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Baum des Jahres 2007 - Die Waldkiefer
 
Pinus sylvestris, auch Gewöhnliche Kiefer, Föhre, Rotkiefer bzw. Weißkiefer genannt
 
Seit 1989 wählt ein Kuratorium aus namhaften Persönlichkeiten und wichtiger Natur- und Umweltverbände für jedes Jahr einen "Baum des Jahres". Das bereits zum 19. Mal stattfindende Projekt verfolgt das Ziel, bedeutende und/oder gefährdete Baumarten, aber auch den Wald als Ganzes in seiner ökologischen Bedeutung informativ darzustellen.

Föhrenwäldchen, Aufforstung im Waldviertel (bei Maria Dreieichen)
    Im Jahr 2007 wurde keine seltene, sondern eine besonders schöne Baumart auserkoren, die ein Meister im Ertragen extremer, auch gegensätzlicher Standortbedingungen ist. Die Waldkiefer (Pinus sylvestris), auch Gewöhnliche Kiefer, Föhre oder Waldföhre, Waldkiefer, Rotkiefer bzw. Weißkiefer genannt, findet man auf nassen und trockenen Böden, auch Hitze und Kälte, extrem saures bis hoch basisches Bodenmilieu können ihr nichts anhaben. Das Wurzelsystem der Kiefern ist sehr variabel. Auf lockerem Boden legt sie ein Pfahlwurzelsystem an, auf felsigem Untergrund streichen die Wurzeln flach und reich verzweigt. Dadurch ist der Baum gut verankert und sturmfest. Nur eines brauchen Föhren unbedingt: das volle Sonnenlicht. Mit diesen Eigenschaften ausgestattet konnte die Kiefer nach der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren in die mageren Grassteppen der Alpen einwandern. Als dann aber aus dem Süden Fichte, Buche und Tanne aus ihren „Überwinterungsgebieten“ nachrückten, verlor die Lichtbaumart schrittweise an Terrain und ist uns heute nur mehr an Standorten, wohin ihr die Konkurrenz nicht folgen konnte, oder in Aufforstungen erhalten geblieben. Die Stärke dieser Baumart liegt eben in der Besiedelung von Freiflächen, etwa in Wäldern mit zerstörtem Oberboden nach jahrhundertelanger Streunutzung (z.B. im Waldviertel) in felsigen Extremstandorten sowie auf Katastrophenflächen, z.B. nach Waldbränden.
Kiefern, die nicht in gleichaltrigen Reihen gepflanzt werden, haben sehr unterschiedliche Baumkronen, die ihre Schönheit, die junge fuchsrote Rinde, das satte Grün der Nadeln, vor blauem Himmel so richtig ausspielen. Der würzige Geruch von Kiefernwäldern lädt an einem warmen Sommertag zum Schauen, Riechen, Fühlen und Horchen ein, wie es Theodor Fontane, der als ausgebildeter Apotheker eine besondere Beziehung zur Natur hatte, in einem Gedicht so trefflich beschreibt:

Theodor Fontane

Mittag
Am Waldessaume träumt die Föhre,
Am Himmel weiße Wölkchen nur,
Es ist so still, dass ich sie höre,
Die tiefe Stille der Natur.

Rings Sonnenschein auf Wies' und Wegen,
Die Wipfel stumm, kein Lüftchen wach,
Und doch es klingt als ström' ein Regen
Leis tönend auf das Blätterdach.


Theodor Fontane wird am 30. Dezember 1819 in Neuruppin, einer kleinen Stadt nordwestlich von Berlin, geboren. Fontanes Vater Louis Henri besitzt die Neuruppiner »Löwen- Apotheke«. Nach dem Ende der Schulzeit wählt Fontane den Beruf des Vaters. Am 2. März 1847 besteht er das Staatsexamen in Pharmazie und wird zum »Apotheker erster Klasse« ernannt. Ende September 1849 gibt Fontane die pharmazeutische Karriere auf und konzentriert sich nun ausschließlich auf seine literarische Arbeit.


Pinus, Kiefern oder Föhren


Abbildung aus dem Kräuterbuch des Adamus Lonicerus (1604), Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer.
..Der Name Pinus kommt aus dem Lateinischen und leitet sich von Pinum ab. Damit wurden spitze Gegenstände bezeichnet. Bei der Kiefer bezieht es sich auf die spitzen Nadeln. Die Schreibweise in der lateinischen Bezeichnung der Waldkiefer, Pinus sylvestris, geht auf Carl von Linné zurück. Die Art wurde 200 Jahre lang lateinisch korrekt mit "i" geschrieben - bis ein Tüftler herausfand, dass Linné (1707 – 1778) in der Erstbeschreibung ein „y“ verwendet hatte. Dabei muss es also jetzt bleiben.

Die deutsche Bezeichnung Föhre steckt auch im Wort Kiefer, das eigentlich Kien-Föhre, also die wegen ihres Harzgehaltes zu Leuchtspänen verwendete Föhre, meint.

      Aus dem Kräuterbuch von Adam Lonitzer (1528-1586) "Naturalis historiae opus novum: in quo tractatur de natura et viribus arborum, fruticum, herbarum, animantiumque terrestrium, volatilium & aquatilium; item, gemmarum, metallorum, succorumque concretorum": Sylvestris pinus dicitur… Kyfferholtz / item Forenholtz... (auch hier „sylvestris“, die Schreibung mit y oder i war mehr oder weniger eine Geschmacksfrage, auch im Deutschen, siehe Kiefer = Kyffer)

    Es gibt fast 100 Pinus-Arten


    Schwarzkiefernbestand im Wienerwald (aufgenommen am Beethoven-Spaziergang von Mödling nach Baden)
      Für Österreich ist die Schwarzföhre, Schwarzkiefer oder Schirmföhre (in Wien: „Parapluie-Baum“; Namensgeber für den Parapluiberg in Perchtoldsdorf bei Wien) von besonderem Interesse, die oft als "berühmteste" Baumart des Landes bezeichnet wird. Pinus nigra subspezies nigra (var. austriaca) - so lautet der korrekte Name des Baumes, der das Landschaftsbild entlang der Thermenlinie und im Wiener Becken auf einzigartige Weise prägt. Die mitunter zwischen den Felsen wachsende Pflanze verleiht dem Wienerwald seinen unverwechselbaren südlichen Charakter, der an Gegenden am Mittelmeer erinnert. Der Schwarzkieferbestand umfasst dort mehr als 30.000 ha und stammt größtenteils aus künstlichen Begrünungen mit dem Ziel der Harzerzeugung. Landschaftsprägend sind auch die Aufforstungen aus dem 18. Jahrhundert im Steinfeld.

    Harzgewinnung
    Im südlichen Niederösterreich bezeichnet man die Harzgewinnung aus Schwarzföhren als Pecherei, da das Baumharz auch „Pech“ genannt wird. Der Pecherhof Hernstein ist der letzte Harzverwertungsbetrieb in Mitteleuropa und weltweit der einzige, der das Harz von Schwarzföhren verarbeitet. Gab es 1960 noch 750.000 Pechbäume, werden heute nur noch 4.000 Kiefern genutzt. Seit dem 17. Jahrhundert ist das Pechern in der Region nachgewiesen. Noch während der 1960er Jahre haben rund 7000 Familien davon gelebt. Heute gibt es noch sechs Pecher, die das Harz um etwa 1,5 € pro Kilo an den Pecherhof liefern.
        Das österreichische Sozialversicherungsrecht kennt bis heute den Beruf des "selbstständigen Pechers", der wie folgt definiert wird: „selbständige Pecher, das sind Personen, die, ohne auf Grund eines Dienst- oder Lehrverhältnisses beschäftigt zu sein, durch Gewinnung von Harzprodukten in fremden Wäldern eine saisonmäßig wiederkehrende Erwerbstätigkeit ausüben, sofern sie dieser Erwerbstätigkeit in der Regel ohne Zuhilfenahme familienfremder Arbeitskräfte nachgehen.“ (§ 1 Abs 1 lit f Arbeitslosenversicherungsgesetz).
    Ein literarisches Denkmal für dieses Handwerk setzte übrigens Adalbert Stifter mit seiner Erzählung Granit.

    Der Harzfluss ist je nach Jahreszeit und Witterung unterschiedlich, Wärme und Feuchtigkeit wirken sich günstig aus. Pro Stamm und Jahr konnten drei bis vier kg Pech gewonnen werden. Zuerst wird an den Bäumen in einer Höhe von ca. 0,5-2 m im Frühjahr die Borke entfernt. Später werden mehrfach im Abstand von einigen Tagen V-förmige Einschnitte in das Splintholz angelegt, wodurch der Ausfluss eines Balsams aus schizogenen Exkretgängen in Rinde und Holz in Gang gesetzt wird, welcher über Rinnen in Auffanggefäße geleitet wird. Aus dem Harz wird durch Wasserdampfdestillation und Rektifikation (eine Gegenstrom-Destillation zur Reinigung) Terebinthinae aetheroleum rectificatum gewonnen. Der verbleibende Rückstand, geschmolzen und gereinigt, wird Kolophonium genannt. Terpentinöl und Kolophonium wurden vorwiegend in der Papier-, Lack-, Seifen-, Kabel- und Schuhcremeindustrie verwendet, haben aber auch noch in der Pharmazie gewisse Bedeutung, siehe Phytos in der Dermatologie, in Österreichische Apotheker-Zeitung ÖAZ 5/2005 Seite 226ff sowie Kubelka W, Länger R / Phytokodex: Pflanzliche Arzneispezialitäten aus Österreich.

    Schmiergeld fürs Kolophonium
    Übrigens: Kolophonium, heute etwa zur Behandlung des Geigenbogens bekannt, war in vorindustriellen Zeiten zur Herstellung von Schmiermitteln unersetzlich. Die Reisenden vergangener Tage, die mit der Postkutsche unterwegs waren, mussten an den Relaisstationen ein sogenanntes "Schmiergeld" entrichten; eine Bezeichnung, die inzwischen einen erheblichen Bedeutungswandel erfuhr.

    Ausflugstipp: Der Pecherpfad in Hölles mit der Pecherkapelle und der Pecherhütte zeigt anhand von Anschauungsobjekten die verschiedenen Arbeitsschritte des Pechens. Das Pechermuseum ist im alten Pfarrhof von Hernstein untergebracht.

    Zum Bericht in der Österreichischen Apotheker-Zeitung ÖAZ 02/2007 ÖAZ 2-2007_Föhre.pdfÖAZ 2-2007_Föhre.pdf