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Königskerzen: sind die Blüten nur eine Schmuckdroge?
 
 
Im Winter und der Übergangszeit haben Atemwegserkrankungen Hochsaison. Schnupfen und Husten als Symptome einer viralen und in der Folge meist auch bakteriellen Infektion stellen sich ein. Prophylaktisch sind vitaminreiche Ernährung mit Obst und Gemüse, ausreichend (warme) Flüssigkeit, sinnvolle Kleidung sowie Spaziergänge an der frischen Luft empfehlenswert. Wenn sich trotzdem ein Infekt durchsetzen sollte, lindern Phytopharmaka die Beschwerden. Die Blüten der Königskerzen sind oft Bestandteil der verschiedensten Hustenmittel in Teeform, wobei ihnen neben der unbestrittenen Wirkung zweifellos auch ein schmückender Effekt zugebilligt werden muss.

Die Königskerze mit ihrem imposanten kerzengeraden Wuchs erinnert an Kandelaber.
    Königskerzen sind zweijährige Gewächse, die im ersten Jahr nur eine groß angelegte Blattrosette mit stark behaarten und derben Blättern bilden. Daraus entwickeln sich dann sehr große Sprosse, die eine Höhe von 1 – 3 m erreichen können. Der wollig behaarte derbe Stängel trägt wechselständige ganzrandige (V. phlomoides) oder gekerbte (bei V. densiflorum) Blätter. Der rutenförmige Blütenstand erblüht nicht auf einmal, es öffnen sich vielmehr täglich einige Blüten, die dann bald wieder abfallen.

    Die Königskerze mit den vielen schönen leuchtenden Blüten und mit ihrem imposanten kerzengeraden Wuchs erinnert an Kandelaber. Ob sie davon den Namen hat, ist ungewiss. Die deutsche Bezeichnung kommt vielleicht auch daher, weil die mit Teer oder Pech bestrichene Pflanze früher als besonders langbrennende Fackel ("König der Kerzen") benutzt wurde. Doch auch eine Sage erzählt, wie die Königskerze zu ihrem Namen gekommen sein soll: Ein englischer König besuchte mit seinem kleinen Sohn als Pilger die Ewige Stadt Rom. In den Katakomben wurde er von einem arglistigen Führer beraubt und in der Finsternis zurückgelassen. Da ging von der Blume, die sein Söhnchen am Eingang gepflückt hatte, ein Leuchten aus, so dass sie glücklich hinaus fanden. Seither heißt die Pflanze Königskerze.


Die Blüten der Königskerzen pharmazeutisch betrachtet


Fotos: F.Biba

Verbasci flos
[Ph.Eur. 5. Ausgabe, Grundwerk 2005]
Blüten gelb, 5zählig, leicht dorsiventral, mit ungleich langen Staubblättern. Die 2 langen Staubblätter kahl, die 3 kürzeren wollig behaart.
    Lateinische Bezeichnungen: Verbascum phlomoides L.; Verbascum thapsiforme Schrader

    Der lateinische Name der Pflanze wird einerseits abgeleitet von "barbascum", barba = lateinisch Bart, andererseits vom griechischen θψος (thapsos) oder "thapsia", worunter die alten Griechen eine zum Gelbfärben benutzte Doldenpflanze verstanden.

    Volksnamen: Königskerze, Wollblume, Königskerzenblumen, Wollkrautsblumen, Himmelbrandstee, Windblumen, Brennkraut, Fackelkraut, Goldblume, Marienkerze.

    Englisch: Mullein flowers, Torch Weed flowers; französisch: Fleurs de bouillon blanc, Fleurs de moléne

    Stammpflanzen: Verbascum thapsus L. / Kleinblütige Königskerze, Verbascum densiflorum BERTOL. (Verbascum thapsiforme SCHRAD.) / Großblütige Königskerze und Verbascum phlomoides L. / Windblumen-Königskerze, Gemeine Königskerze, aus der Familie der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae).

    Verwendeter Pflanzenteil: Blütenkronen mit den angewachsenen Staubblättern (Flos Verbasci).

    Offizinell (im Arzneibuch): Flos Verbasci (Königskerzenblüten) und Brusttee (Species pectorales):

    Species pectorales (Brusttee):
    je 10 Teile Malvenblüte, Königskerzenblüte und Thymianblatt, je 20 Teile Eibischblatt und Eibischwurzel, 25 Teile Süßholzwurzel, 5 Teile Anis.

    Inhaltsstoffe der Blüten: Polysaccharide: ca. 3 % Schleim. Saponine
    Weitere Inhaltsstoffe: Flavonoide (bis 4 %), Iridoide (bis ca. 0,6 %, Aucubin, Catalpol und Derivate), Phenylethanoidglykoside (Verbascosid).

    Verwendung:
    Die Droge ist relativ teuer, da die Blüten mit der Hand gesammelt und schonend getrocknet werden müssen. In Teemischungen werden die Blüten der Königskerzen gerne als Schmuckdroge beigemischt, die aber die Wirksamkeit weiter unterstützt. Der in den Blüten enthaltene Schleim wirkt bei Husten reizlindernd und die Saponine sind zusätzlich auswurffördernd und erleichtern damit das Abhusten.

    Unerwünschte Wirkungen: Keine bekannt.

    Indikationen:
    Wissenschaftlich belegt:
    Katarrhe der Luftwege.

    Empfohlene Dosierung:
    zur Teebereitung; mittlere Tagesdosis: 3-4 g Droge. 1 Teelöffel = etwa 0,5 g.