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Arzneimittelinteraktionen mit Nahrungs- und Genussmitteln
 
Warum sich Käse, Chianti und Hühnerleber mit manchen Medikamenten nicht verträgt.
 
Ein Mahl aus Hühnerleber, Gorgonzola und Bohnen, dazu Chianti getrunken, kann bei gleichzeitiger Einnahme bestimmter Psychopharmaka Schwindel, Übelkeit und im Extremfall sogar den Tod verursachen. Es handelt sich dabei um die sogenannten MAO-Hemmer.

MAO(Monoaminooxidase)-Hemmer sind Medikamente, die vorwiegend zur Behandlung von Depressionen verwendet werden. Sie greifen in den Stoffwechsel der Botenstoffe im Gehirn ein und wirken u. a. stimmungsaufhellend und antriebssteigernd.

Das Enzym Monoaminoxidase baut die sogenannten Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin ab und reichert diese dann zwischen den Nervenenden an. Durch Hemmung des Enzyms kommt es zu einer Erhöhung der Konzentration der beiden Neurotransmitter am Rezeptor und damit zu einem antidepressiven Effekt.

MAO-Hemmer wirken durch irreversible Hemmung der Monoaminooxidase indirekt sympathomimetisch, sie erhöhen die Katecholaminkonzentration am Rezeptor. Leider wirken die MAO-Hemmer nicht nur im Gehirn, sondern auch im Darm, sodass es bei der Zufuhr tyraminhaltiger Nahrung (Käse, Rotwein, besonders Chianti) zu Wirkungsverstärkung und Blutdruckkrisen (Tyramin ist ein indirektes Sympathomimetikum) kommt. Es muss daher gleichzeitig eine Diät eingehalten werden, um einem gefährlichen Blutdruckanstieg entgegenzuwirken.

Besondere Vorsicht ist geboten bei folgenden Nahrungs- und Genussmitteln:

· Gereifter (alter) Käse,
· Alkohol,
· Tyrosinhaltige Lebensmittel wie

    • Fisch-Zubereitungen,
    • Geflügelleber,
    • Bohnen (Saubohnen, Faba vulgaris, F. sativa)
    • Chianti -Wein

Möglicherweise gefährlich sind

· Bananen und Ananas
· Muskatnuss (ist selbst auch ein MAO-hemmer)
· Dill-, Petersilien-, Fenchelöl (geringe Mengen als Gewürz unschädlich)
· Feigen und Rosinen
· Joghurt
· Koffeinhaltige Substanzen (Kola, Kaffe, Tee, Kakao, Energy-Drinks, Guarana, etc.)
· Avocados
· Soja-Sauce
· Sauerkraut
· Eingelegte Heringe

Der Wirkungszeitraum von MAO-Hemmern reicht, je nach Substanz, von wenigen Stunden bis zu etwa zwei Tagen.

Ein neues Prinzip zur Behandlung endogener Depressionen steht mit der Entwicklung reversibler MAO-Hemmer Typ A zur Verfügung. Die erste Substanz, das Moclobemid wurde 1991 in die Therapie eingeführt. Moclobemid hemmt im Gegensatz zu den herkömmlichen MAO-Hemmern die MAO reversibel. Außerdem hemmt es selektiv die MAO-A. Dadurch kann das indirekte Sympathomimetikum Tyramin, das in Käse, Rotwein und in den anderen oben angeführten Lebens- und Genussmitteln enthalten ist und unter herkömmlicher MAO-Hemmertherapie zu den Interaktionen führt, durch die nicht blockierte Monoaminooxidase Typ B (MAO-B) abgebaut werden: die gefürchteten Blutduckkrisen werden bei diesen Medikamenten also nicht beobachtet.

Siehe auch:
Medikamente und Lebensmittel vertragen sich nicht immer