Die Probleme bei der weltweiten Versorgung mit Medikamenten sind vielfältig
 
APOTHEKER OHNE GRENZEN sind in bewusstseinsbildende Maßnahmen zum Konzept der unentbehrlichen Arzneimittel involviert.
 
Ein Drittel der Weltbevölkerung hat immer noch keinen Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten. In den ärmsten Regionen Afrikas und Asiens ist es jeder zweite Bewohner.
  • 50 bis 90 Prozent der Medikamente in Entwicklungs- und Schwellenländern werden bar bezahlt. Dies betrifft vor allem die Armen, die nicht genügend durch entsprechende Gesetze geschützt werden.
  • Die Verschreibungspraxis und der rationale Gebrauch sind problematisch: Bis zu 75 Prozent der Antibiotika werden falsch verschrieben, sogar in Lehrkrankenhäusern wirtschaftlich armer Länder aber oft auch in Industrieländern.
  • Mangelnde Compliance: Weltweit nehmen im Durchschnitt nur 50 Prozent der Patienten ihre Medikamente korrekt ein.
  • Die Resistenzen der Erreger infektiöser Krankheiten gegen herkömmliche Medikamente nimmt zu, zum Beispiel bei bakterieller Diarrhoe, Gonorrhoe, Malaria, Lungenentzündung und Tuberkulose.
  • Qualität und Sicherheit: in weniger als 30 Prozent der wirtschaftlich armen Länder wird der Umgang mit Arzneimitteln behördlich geregelt. 10 bis 20 Prozent der Präparate fallen bei Qualitätskontrollen in vielen Entwicklungsländern durch. Versagt das Konzept der guten Herstellungspraxis, werden häufig toxische, ja auch todbringende Produkte auf den Markt gebracht. Mit der Ausbreitung des globalen Handels steigen die globalen Herausforderungen an einen guten Qualitätsstandard.
Die Abteilung der WHO, die für das Konzept der unentbehrlichen Arzneimittel, aber auch für Medikamente allgemein zuständig ist (EDM), arbeitet global, regional und länderbezogen und beschäftigt sich mit Problemen des Zugangs, des vernünftigen Gebrauchs und der Qualität von Arzneimitteln. Die große Kluft muss überwunden werden zwischen dem Potenzial, das unentbehrliche Medikamente bieten, und der Realität, dass Milliarden von Menschen sich die Medikamente nicht leisten können, die Mittel nicht zur Verfügung stehen oder sie nicht korrekt angewandt werden.
Der Artikel (im Orginal "The Rationale of Essential Drugs") ist der Homepage der WHO entnommen: www.who.int/medicines/
ÄRZTE OHNE GRENZEN setzt sich mit der Kampagne "Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten" seit 1999 dafür ein, die Behandlung mit lebensnotwendigen Arzneimitteln weltweit zu gewährleisten. Dabei fordert die Organisation u. a. mehr Forschung und Entwicklung von Arzneimitteln gegen vernachlässigte Krankheiten wie Malaria und die Schlafkrankheit. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass in Zukunft neue Medikamente in die WHO-Liste aufgenommen werden können, die auch gegen Krankheiten in ärmeren Ländern wirksam sind. APOTHEKER OHNE GRENZEN ist ebenso stark in bewusstseinsbildenden Maßnahmen zum Konzept der unentbehrlichen Arzneimittel involviert.