Druckansicht
Preiselbeeren
 
In der Phytotherapie gegen Harnwegsinfekte
 

Neben ihrer Bedeutung in der Phytotherapie werden Preiselbeeren für Marmeladen, Gelees und Säfte verwendet.
Preiselbeeren gehören so wie Heidelbeeren zur Familie der Heidekrautgewächse und wachsen in Trauben an niedrigen, wild wachsenden, immergrünen 10 bis 40 cm hohen Sträuchern, die in Mooren, Kiefernwäldern, Heiden bis ins Gebirge auf saurem torfigen Boden, an sonnigen Waldhängen und in lichtem Hochwald zu finden sind. Preiselbeeren haben derbe, dickliche Blätter, die oft nach unten umgerollt sind. Die glockenförmigen, weißlich bis rosafarbene Blüten erscheinen im Mai – Juni. Die Beeren sammelt man im Juli bis zum September, sie sind erst weiß und dann leuchtend rot. Preiselbeeren werden zur Überprüfung des Reifegrades auf eine Steinplatte fallen gelassen. Eine reife Preiselbeere springt wie ein Gummiball. Ihr Geschmack ist herb-säuerlich, daher sind Preiselbeeren am Besten gekocht zu genießen.

Da die Preiselbeere unempfindlich gegen Frost ist (bis zu -22° werden vertragen), findet man sie in den Alpen bis zu einer Höhe von 3000 m.

Das immergrüne Preiselbeerkraut (Symbol für "ewig") wurde und wird mancherorts gemeinsam mit Rosmarin (Symbol für die Liebe) für den Brautstrauß verwendet.


Als so genannte "Kulturpreiselbeere" bezeichnet man die Großfrüchtige Moosbeere (Vaccinium macrocarpon), auch "Cranberry" genannt. Saft aus Cranberrys kann nicht nur bei Harnwegsinfektionen, sondern ebenso effektiv gegen Darmviren helfen. Das legt eine Studie amerikanischer Forscher nahe. Eine Behandlung mit dem Saft hinderte die Erreger daran, sich an rote Blutkörperchen zu heften oder Wirtszellen zu infizieren. Mehr darüber: Cranberry Juice Inactivates Intestinal Viruses (105th General Meeting of the American Society for Microbiology, June 5-9, 2005, Atlanta, Georgia).


Preiselbeeren pharmazeutisch betrachtet

Lateinische Bezeichnung: Vaccinium vitis-idaea L.
Vaccinium leitet sich von Baccinium für Beerenstrauch ab und ist wohl eine Verfälschung bzw. Veränderung des eigentlichen Wortstammes. Der Artname vitis-idaea heißt soviel wie “Weinrebe vom Berg Ida” (Kreta).

Volksnamen: Spreißelbeere, Praußbeere, Reißelbeere und Wilder Buchsbaum (Ähnlichkeit der Laubblätter), Kronsbeere, Krausbeere, Graubeere, Steinbeere, Mostjöcken, Hölperchen.
Cranberrie (engl.), Airelles rouges (franz.), Mirtillio rosso (ital.)

Stammpflanze: Vaccinium vitis-idaea L. (Ericaceae)

Verbreitung: In Europa westlich bis Großbritannien, Mittelfrankreich, im Osten bis Japan. In Nordamerika vom äußersten Norden der USA bis Alaska und Grönland.

Verwendete Pflanzenteile: die Laubblätter (Folium Vitis-idaeae).

Offizinell (im Arzneibuch):
Fol. Vitis-idaeae: mind. 3,0 % Arbutin

Inhaltsstoffe: Phenolglukoside: 2-5 % Hydrochinonderivate, Hauptkomponente Arbutin.
Gerbstoffe: 5-8 %
Flavonoide
Verwendung: Harndesinfizierende Wirkung: Der für die Wirksamkeit des Arbutins notwendige basisch reagierende Harn lässt sich durch pflanzliche Kost - bestehend aus Milch, Gemüse, besonders Tomaten, Früchten, Kartoffeln, Fruchtsäften - oder durch die Gabe von 6-8 g Natriumhydrogencarbonat/Tag erreichen. Die maximale Wirkung wird etwa 3-4 Stunden nach Gabe des Tees erreicht.

Teebereitung: Von den Preiselbeerblättern nimmt man 1 – 2 Teelöffel, übergießt mit ¼ l kochendem Wasser und lässt 10 min ziehen. Man trinkt 2 – 3mal täglich eine Tasse. Mittlere Tagesdosis: ca. 20 g Droge, Zubereitungen entsprechend 400-700 mg Arbutin.

Zubereitungen: Anstelle des Tees kann auch Preiselbeersaft getrunken werden. Preiselbeeren enthalten auch Resveratrol. Dieser sekundäre Pflanzeninhaltsstoff wirkt ähnlich wie die cholesterinsenkenden Fibrate durch Aktivierung des PPAR-Rezeptors (Peroxisome Proliferator-Activated Receptor), ein Protein, das eine wichtige Rolle bei der Regulation des Cholesterinspiegels spielt. Mehr darüber...

Preiselbeeren werden gerne als Zugabe bei Wild- und Geflügelgerichten gereicht. Da Preiselbeeren viel Säure enthalten, werden sie selten roh verzehrt. Sie können wegen ihres hohen Pektin-Gehalts jedoch leicht als Marmelade oder Kompott eingekocht werden, denn sie gelieren schnell. Bekannt ist vor allem das Preiselbeergelee, das Fleisch- und Wildgerichte, Geflügel und Käse angenehm würzt. Die rote amerikanische Preiselbeere (Cranberry) darf auf keiner Thanksgiving-Tafel fehlen. Sie macht den Truthahn erst wirklich schmackhaft.

Rezept für ein Preiselbeergelee: Die nicht zu reifen Beeren werden gut durchsucht, rein gewaschen und zum Abtropfen auf ein Sieb gegeben. Auf 1 Kilo Preiselbeeren nimmt man 50 dag Zucker und bringt sie langsam zum kochen (10 Minuten) und fügt den Saft einer halben Zitrone hinzu. Heiß in Gläser füllen und verschließen. Kühl lagern und rasch verbrauchen. Schmeckt gut zu Joghurt oder zu Wildbraten.

In Finnland ist geschlagener Preiselbeerpudding mit Schlagobers eine beliebte landestypische Nachspeise. Preiselbeersaft bzw. Preiselbeersirup wird außerdem wegen seines speziellen Geschmacks gerne für Cocktails verwendet. Außerdem werden Preiselbeeren zu Likör und Branntwein ("Steinbeerwasser", "Beerenwasser", "Preiselbeerschnaps", "Maissauer Berggeist") verarbeitet.

So gesund ist das Beerenobst:

Früchte und Beeren enthalten
je 100 g
Energie
ProteinKohlen
hydrate
Ballast
stoffe
MineralstoffeVitamine
kcal
kJ
g
g
g
Na
K
Ca
P
Mg
Fe
A
E
B 1
B 2
Nia
cin
C
mg
mg
mg
mg
mg
mg
µg
mg
mg
mg
mg
mg
Brombeeren482001,293
3
190
30
30
30
0,9
45
0,6
0,03
0,05
0,4
17
Erdbeeren361500,872
2
140
25
30
19
0,9
8
0,2
0,03
0,05
0,5
62
Heidelbeeren602500,6135
1
65
10
10
2
0,7
20
0,02
0,02
0,4
21
Himbeeren401651,385
170
40
45
19
1,0
7
1,4
0,02
0,05
0,3
25
Preiselbeeren431800,393
2
65
13
10
5
0,5
4
0,01
0,02
12
Stachelbeeren431800,893
2
200
30
30
15
0,6
34
1,0
0,02
0,02
0,2
34

Lesen Sie auch:

Brombeeren: Die Blätter als Tee, die Früchte für die Fitness

Erdbeeren: Gesund und kalorienarm

Heidelbeeren: köstlich und gesund!

Himbeeren: von Juni bis in den Herbst

Stachelbeeren: nur wirklich reife Früchte essen

Wacholderbeeren