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Heilpflanze des Jahres 2015: Die Küchenzwiebel
 
Ein wahres Multitalent, nicht umsonst trägt sie den Beinamen Königin des Gemüses
 
Sie ist eine der ältesten Kulturpflanzen und sehr gesund: Bei den alten Ägyptern wurden Zwiebeln bereits angebaut, den Göttern geopfert und den beim Pyramidenbau eingesetzten Arbeitern als eine Art Zahlungsmittel täglich zugeteilt. Jetzt wurde das Lauchgewächs zur Heilpflanze des Jahres 2015 gewählt.

Foto: F. Biba
Die Küchenzwiebel ist zweifellos ein Grenzfall zwischen Gewürz und Gemüse. Als Gemüse für eigenständige Gerichte wie Zwiebelkuchen oder Zwiebelsuppe, für Eintopfgerichte zum Würzen und Binden (Gulasch) oder als Gewürz für fast alle Speisen einsetzbar, ob roh gegessen, gedünstet, gebraten, gekocht, die Zwiebel passt zu Fleisch wie Fisch und gibt nicht nur einen guten Geschmack, sie hilft uns dazu auch noch gesund zu bleiben. Aus der Volksheilkunde ist die gute Wirksamkeit von Zubereitungen aus der Küchenzwiebel schon lange bekannt. Mit der Wahl zur Heilpflanze des Jahres 2015 sollen überlieferte Hausmittel in Erinnerung gerufen werden. Das Nahrungs- und Würzmittel wirkt sekretionsanregend, verdauungsfördernd, appetitsteigernd, wassertreibend, wundheilend und hilft bei Husten, kann aber auch bei Schnupfen und Erkältungskrankheiten verwendet werden.

Die Küchenzwiebel pharmazeutisch betrachtet

Lateinische Bezeichnung: Allium cepa L. (syn. Allium esculentum, Cepa esculenta, Cepa vulgaris, Kepa esculenta, Porrum cepa)

Deutsche Bezeichnung:
Küchenzwiebel, Zwiebel („Zwiebel“ leitet sich vom spätlateinischen cepa bzw. der Verkleinerungsform cepula ab)

Volksnamen:
Aiugn, Bolle, Böllen, Fölle, Gartenzwiebel, Gemeine Zwiebel, Hauszwiebel, Planza, Pölla, Sommerzwiebel, Zibel, Zippel, Zwaibel, Zwiebellauch, Zwiefel, Zweibel, Zwibbel.

Englisch: onion
Französisch: oignon

Stammpflanze: Allium cepa L.

Pflanzenfamilie: Alliaceae (Lauchgewächse)

Verwendeter Pflanzenteil
Allii cepae bulbus (syn. Bulbus Allii cepae, Bulbus Cepae). Frische oder getrocknete Zwiebel (= Speicherorgan aus unterirdischen Blättern, in denen die Pflanze Nährstoffe für schnelles Wachstum im nächsten Frühjahr speichert). Die oberirdischen Blätter der Zwiebelpflanze sind röhrenförmig und ebenfalls als Gewürz brauchbar; sie können als Ersatz für Schnittlauch verwendet werden.

Inhaltsstoffe
Schwefelhaltige Verbindungen: die im Zellplasma enthaltene schwefelhaltige Aminosäure Isoalliin wird nach Verletzungen der Zellstruktur durch das Enzym Alliinase zunächst zu Propensulfensäure umgewandelt. Weitere Reaktionen schließen sich an, in deren Verlauf zahlreiche Verbindungen entstehen, darunter Propanthial-S-oxid (schleimhautreizend, für die tränenden Augen beim Zwiebelschneiden verantwortlich).
Wasserdampfflüchtige Bestandteile: Der Gehalt an "ätherischem Öl" wird unterschiedlich mit 0,005-0,05 % angegeben. Die im "ätherischen Zwiebelöl" enthaltenen Verbindungen entstehen erst nach Fermentation bei der Wasserdampfdestillation.
Weitere Inhaltsstoffe: Flavone und Flavonglykoside, phenolische Verbindungen. Vitamine Kohlenhydrate und Mineralstoffe (siehe Nährwerttabelle).

Nährwerttabelle: Zwiebel (pro 100 Gramm)
Energie kcal28
Fett gesamt (g)Spuren
Kohlenhydrate gesamt (g)5
Mineralstoffe (mg)
Natrium (Na)3
Kalium (K)160
Calcium (Ca)20
Magnesium (Mg)10
Phosphat (P)30
Eisen (Fe)0,2
Zink (Zn)0,2
Vitamine
Beta-Carotin (µg)7
Vitamin E (mg)0,1
Vitamin B1 (mg)0,03
Vitamin B2 (mg)0,02
Vitamin B6 (mg)0,15
Folsäure (µg)10
Vitamin C (mg)7

Quelle der Nährwertangaben: Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Die Nährwerttabelle www.dge.de/

Anwendungsgebiete
Wissenschaftlich belegt:
Appetitlosigkeit; zur Vorbeugung altersbedingter Gefäßveränderungen:
Lipidsenkende Wirkung: Ähnlich wie Knoblauch beeinflußt Zwiebelpreßsaft die Blutfette. Die für diese Effekte notwendige Tagesdosis sollte 50 g frischer Zwiebeln entsprechen.

Volksmedizinische Anwendung:
Innerlich: bei Husten, Keuchhusten, Bronchitis, Asthma; Angina.

Äußerlich: bei Insektenstichen, Wunden, leichten Verbrennungen, Furunkeln, Warzen und zur Nachbehandlung von Blutergüssen; bei Katarrhen der oberen Luftwege.

Weitere Wirkungen:
antibakterielle, den Blutdruck und den Blutzucker schwach senkende Wirkungen

Unerwünschte Wirkungen
Bei empfindlichen Menschen können Zwiebeln Blähungen verursachen. Bei der Verarbeitung von Zwiebeln können allergische Kontaktekzeme auftreten. Des Weiteren sind seltene Allergien gegen Zwiebelproteine bekannt.

Tiergiftig
Die meisten Pflanzenzwiebeln sind für den Menschen giftig oder zumindest sehr unbekömmlich. Einzige Ausnahme: die Küchenzwiebel ist für Menschen ungiftig, bei Säugetieren können aber Küchenzwiebeln Vergiftungserscheinungen auslösen. Es kann zu einer Zerstörung des roten Blutfarbstoffs kommen, was zu einer Auflösung der roten Blutkörperchen führt (Hämolyse). Die gefährliche Dosis beim Hund beträgt 5 g pro Kilogramm Körpergewicht, Vergiftungssymptome sind allgemeine Schwäche, blasse Schleimhäute und Gelbsucht, die man an der Gelbfärbung der Schleimhäute und Augen erkennt. Die Tiere bekommen Durchfall und der Urin verfärbt sich, wenn der zerstörte rote Blutfarbstoff ausgeschieden wird.

Phytopharmaka
Zur Zeit ist kein pflanzliches Arzneimittel aus der Küchenzwiebel am Markt.


Bestandteil in Salben und Gele
Ziebelextrakt (Extractum cepae) wirkt entzündungshemmend, abschwellend und bakterizid. Er verhindert die Bildung von wulstigem Narbengewebe und ist daher Bestandteil sogenannter Narbensalben.

Homöopathie
Das Homöopathikum „Allium cepa“ wird aus frischen Zwiebeln bereitet. Es wird bei Schnupfen, Entzündungen der Luftwege, Blähungskoliken, Neuralgien und Phantomschmerz empfohlen.

Hausmittel

Zwiebelsirup: Eine ganze Zwiebel wird fein zerhackt und mit 3 Esslöffeln Zucker vermischt. Dann gibt man 1/8 Liter Wasser dazu und lässt das Ganze einige Minuten vorsichtig köcheln. Den Ansatz einige Stunden stehen lassen und dann durch ein Tuch auspressen. Von diesem Saft bei Husten 3 - 5mal tägl. 1 bis 2 Teelöffel einnehmen.

Zwiebelsalbe: Eine Küchenzwiebel fein hacken und mit Schweineschmalz eine halbe Stunde köcheln lassen. Wenn die Zwiebelstücke glasig sind, abseihen, Fett erkalten lassen und wie eine Salbe auf Brust und Rücken anwenden.

Zwiebelwickel: Auch ein warmer Zwiebelwickel zählt zu den alten Hausmitteln. Dazu wird eine frische Zwiebel in Stücke geschnitten und in ein Tuch verpackt. Der Wickel wird über Wasserdampf erwärmt und bei Ohrenschmerzen an den Kopf gelegt oder mit einem Stirnband befestigt. Der Zwiebelwickel soll dabei nicht nur das Ohr bedecken, sondern auch noch ca. 4 cm hinter das schmerzende Ohr reichen. Ein Zwiebelwickel ist auch bei Halsweh als Umschlag bestens geeignet. Bei all diesen Wickelarten ist unbedingt zu beachten, dass sie sofort abzunehmen sind, wenn die Schmerzen während der Anwendung zunehmen.

Bitte beachten Sie: Menschen mit empfindlicher Haut können evtl. mit Hautreizungen bei längerer Einwirkzeit reagieren. Generell können Hausmittel Beschwerden und Erkrankungen lindern, beginnende Erkrankungen abschwächen oder die Abwehrkräfte steigern und zum allgemeinen Wohlbefinden beitragen. Abseits von banalen Infekten oder wenn die Beschwerden nicht besser werden, ersetzen Sie jedoch nicht den Arztbesuch.


Zur Wahl der Heilpflanze des Jahres: Die „Heilpflanze des Jahres“ ist nicht mit der „Arzneipflanze des Jahres“ zu verwechseln. Als solche wurde für das Jahr 2015 das Johanniskraut gewählt.

Link:
Wer wählt die Arzneipflanze bzw. Heilpflanze des Jahres