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Am 11. April ist der Welt-Parkinson-Tag
 
Neben der Therapie ist für den Patienten das soziale Umfeld von großer Bedeutung
 
Rund 20.000 Menschen leiden in Österreich an Morbus Parkinson, einer der weltweit häufigsten neurologischen Erkrankungen. Auch heuer findet am 11. April wieder der Welt-Parkinson-Tag statt.

Die Rolle der ApothekerInnen bei der Betreuung von Parkinsonpatienten: Optimale Arzneimittel-Einnahme besonders wichtig

    Die Parkinson-Krankheit wurde nach dem englischen Arzt Dr. James Parkinson benannt, der die Symptome der Erkrankung erstmals klar und ausführlich beschrieben hat. Seit den Neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wird Parkinsons Geburtstag weltweit als Parkinson-Aktionstag begangen.

    Sir James Parkinson (11. April 1755 - 21. Dezember 1824), Arzt, Apotheker und Paläontologe in London, war der Sohn des Apothekers und Chirurgen John Parkinson, studierte von 1776 bis 1784 Medizin im London Hospital und übernahm 1784 die Praxis seines Vaters. 1799 veröffentlichte er unter dem Titel Chemical Pocket-Book ein Kompendium der Chemie. Seine bekannteste Veröffentlichtung aber ist die Arbeit "An Essay on the Shaking Palsy "von 1817, in der Parkinson erstmals die Symptome der später nach ihm benannten neurologischen Erkrankung beschreibt. Parkinson selbst bezeichnete sie wegen des bei vielen Patienten auffälligen Ruhetremors als „Schüttellähmung“ (Paralysis agitans). Der Ausdruck „Parkinson-Krankheit“ (auch „Parkinson-Syndrom“, „Morbus Parkinson“ oder „Parkinsonismus“) wurde vermutlich zum ersten Mal im Jahr 1884 von dem französischen Psychiater Jean-Martin Charcot (1825-1893) benutzt. Neben seiner medizinischen Arbeit betätigte sich Parkinson auch als Geologe und Paläontologe: Er baute eine umfangreiche Mineralien- und Fossiliensammlung auf und veröffentlichte ein dreibändiges Werk mit dem Titel "Organic Remains of a Former World" sowie ein paläontologisches Lehrbuch mit dem Titel "Outlines of Orytology".

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit mehr als eine Milliarde Menschen an Erkrankungen des zentralen Nervensystems, davon mehr als 4 Millionen an Parkinson (Morbus Parkinson, Paralysis agitans oder Schüttellähmung genannt).

Der Morbus Parkinson ist eine Stammganglienerkrankung, die vor allem durch Bewegungsstörungen gekennzeichnet ist. In Österreich sind schätzungsweise 15.000 bis 20.000 meist ältere Menschen - mehr Männer als Frauen - an der PK erkrankt. Betroffen sind rund 1 Prozent der über 60-jährigen. Es kommt aus meist unbekannter Ursache zu einem Dopaminmangel in einem bestimmten Gehirnbereich (Substantia nigra), selten sind Vorerkrankungen auslösend.

Typische Symptome sind Akinese (Bewegungsverlangsamung), Rigor (Muskelsteifheit) und Tremor (grobschlägiges Zittern in Ruhe). Daneben kann es zu depressiver Verstimmung, vegetativen Symptomen und Mimikverlust kommen.

Durchbruch in der Behandlung der Parkinson-Krankheit gelang Anfang der 60er Jahre mit der Entdeckung der krankheitsauslösenden Ursache – eines Mangels an Dopamin in einer bestimmten Hirnregion – durch den Wiener Pharmakologen O. Hornykiewicz.

Am 15. Dezember 1960 berichteten Herbert Ehringer und Oleh Hornykiewicz vom Pharmakologischen Institut der Universität Wien in der "Klinischen Wochenschrift" über eine sehr bedeutsame Entdeckung im Gehirn verstorbener Patienten: "Bei insgesamt sechs Fällen von Morbus Parkinson . . . war der Dopamingehalt des Neostriatums hochgradig vermindert."

Der Vorstand der Neurologischen Abteilung des Lainzer Krankenhauses, Primarius Walter Birkmayer, und Hornykiewicz fanden eine Lösung, um dem Gehirn trotzdem das fehlende Dopamin zuzuführen: Sie verabreichten PK-Patienten L-Dioxyphenylalanin, abgekürzt L-Dopa, eine Vorstufe von Dopamin, die im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird. Am 10. November 1961 schrieben sie in der "Wiener klinischen Wochenschrift": "Der Effekt einer einmaligen intravenösen L-DOPA-Gabe beim Parkinson-Syndrom bestand, kurz gesagt, vor allem in der gänzlichen Aufhebung bzw. wesentlichen Verringerung der Akinese. Patienten, die sich aus dem Liegen nicht aufsetzen, aus dem Sitzen nicht aufstehen, vom Stehen nicht zum Gehen starten konnten, brachten diese Leistungen nach L-DOPA-Gaben leicht zustande. Sie gingen mit normalen Mitbewegungen, konnten sogar laufen und springen . . . “

Damit Levodopa nicht vorzeitig, noch bevor es im Gehirn ist, im Körper abgebaut wird, wird es mit einem dies verhindernden Hemmstoff - Benserazid oder Carbidopa - in fester Kombination in Tablettenform verabreicht. Dadurch werden geringere Mengen benötigt und auch die Nebenwirkungen sind geringer. (Diese wichtige Entdeckung wurde 1966 von Birkmayer und Maria Mentasti in Wien gemacht.)

Heute stehen neben der Dopamin-Therapie weitere hochselektive Medikamente zur Behandlung dieser Erkrankung zur Verfügung. Durch sie wurde die Lebenserwartung für Parkinsonpatienten praktisch normalisiert.

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Neben der Therapie ist für den Patienten das soziale Umfeld von großer Bedeutung, da mit Fortschreiten der Erkrankung eine zunehmende körperliche und geistige Behinderung erfolgt und im Zusammenhang damit ein fortschreitender sozialer Rückzug. Der Beziehungs-Trias "Therapie–Patient–Angehöriger" kommt größte Bedeutung für das Wohlbefinden der Patienten zu. Hier können also Arzt und Apotheker die Behandlung entscheidend unterstützen. Zusätzliche Tipps und Hilfsmittel können sehr wichtig sein, z.B.: Der Parkinsonkranke braucht zu allem mehr Zeit, auch beim Essen. Damit dieses nicht kalt wird, ist ein Warmhalteteller zu nehmen. Durch Tremor und Steifigkeit der Finger hat er Mühe, das Essbesteck zu halten. Das gelingt besser, wenn die Griffe mit Knetmasse verstärkt und griffsicherer gemacht werden. Das Brot ist in Stücke zu schneiden. Auf eine ausreichende Trinkmenge ist in jedem Fall zu achten, da der Antrieb zum Trinken vermindert sein kann. Eine Exsikkose führt bald zu einer generellen Verschlechterung des Krankheitszustandes. Zum Trinken können auch diverse Hilfsmittel angeboten werden, besondere Schwierigkeiten können beim Schlucken der Tabletten auftreten: hier gibt es Tipps in jeder Apotheke, nötigenfalls kann man auch auf lösliche Tabletten oder andere Arzneiformen ausweichen.

Ein wichtiger Aspekt ist die Auseinandersetzung mit der Krankheit, die Bereitschaft, mit der Krankheit zu leben. Dabei helfen ihm kompetente Aufklärung und Beratung, hier leisten die Parkinson-Selbsthilfegruppen hervorragende Arbeit.

Das Kernstück der Behandlung bildet nach wie vor die medikamentöse Therapie. Sie kann aber durch andere Therapien ergänzt werden, dazu zählen Bewegungstherapie, Diätberatung, kognitives Training, Sexual- und Inkontinenzberatung sowie, ganz wesentlich, die Angehörigenbetreuung, Informationen dazu erhalten Betroffene in den Selbsthilfegruppen.

Link zur Parkinson-Selbsthilfe Österreich: www.parkinson-sh.at/