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Durchfall: Die WHO-Trinklösung (ORS = Oral Rehydration Solution; SSS = Simple Sugar Salt-solution)
 
Flüssigkeits- und Elektrolytersatz
 
Etwa 20 Millionen Reisende erkranken pro Jahr an Durchfall. Auslöser dieser sogenannten Reisediarrhöen (Reisedurchfälle) können Bakterien, Viren und Parasiten sein, und danach richtet sich die Therapie. Häufig sind Lebensmittelvergiftungen und bakterielle oder virale Infektionen des Magen-Darm-Traktes für den Durchfall verantwortlich. Bei den Bakterien sind die Erreger der Stämme von Escherichia coli bei weitem die häufigsten Auslöser, gefolgt von Campylobacter und Salmonellen Infektionen. Die Durchfallerreger werden vorwiegend durch den Verzehr kontaminierter Nahrungsmittel übertragen.

Folgende Nahrungsmittel gelten als potentiell gefährlich:

      • Leitungswasser
      • Eiswürfel
      • Eiscremes
      • Salate, rohe Gemüseprodukte
      • ungeschälte Früchte
      • rohe Fisch- oder Fleischzubereitungen
      • Kaltschalengerichte (Pasteten, Mayonnaisen etc.)
Wasser sollte nur als industriell aufbereitetes, in Originalflaschen abgefülltes Trinkwasser (Mineralwasser) verwendet werden, auf die Unversehrtheit des Verschlusses (auch im Hotel!) ist zu achten. Selbstverständlich sind alle Softdrinks in original verschlossenen Dosen oder Flaschen unbedenklich.

Bei Durchfällen nimmt der Dickdarm die Mineralsalze nicht mehr auf und dickt den Stuhl nicht ein. Massive Flüssigkeits- und Elektrolytverluste sind die Folge. Da aber mit den wässrigen Stühlen auch die schädlichen Substanzen rasch ausgeschieden werden, muss nicht jeder Durchfall sofort mit Medikamenten behandelt werden. Die Erkrankung hat einen ausgeprägt selbstlimitierenden Charakter, d.h. in den meisten Fällen klingt der Durchfall nach zwei bis drei Tagen wieder von selbst ab. Je nach Schwere und Dauer der Durchfälle werden dem Körper allerdings hohe Flüssigkeitsmengen und damit wichtige Mineralien entzogen.

Wichtig ist daher der Flüssigkeits- und Elektrolytersatz: Die WHO-Trinklösung (ORS = Oral Rehydration Solution; SSS = Simple Sugar Salt-solution).

Mit dem Einsetzen von Durchfall sollte laufend für Ersatz von Flüssigkeit und Elektrolyten gesorgt werden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt eine Salz- und Glucosetrinklösung (Orale Rehydrationslösung, "WHO-Trinklösung") nach folgender Zusammensetzung: Glucose 111 mmol/l, Na+ 90 mmol/l, K+ 20 mmol/l, Hydrogencarbonat (HCO3- ) 30 mmol/l, Cl- 80 mmol/l.

Man erhält diese Lösung indem man folgende Substanzen in 1 Liter Wasser auflöst:

Glucose, wasserfrei (20 g)
Natriumhydrogencarbonat (2,5 g)
Natriumchlorid (3,5 g)
Kaliumchlorid (1,5 g)

Durch Auflösen dieser Substanze in 1 Liter Wasser erhält man eine hypotone Lösung, die eine maximale Resorption und Rehydration bewirkt:

      • Glucose („Traubenzucker“) und Natrium gelangen über einen gekoppelten Transport in die Epithelzellen des Darms,
      • Chlorid und Wasser folgen auf Grund des elektrochemischen beziehungsweise osmotischen Gradienten.
      • Der Zusatz von Kaliumchlorid dient dem Ausgleich intrazellulärer Kaliumverluste und
      • Natriumhydrogencarbonat (chemisch NaHCO3, wird auch mit den Trivialnamen Natriumbicarbonat, Bikarbonat, doppeltkohlensaures Natron oder kurz Natron, auch „Speisesoda“ oder „Bullrichsalz®“ bezeichnet) soll die zumeist saure Stoffwechsellage (metabolische Acidose) ausgleichen.

Satt Hydrogencarbonat verwendet man heute auch Zitrat, mit dem der selbe Effekt erzielt werden kann, und das auch den Geschmack der Lösung verbessert, woraus eine bessere Akzeptanz resultiert.

Während Lösungen mit hohem NaCl-Gehalt (Na+ 90 mmol/l) in der dritten Welt zur Anwendung kommen (zur Rehydrierung bei Cholera eignet sich besser eine Glucose-Elektrolytlösung mit höherer Natrium-Konzentration), haben sich bei uns Glucose-Elektrolytlösungen entsprechend der ESPGHAN-Empfehlungen (European Society of Pediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition) bewährt, die zwischen 40-60 mmol NaCl/l enthalten.

Entsprechende Granulate zur Herstellung der „WHO-Trinklösung“ sind in Apotheken erhältlich (z.B. Normhydral ®).

Im NRF - Neues Rezeptur-Formularium (Herausgeber: ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände) sind drei Rezepte für Glucose-haltige Pulvermischungen zur magistralen Herstellung einer ORS (Oral Rehydration Solution) angeführt:

Die drei oben angeführten Rehydratationslösungen unterscheiden sich vor allem hinsichtlich der enthaltenen Natrium-Ionen: die enteralen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverluste sind bei Infektionen durch z. B. Rotaviren, Colibakterien oder Cholera-Erregern (Vibrio cholerae) unterschiedlich, deshalb ist die Glucose-Konzentration der WHO-Lösung für die Cholera-bedrohten Entwicklungsländer relativ gering im Verhältnis zu den Salzen.

Behelfsmöglichkeit:
Als Ersatz für die WHO-Trinklösung kann man im Notfall auch folgendes Getränk leicht selbst herstellen:
· 8 nicht gehäufte Teelöffel Zucker (=Saccharose, wird im Körper in Glucose und Fructose gespalten)
· ¾ Teelöffel Salz (Kochsalz = Natriumchlorid)
· ½ Liter Orangensaft (enthält ca. 0,8 g Kalium, entspricht etwa 20 mmol)
· ½ Liter Mineralwasser (enthält je nach Sorte bis etwa 20 mmol HCO3- )

Die Trinkmenge sollte etwa 40 ml / kg KG innerhalb von 24 Stunden betragen (macht z. B. bei einem Körpergewicht von 75 kg drei Liter pro Tag).

Wann zum Arzt ?

Zum Arzt müssen Sie immer dann gehen, wenn der Durchfall länger als 3 - 4 Tage dauert, wenn sich Blut im Stuhl befindet, wenn hohes Fieber, Schüttelfrost, starke Krämpfe oder anhaltendes schweres Krankheitsgefühl hinzukommen. Leidet ein Kleinkind unter Durchfall, müssen Sie mit ihm spätestens nach 24 Stunden zum Arzt.