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Arzneipflanze des Jahres 2003: Die Artischoke
 
Dieses Jahr löst die Artischocke den stechenden Mäusedorn ab.
 

Seit 1999 wird die Arzneipflanze des Jahres vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzen am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg ausgelobt. Dieses Jahr löst die Artischocke (Cynara scolymus L. aus der Familie der Asteraceae) den stechenden Mäusedorn (Ruscus aculeatus) als Arzneipflanze des Jahres ab. Die Artischocke werde als Arzneimittel, Genussmittel und als Kunstobjekt gleichermaßen geschätzt, begründete der Studienkreis seine Entscheidung.

Flavonoide aus den Blättern der Arzneipflanze (Cynarae folium) stimulieren konzentrationsabhängig die Cholerese und steigern die Gallensäureproduktion. Weiters wirken Artischockenextrakte günstig beim dyspeptischen Beschwerden und Verdauungsstörungen. Extrakte aus der Artischocke senken hochsignifikant sowohl den Triglyceridgehalt als auch den Gesamtcholesterinspiegel im Blut. Cynarin ist ein Lipolysehemmstoff ähnlich Nikotinsäure, ist aber wesentlich besser verträglich. Luteolin hemmt die Cholesterinsynthese. Artischockenextrakte wirken weiters protektiv auf die Leber aufgrund entgiftender, antioxidativer und regenerationsfördernder Eigenschaften.

Der Name "Artischocke" soll aus dem Arabischen stammen, „ardi-schauki“ oder "al-harsuf", auf Deutsch „Erddorn“, "distelartige Pflanze" oder "Erddistel". Unter der lateinischen Bezeichnung "Cynara" beschrieb sie ein römischer Gelehrter als Delikatesse. Allerdings, ob die Cynara der antiken Quellen schon unsere Artischocke oder doch die Kardone, Cynara cardunculus, war, scheint noch nicht geklärt zu sein. Jedenfalls kam die Artischocke aus Arabien mit den Mauren nach Sizilien und Südspanien. Im sechzehnten Jahrhundert erreicht sie Frankreich, später Deutschland. In Siziliens Küchen ist die Artischocke noch heute eine wichtige Beilage.

Das stachelige Gemüse wird aber auch bei uns immer beliebter. Die traditionelle Art, Artischocken zu essen: Man serviert die ganze Knospe so weich gekocht, dass sich die einzelnen Blätter abzupfen lassen. Bei Tisch hat jeder ein solches Exemplar vor sich auf dem Teller, zupft Blatt für Blatt ab, tupft jedes in eine Sauce und lutscht es aus. Aber es gibt noch eine Vielzahl von Möglichkeiten, dieses herzhafte Gemüse zu genießen. „Carciofi alla giudea“, Artischocken auf jüdische Art, ist vielleicht die beste, jedenfalls die schönste aller Möglichkeiten, Artischocken zuzubereiten. Die ganz jungen Artischocken in Salzwasser mit viel Zitronensaft legen, dann trocknen, die Blätter leicht auseinanderziehen und kopfüber in nicht zu heißem Olivenöl frittieren. Die Blätter gehen auf wie Blumen und werden goldbraun und knusprig. Nach fünf Minuten umdrehen, Stiel und Unterseite fertig backen. Schmeckt besonders gut zu Lamm.