der Fenchel sind Pflanzen mit vergleichbarem Geruch.

Echter Anis gehört der Familie der Apiaceae, den Doldenblütlern, an. Der Name leitet sich vom griechischen Wort ἄνηθον für Dill ab, der – sowie auch Fenchel, Petersilie, Kümmel und Koriander - ebenfalls zur Familie der Apiaceae zählt, und mit dem er oft verwechselt wird.

Der Anis ist eine 30 – 50 cm hohe einjährige Pflanze, deren bodennahen Blätter ungeteilt sind und nach oben immer feiner fiederschnittig werden.
Von Juni bis August blüht er in vielen weißen Blüten, die in Doppeldolden angeordnet sind. Die Blüten werden zu graugrünen, verkehrt birnenförmigen Spaltfrüchten, die in jeweils zwei Teilfrüchte zerfallen. Geerntet wird unreif im Frühherbst und vorsichtig nachgetrocknet, damit das ätherische Öl nicht verloren geht.
Auch die frischen Blätter können verzehrt werden zB. in Salat. Sie haben einen süßlich bis lakritzähnlichen Geschmack.

Echter Anis wird jedoch zunehmend vom ertragreicheren Sternanis (Illicium verum, Illiciaceae) abgelöst, der aus China kommt. Die einzige Gemeinsamkeit ist eine ähnliche Zusammensetzung des ätherischen Öls und daher auch ein ähnlicher Geruch. Morphologisch unterscheiden sich und eine nähere Verwandtschaft besteht nicht.

Der Anis pharmazeutisch betrachtet

Lateinische Bezeichnung: Pimpinella anisum L.

Volksnamen: Süßer Kümmel, Kleiner Anis, Aniseed, Brotsamen, Enis, Römischer Fenchel

Stammpflanze: Pimpinella anisum L. (Apiaceae)

Verwendeter Pflanzenteil: Früchte (Anisi fructus)

Inhaltsstoffe:
1,5 – 6% ätherisches Öl in den Ölstriemen vorzufinden. Hauptbestandteil ist trans-Anethol (80 – 95%) als Geruchs- und Geschmacksträger. Daneben das mit dem Anethol isomere Methylchavicol (Estragol1-2 %) und Anisaldehyd (unter 1 %).
Weitere Inhaltsstoffe sind fettes Öl (bis 30%), Proteine (ca, 20%) und mineralische Komponenten (bis 7%).


Offizinell:
Anisi fructus: mind. 2,0 % ätherisches Öl.
Anisi aetheroleum: darf auch vom Sternanis (Illicium verum, Illiciaceae) gewonnen werden.
Species pectorales: je 10 Teile Malvenblüte, Königskerzenblüte und Thymianblatt, je 20 Teile Eibischblatt und Eibischwurzel, 25 Teile Süßholzwurzel, 5 Teile Anis.
Spiritus Anisi comp.: ätherisches Anisöl und Ammoniumchlorid in verdünntem Alkohol.


Anwendungsgebiete:
Innerlich bei dyspeptischen Beschwerden
Innerlich und äußerlich bei Katarrhen der Luftwege
Allein oder in Kombination mit anderen Bitterstoffen zur „Unterstützung der Magentätigkeit“
Besonders in der Kinderheilkunde: in Kombination mit Sekretolytika schleimlösend

Volksmedizinisch:
entblähend, milchbildend, als Aphrodisiakum
Das Ätherische Öl kann, verdünnt mit fettem Öl oder Salbengrundlagen, für Einreibungen verwendet werden.
Als Brusteinreibungen hilft es gegen Husten und als Baucheinreibungen gegen Blähungen und Magen- und Darmkrämpfe.
Da das ätherische Öl auch antibakterielle Wirkung hat, ist es Bestandteil von Halstabletten und Mundwässern und wird als Geschmackskorrigens eingesetzt.
Bei äußerlicher Anwendung sollte es immer zu einer Inhalation des ätherischen Öls kommen.


Wirkungen:
spasmolytisch: Anisöl und Anethol
Expektorierend: oral verabreichtes ätherisches Anisöl führt zu einem Anstieg der Bronchialsekretion; enteral resorbierte Anteile werden auch über die Lunge ausgeschieden. Durch Inhalation erreichen therapeutische Mengen direkt die Bronchien.
antibakteriell
Anregung der Magensaft- und Speichelsekretion, verdauungsfördernd
Blähungstreibend (karminativ)
sekretolytisch, sekretomotorisch


Empfohlene Dosierung:
Innere Anwendung: mittlere Tagesdosis 3,0 g Droge; 0,3 g ätherisches Öl (= Berechnungsgrundlage).

Unerwünschte Wirkungen:
Vereinzelt allergische Reaktionen der Haut, der Atemwege oder des Gastrointestinaltraktes.

Aufbewahrung:

Vor Licht, Hitze und Feuchtigkeit geschützt in Glas- oder Blechgefäßen, aber keinesfalls in einem Kunststoffbehältnis.

Teezubereitung:
1-5 g der möglichst kurz vor Verwendung zerstoßenen oder grob gepulverten Droge mit kochendem Wasser übergießen und 10-15 min in einem bedeckten Gefäß ziehen lassen und anschließend abseihen.
1 TL = ca. 3,5 g
Morgens und/oder abends eine Tasse frisch bereiteten Tee trinken.
Anis wird auch oft mit Kümmel und Fenchel gemischt und gegen Verdauungsbeschwerden und Blähungen verwendet.

Anwendung in der Homöopathie:
Nackenschmerzen und Hexenschuss