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100 Jahre Apothekerhaus in der Spitalgasse
 
 
Im Jahr 1908 wurde das »Apothekerhaus« in der Spitalgasse 31 im 9. Wiener Gemeindebezirk gebaut. Am 25. November 1908 fand die feierliche Eröffnung des »Allgemeinen österreichischen Apotheker-Vereines« statt.


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100 Jahre Apothekerhaus in der Spitalgasse

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Das neue Vereinshaus 1908……und heute (das Apothekerhaus erstrahlte am 14. November

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»Mietegäste fünf im Haus«
Im Jahr 1908 wurde nicht nur die Pharmazeutische Gehaltskasse gegründet, sondern auch das »Apothekerhaus« in der Spitalgasse 31 im 9. Wiener Gemeindebezirk gebaut. Am 25. November 1908 fand die feierliche Eröffnung des neuen »Vereinshauses des Allgemeinen österreichischen Apotheker-Vereines« statt.

Das Vereinshaus des Apotheker-Vereines in Wien beherbergte schon anfangs verschiedene Institutionen der Apothekerschaft: neben dem Apotheker-Verein auch das Wiener Apotheker-Hauptgremium und dessen Sammlungen, die Laboratorien, die Pharmazeutische Schule, die Allgemeine Gehaltskasse der Apotheker, den Ersten österreichischen Apotheker-Kreditverein und andere. Es war von Anfang an als »feste Burg der Pharmazie« konzipiert. Spätestens aber im Jahr 1954 ist das Apothekerhaus durch die Rückkehr der Pharmazeutischen Gehaltskasse sowie der Aufnahme des Pharmazeutischen Reichsverbandes, der Apothekerbank und des Apotheker-Verlages wiederum zum Apothekerhaus geworden. Der 100-jährige Bestand ist Grund genug, ein wenig die Baugeschichte in Erinnerung zu rufen und die historischen Eckdaten des Hauseigentümers – des Österreichischen Apothekerverbandes - und der jetzigen »Mietegäste fünf im Haus« – Apothekerkammer, Pharmazeutische Gehaltskasse, VAAÖ samt Zweigverband, Apothekerbank und Apotheker-Verlag – zusammenzufassen.

Über ein Vierteljahrhundert geht der Autor als Mitarbeiter der Apothekerkammer selbst im Apothekerhaus ein und aus, hat die letzten gravierenden Umbauten und Erweiterungen, den Ausbau des Dachbodens als neues Domizil des Apothekerverbandes sowie den Umbau und die Erweiterungen der Kammerräumlichkeiten, aber auch die Entwicklung der Berufsvertretungen aktiv miterlebt.

Erste Adresse bei pharmaziehistorischen Themen ist aber selbstverständlich Prof. Mag. pharm. Dr. phil. Otto Nowotny. Er gibt in über 240 Beiträgen umfassende Einblicke in die österreichische Geschichte der Pharmazie und des Apothekenwesens. Als Bibliothekar betreut er seit 1960 die Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer und hat sich durch seine unermüdliche und unersetzbare kompetente Tätigkeit außerordentliche Verdienste um die österreichische Pharmazie erworben. Viele seiner grundlegenden Beiträge befassen sich mit der Entstehung und Entwicklung der Berufsvertretungen der Apotheker, sie sind zugleich Standes- und Kulturgeschichte. Sie sind auch die wichtigste Grundlage der folgenden Ausführungen. Darüber hinaus waren die verschiedenen Jubiläumsfeiern der freiwilligen Interessenvertretungen und der Pharmazeutischen Gehaltskasse Anlass, die jeweilige Entstehungsgeschichte und Entwicklung in Festschriften, Sonderbeilagen zu den pharmazeutischen Zeitschriften, speziell auch in der Österreichischen Apotheker-Zeitung, wiederzugeben.


„(...) Das Wort, welches aus diesem Hause offiziell hinaus dringt, soll das Wort des gesamten Standes sein…“ - aus der Eröffnungsrede von Apotheker-Vereins-Direktor Rudolf Hauke (Bild oben).


Der Hausherr
Die Entstehungsgeschichte des Österreichischen Apothekerverbandes1) ist insbesondere von Dr. Nowotny gut erforscht und in mehreren Beiträgen – zuletzt in der ÖAZ 2007 – umfassend dokumentiert.2)
Die konstituierende Generalversammlung des Allgemeinen österreichischen Apotheker-Vereines fand am Montag, dem 16. September 1861, im festlich geschmückten Grünen Saal der Akademie der Wissenschaften im 1. Bezirk statt. Den Vorsitz in der Versammlung hatte das älteste Mitglied des Gründungskomitees, der angesehene Apotheker Mag. pharm. Franz Beckert, inne. Er wurde zum ersten Direktor gewählt, zu seinem Stellvertreter Prof. Dr. Martin Ehrmann bestimmt.3)

Ein wesentliches Motiv für die Gründung des Apotheker-Vereines war die nach Ansicht der Apotheker in der Monarchie im 19. Jahrhundert gegenüber den Behörden bzw. der Regierung zu wenig effiziente standespolitische Vertretung durch die nach den Gremialordnungen eingerichteten Gremien. So führte bei den Gremialsitzungen ein von der Behörde bestimmter Gremialkommissär – ein Notar der medizinischen Fakultät, Stadtphysikus oder Kreisarzt – den Vorsitz, der nicht primär die Interessen der Gremialmitglieder vertrat. Erst durch die Verordnung des Innenministers aus dem Jahr 1873 wurde diese Bestimmung außer Kraft gesetzt und der Vorsitz bei den Versammlungen dem Gremialvorsteher, also einem Apotheker, zugewiesen. Der Regierung blieb aber das „Recht vorbehalten, zu den Gremialversammlungen, dort, wo sie es angezeigt findet, einen landesfürstlichen Kommissär abzuordnen“. Die angestellten Apotheker waren in den Gremien bis 1907 überhaupt nicht vertreten.

Der Apotheker-Verein hingegen konnte ohne besondere behördliche Eingriffe in allen Teilen der Monarchie, in allen Kronländern seinen Aufgaben nachkommen und durch die wachsende Zahl seiner Mitglieder als eine repräsentative Vertretung des gesamten Berufsstandes den Behörden seine Vorstellungen und Wünsche mitteilen. Nach verschiedenen – auch finanziellen – Krisen, die z.B. 1873 zur Gründung der »Oesterreichischen pharmazeutischen Gesellschaft« führten – etablierte sich der Allgemeine österreichische Apotheker-Verein ab 1883 als durchsetzungskräftiger Verband. 4)

Die Umbenennung auf »Österreichischer Apothekerverband« erfolgte durch Änderung der Satzung im Jahr 1959.
Heute ist der Österreichische Apothekerverband die freiwillige Interessenvertretung der selbständigen Apotheker Österreichs. Als Verein mit freiwilliger Mitgliedschaft der Eigentümer, Miteigentümer und Pächter einer öffentlichen Apotheke repräsentiert er derzeit mehr als 90% aller selbständigen Apotheker Österreichs und besitzt die Kollektivvertragsfähigkeit.
Nach dem Ausbau des Dachbodens 1992 befinden sich dort auch die Verbandsräumlichkeiten.


Die ersten Vereinslokale
Der Aufbau der inneren Organisation des Apotheker-Vereines ab 1861 litt zunächst unter der empfindlichen Raumnot. Es war während dieser Jahre auf Grund enorm hoher Mieten sehr schwierig, in der Inneren Stadt eine für die Tätigkeit des Vereines halbwegs brauchbare Lokalität zu finden. Die erste vom Verein angemietete Wohnung in der Annagasse 7 im 1. Bezirk bestand nur aus zwei Zimmern und einem kleinen Vorraum. Im ersten Raum wurde die Vereinskanzlei und die Redaktion der Vereinszeitschrift, im zweiten Zimmer das Laboratorium eingerichtet; es diente ab 1864 auch als Unterrichtsraum für die Tyronen (Aspiranten).
1871 übersiedelte der Verein in eine größere – bereits anfangs oder zumindest bald wieder viel zu kleine – Wohnung eines im Eigentum des Apothekers Franz X. Pleban 5) stehenden Hauses in der Singerstraße. Dieses Haus war auch das neue Gremiallokal des Wiener Apotheker-Hauptgremiums.
1872 wurde dem Verein das Eckgrundstück Spitalgasse 31/Michelbeuerngasse 1 im 9. Wiener Gemeindebezirk zu einem verhältnismäßig günstigen Kaufpreis angeboten. Auf diesem Grundstück befand sich ein zweistöckiges Mietshaus, in dem der Hausbesitzer zu ebener Erde eine Gastwirtschaft betrieb, deren Gastgarten bis zur Spitalgasse reichte. Nach längeren Beratungen entschloss sich das Direktorium des Apotheker-Vereines zum Kauf der Liegenschaft. Die im September 1872 abgehaltene Generalversammlung war mit den Plänen des Direktoriums einverstanden. Außerdem war noch eine Änderung der Vereinsstatuten, die die Aufnahme von Bankkrediten durch Beschluss einer Generalversammlung erlaubte, erforderlich.


Vom Wirtshaus zum ersten Apothekerhaus
Am Liegenschaftsankauf beteiligte sich auch das Wiener Apotheker-Hauptgremium. Die Gremialversammlung fasste am 16. Juli 1872 den entsprechenden Beschluss für den Unterstützungsverein des Gremiums. Der Unterstützungsverein des Wiener Apotheker-Hauptgremiums und der Allgemeine österreichische Apotheker-Verein wurden je zur Hälfte als Eigentümer in das Grundbuch eingetragen. Die Hauptlast der Finanzierung trug mit 32.900 Gulden der Apotheker-Verein. Außerdem waren noch die Kosten des Umbaues des Wirtshauses in ein zweckentsprechendes Vereinslokal, die Übersiedlungskosten sowie die Kosten der Umwandlung des Gastgartens in einen botanischen Garten zu tragen.
Der Tanzsaal des Wirtshauses wurde zum Sitzungssaal und Ausstellungsraum für die inzwischen entstandenen Sammlungen des Vereines umgestaltet. Das Extrazimmer des Wirtshauses wurde zum Schulraum für die Tyronen, die Küche verwandelte sich in ein chemisches Laboratorium, und das Gastzimmer nahm die Redaktion der Zeitschrift und die Vereinskanzlei auf. Der Gastgarten wurde mit frischer Erde bedeckt und konnte nun mit 400 pharmazeutisch wichtigen Pflanzen Unterrichtszwecken dienen.
1888 wurden die wissenschaftlichen Anstalten des Vereines durch die Gründung der Untersuchungsanstalt für Nahrungsmittel und Genussmittel – lange vor den staatlichen Anstalten – in einem ebenerdigen Neubau auf dem Gartengrundstück erweitert. In diesen Neubau folgte im Jahr 1900 noch das Bakteriologische Laboratorium.
Die Vermächtnisse des Apothekers Fuchs (74.000 Kronen), des Apothekers Kwizda (27.317 Kronen) und von Frau Katharina Prantl (42.000 Kronen) ermöglichten es dem Apotheker-Verein, 1901 die zweite Haushälfte vom Wiener Apotheker- Hauptgremium zu erwerben und damit Alleineigentümer der Liegenschaft zu werden. Das Wiener Apotheker-Hauptgremium ist ab diesem Zeitpunkt nur Mieter im Apothekerhaus.
Der Rest des geerbten Vermögens reichte noch nicht für einen Neubau. Gerade als ein Neubau und dessen Finanzierung wegen des Bauzustandes des alten Hauses, der aufwändige Investitionen immer dringender werden ließ – z.B. hatte die Gewerbeinspektion die Schließung des Laboratoriums angedroht –, als Alternative im Verein zunehmend diskutiert wurde, wurde ein Los des Apotheker-Vereins mit 30.000 Kronen gezogen. Auf Grund dieses Lostreffers wurden die Vorarbeiten für einen Neubau in Angriff genommen.


Der Bau des Apothekerhauses
Aufgrund der neu gefundenen Berichte von Sitzungs- und Generalversammlungsprotokollen hat Dr. Nowotny 2007 den Verlauf des wohl kostspieligsten Projektes, das der Apotheker-Verein durchgeführt hat, neu geschildert. 6) Ich gebe den Text mit einigen Kürzungen wieder:
„Das alte Vereinshaus, das durch Umbauten und Vorbauten aus dem alten Wirtshaus entstanden war, befand sich in einem elenden baulichen Zustand. Darüber hinaus wurde der Raumbedarf des Allgemeinen österreichischen Apotheker-Vereines immer größer, und der Gedanke an einen kompletten Neubau der Vereinslokalitäten beschäftigte das Direktorium des Vereines immer intensiver. Ab 1905 begann das Vereinsdirektorium genaue Pläne hinsichtlich eines großen Neubaues auszuarbeiten. Anlässlich der Generalversammlung, die im Oktober 1906 in Wien stattfand, setzte das Direktorium das Projekt eines totalen Neubaues auf die Tagesordnung. Besonders Direktor-Stellvertreter Hauke – ab 1907 Direktor des Vereines – betrieb sehr energisch die Billigung eines totalen Neubaues. Bebaut werden sollten das sich im Alleinbesitz des Apotheker-Vereines befindliche Grundstück Spitalgasse 29a und 31 sowie Michelbeuerngasse 1 und 1a. Nach einer lebhaften Diskussion der Baupläne, Baukosten und der Finanzierung des Projektes genehmigte die Generalversammlung 1907 den Neubau.
Zunächst musste das alte Wohnhaus, in dem sich die alten umgebauten Lokalitäten des Gasthauses befanden, niedergerissen werden, um dann im Februar 1908 mit dem ersten Teil des Neubaues beginnen zu können. Bis auf die Gestaltung einiger Räumlichkeiten war der Bau mit der Front zur Michelbeuerngasse Mitte November 1908 fertig und konnte anlässlich der jährlichen Generalversammlung am 25. November 1908 intern feierlich eröffnet werden. Noch im November 1908 wurden die alten Bauten, die sich auf dem ehemaligen Grundstück des botanischen Gartens befanden und alle nur ebenerdig waren, niedergerissen und mit dem Aufbau des Apothekerhauses begonnen.

Durch den durch die Spitalgasse fließenden Alserbach ergaben sich bei der Fundierung des fünfstöckigen Hauses einige Schwierigkeiten. 1910 schließlich konnte der Bau in der Spitalgasse mit dem bereits fertigen Gebäude in der Michelbeuerngasse verbunden werden. Die Pläne für das große Doppelhaus schuf der Architekt Richard Krausz, unter dessen Aufsicht errichtete der Stadtbaumeister Felix Sauer die Bauten.
Es war vorgesehen, dass die Räumlichkeiten des Eckhauses Spitalgasse/Michelbeuerngasse vermietet werden sollten, während im Michelbeuern-Haus die verschiedenen Laboratorien, die Aspirantenschule, die Büros des Vereines und des Wiener Apotheker-Hauptgremiums, die Bibliothek, das Museum – so wurde die große Drogensammlung und die Sammlung alter Apothekenutensilien und des großen Herbar bezeichnet – untergebracht waren. Ferner befand sich in diesem Gebäudeteil ein großer Festsaal mit Galerie….
Durch die von der Spitalgasse etwas bergauf führende Michelbeuerngasse waren im Spitalgasse-Trakt sechs bewohnbare Geschoße – Parterre, Mezzanin und erster bis einschließlich vierter Stock – vorgesehen, in der Michelbeuerngasse hingegen nur drei.(...)
Der frühere Vermögensverwalter des Apotheker-Vereines, Rudolf Hauke, war als Oberdirektor designiert worden (…). Er war natürlich an einer den Verein finanziell nicht überfordernden Durchführung interessiert (…). Die Abschlussrechnung des Baumeisters Felix Sauer betrug 620.000 Kronen (ohne Kommissionsgebühren, ohne Architektenhonorar, Rechtsanwaltskosten, Bankkosten und ohne innere Einrichtungen). Für die Einrichtung des Hausinneren wurden 50.000 Kronen bezahlt – Büros, Festsaal, Museum und Bibliothek, genehmigt von der Generalversammlung 1908, verteilt auf vier Jahre.

Die verschiedenen Laboratorien des Apotheker-Vereines hatten genügend Rücklagen und benötigten keine Zuschüsse aus dem Baubudget. Für die Einrichtung der Aspirantenschule und für das chemisch-pharmazeutische Laboratorium waren 17.000 Kronen vorgesehen. Die Baukosten sowie Provisionen anlässlich der Aufnahme einer Hypothek wurden durch einen Satzposten von 514.000 Kronen bei der Rentenversicherungsanstalt »Anker« gedeckt. Die gesamten Baukosten, die Inneneinrichtung und verschiedene Honorare können mit 752.000 Kronen beziffert werden. An sofort greifbarem Geld besaß der Apotheker-Verein angesparte 50.000 Kronen, ermöglicht durch einen Teil des Los-Treffers, der Legate von Dr. Theodor Schlosser und verschiedener anderer Spender. Die Baukosten waren – durch diverse Spenden – gedeckt, und der Apotheker-Verein kam in keine finanziellen Schwierigkeiten….“
Einige Daten, die im obigen Zitat von Prof. Nowotny nicht erwähnt werden: Der erste Spatenstich erfolgte am 2. Dezember 1907, die Hauptgleiche des in der Michelbeuerngasse befindlichen Teiles schon am 17. April 1908. Am 26. Juli 1908 konnten bereits Teile dieses Traktes bezogen werden. Im Spitalgassentrakt wurde die Dachgleiche am 14. Oktober 1908 erreicht. 7)



Die Untersuchungsanstalt


Die Eröffnung am 25. November 1908
Die feierliche Eröffnung des neuen Vereinshauses – präzise des in der Michelbeuerngasse gelegenen Traktes mit den Räumen des Vereines, Festsaal, Sitzungsräumen, Kanzleien, Sammlungen, Bibliothek des Wiener Hauptgremiums, Herbarien und Laboratorien – fand am Mittwoch, den 25. November 1908 im großen Festsaal statt. Im herrlichen „Festsaal, der sehr geschmackvoll ausgestaltet, mit Wandtäfelung aus Mahagoni mit Golddekoration, Decken- und Wandbeleuchtung mit elektrischem und Gaslicht und mit wertvollen Glasfenstern versehen ist …“ 8)

Direktor Hauke beendete seine Eröffnungsrede mit den bemerkenswerten Sätzen, die meines Erachtens unverändert Geltung haben (sollten):
„Es ist ferner eine erfreuliche Tatsache, dass von allem Anfang an dieses Haus nicht als simples Vereinshaus betrachtet, sondern von allen Angehörigen des Standes kurzweg als Apothekerhaus bezeichnet wurde. Und wahrlich dies soll es auch sein! Nicht nur eine Pflegestätte der wissenschaftlichen und praktischen Pharmazie, ein Heim des Apotheker-Vereines, sondern eine würdige Repräsentationsstätte des gesamten Apothekerstandes, ein wirkliches Heim aller Apotheker soll unser Haus sein. Jede Korporation wird in diesem Haus willkommen sein und möge sich hier heimisch fühlen. … Im Inneren des Hauses werden sich dann die Korporationen zu gemeinsamer Arbeit finden, nach außen hin soll das Gebäude dastehen als ein Wahrzeichen gestärkter Einigkeit im Stande. Das Wort, welches aus diesem Hause offiziell hinaus dringt, soll das Wort des gesamten Standes sein…“ 9)

Besonderen Eindruck machte im Rahmen des Rundganges vor allem auch die Bibliothek des Wiener Apotheker-Hauptgremiums im 2. Stockwerk. Man konnte anlässlich der Eröffnungsfeier auch schon den vorderen noch im Bau befindlichen Spitalgassetrakt bewundern, mit seinen Portalsäulen, seinen Erkern und architektonischen Dekorationen an der Fassade, die von Baumeister Sauer bis zum Parterre bereits fertig gestellt wurden, damit zur Eröffnungsfeier die oberen Stockwerke abgerüstet werden konnten. An der Front prangte schon in vergoldeten Metalllettern die Aufschrift: »Allgem. österr. Apotheker-Verein«.
Kaiser Franz Joseph spendete 1908 dem Apotheker-Verein zur Vollendung des Apothekerhauses 5.000 Kronen. Eine große Ehre für den Apothekerstand. Im Vestibül des Vereinshauses erinnert eine Marmortafel mit goldenen Lettern an dieses Ereignis.
Anlässlich der Eröffnung des Vereinshauses fand am 26. November 1908 im Hotel Savoy ein gemeinsames Festessen statt, bei dem der von Apotheker Dr. Richard Firbas komponierte Walzer »Süßholzraspeln« uraufgeführt wurde. Die Noten sind in der Kammerbibliothek vorhanden.


Weltkriege
Während des 1. Weltkrieges ließ der Apotheker-Verein den Festsaal im Apothekerhaus in ein Rekonvaleszentenlazarett umwandeln. Während des 2. Weltkrieges wurden die Gebäude der Apothekervertretungen in der Spitalgasse und der Laimgrubengasse (s. u. Pharmazeutische Gehaltskasse) gottlob nur geringfügig beschädigt.
Ein vergleichsweise schlimmes Ende nahm das fast gleich alte repräsentative Vereinshaus Deutscher Apotheker in Berlin, Levetzowstraße 16B. Das am 5. September 1909 eingeweihte und vom Deutschen Apotheker-Verein, dem Berliner Apotheker-Verein und der Handelsgesellschaft Deutscher Apotheker mbH bezogene Haus wurde am 31. Dezember 1944 durch eine Luftmine restlos zerstört. Das deutsche Apothekerhaus wurde nicht wieder aufgebaut, stattdessen ein Wohnhaus errichtet. Erst im Jahr 2002 kehrten die Berufsvertretungen der deutschen Apotheker nach Berlin zurück.


Das Haus Spitalgasse 29
Im Jahr 1977 wurde das an das Apothekerhaus unmittelbar angrenzende Haus Spitalgasse 29 den Berufskörperschaften zum Kauf angeboten. Die Österreichische Apothekerkammer, die Pharmazeutische Gehaltskasse, der Österreichische Apothekerverband und die Apothekerbank haben die Liegenschaft zu je einem Viertel erworben.
In diesem Haus hat übrigens der spätere, hochgeschätzte Bundespräsident Dr. Kirchschläger über zwei Jahrzehnte gewohnt.


Umbauten
Das Apothekerhaus wurde im Lauf der Jahre naturgemäß mehrere Male umgebaut oder renoviert. An den Kosten der Generalrenovierung in den Jahren 1970/1971, vor allem am Dach, im Stiegenhaus mit der Errichtung des Doppelaufzuges oder an der Fassade, haben sich die Mieter, insbesondere auch Apothekerkammer und Pharmazeutische Gehaltskasse, maßgeblich beteiligt. Das Mietrecht der Österreichischen Apothekerkammer an den gemieteten Räumlichkeiten wurde für die Zeit des Bestandes der Apothekerkammer grundbücherlich einverleibt. Auch die in den Achtzigerjahren von den Mietern geleisteten Erhaltungsbeiträge gemäß § 45 Mietrechtsgesetz dienten der Erhaltung des Apothekerhauses.
Weitere nennenswerte Umbauten sind vor allem der Dachbodenausbau 1992 und das umfassende Umbauprojekt der Apothekerkammer, das vom Vorstand im Mai 1998 beschlossen wurde, um den erhöhten Raumbedarf abdecken zu können. Der Umbau erfolgte in 4 Bauabschnitten von 1999 bis 2002 und erstreckte sich auf zusätzliche im Haus Spitalgasse 29 angemietete Räume.


Das Wiener Apotheker-Hauptgremium
Das bereits eingangs erwähnte Wiener Apotheker-Hauptgremium10)11) – exakt dessen Unterstützungsverein – war seit dem Liegenschaftskauf 1872 Hälfteeigentümer, ab 1901 Mieter in der Spitalgasse. Es bewilligte am 1. Juli 1908 die erforderlichen Mittel zur Einrichtung der Gremial-Bibliothek in der Höhe von 10.000 Kronen und für die Einrichtung der Kanzleien und Registratur 4.000 Kronen.
In der Vollversammlung vom 16. Dezember 1908 wurde außerdem dem Apotheker-Verein einstimmig der Betrag von 10.000 Kronen als Spende in der Form bewilligt, dass von der Summe, die der Apotheker-Verein dem Gremium schuldete, der genannte Betrag abgeschrieben wurde. Durch diese Spende trat das Wiener Apotheker-Hauptgremium in die Reihe der Stifter des Vereinshauses.
Dankbar wird in den Quellen immer wieder die Unterstützung des Apotheker-Vereines durch das Wiener Apotheker-Hauptgremium ausgedrückt. Mehrfach stand dieses dem Apotheker-Verein helfend zur Seite, z.B. beim Erwerb der Liegenschaft 1872, bei der jährlichen Subvention der Schule, durch Beiträge zu den Kosten des Neubaues oder dadurch, dass einzelne Inneneinrichtungen auf Kosten des Gremiums ausgeführt wurden.
Die Gremien hätten nach den Vorgaben des Apothekengesetzes 1906, RGBl. Nr. 5/1907, rasch durch die Apothekerkammern ersetzt werden sollen. Dies geschah allerdings – wie im Folgenden ausgeführt – erst im Jahr 1947.



Die Bibliothek (1908)


Die Österreichische Apothekerkammer
Bereits das Apothekengesetz, das mit Zustimmung beider Häuser des Reichsrates am 18. Dezember 1906 beschlossen wurde, enthielt in § 63 die Verfügung, dass zur Vertretung des Apothekerstandes einschließlich der konditionierenden Pharmazeuten in allen im Reichsrate vertretenen Königreichen und Ländern Apothekerkammern errichtet werden. Der Wirkungskreis und die Organisation dieser Kammern sollte durch ein besonderes Gesetz geregelt werden.
Am 2. Jänner 1907 erließ der Minister des Innern auf Grund des § 63 Abs. 3 des Apothekengesetzes – bis zur Errichtung der Apothekerkammern – eine Verordnung betreffend die Bestellung von Ausschüssen der konditionierenden Pharmazeuten. Damit wurde ein alter Wunsch der Assistentenschaft nach einer offiziellen Vertretung in den Gremien erfüllt.
Es war aber noch ein langer und schwieriger Weg und dauerte 40 Jahre bis zur Einrichtung der Apothekerkammer. Die Ursachen dafür lagen unter anderem im Widerstand der Handelskammern – die Apothekenbesitzer waren Mitglieder der Handelskammern –, in den Schwierigkeiten in der Nationalitätenfrage, denn es gab Widerstände in den Kronländern gegen die Zusammenfassung der Apotheker verschiedener Nationen und verschiedener Sprachen in einer gemeinsamen Kammer, in den Standesvertretungen nicht zusagenden Regierungsentwürfen des Innenministeriums 1909 (den Gremialordnungen zu ähnlich) oder des Sozialministeriums in der 1. Republik (Differenzen zwischen den beiden Standesgruppen etc.). Weitere Ursachen waren der 1. Weltkrieg oder der Umstand, dass nach dem Bundes-Verfassungsgesetz 1920 die Angelegenheiten der Standesvertretungen Landessache waren und die Errichtung einer Apothekerkammer in jedem Bundesland als nicht finanzierbar erachtet wurde. Erst nach der B-VG-Novelle 1929 war die Errichtung einer Kammer für das gesamte Bundesgebiet zulässig geworden. Da allerdings eine rasche Gesetzwerdung aufgrund der Auffassungsunterschiede zwischen den Angestellten und Selbständigen nicht möglich war, verhinderten die Auflösung des Parlaments am 4. März 1933, der Anschluss an das Deutsche Reich 1938 – alle österreichischen Apotheker, Angestellte und Besitzer, wurden in die Deutsche Apothekerkammer eingegliedert – und der 2. Weltkrieg ein Apothekerkammergesetz. 12)

Endlich
Die Österreichische Apothekerkammer wurde daher erst durch das Bundesgesetz vom 18. Juni 1947, BGBl. Nr. 152, als gesetzliche Berufsvertretung der Apotheker errichtet. Das Apothekerkammergesetz wurde am 21. August 1947 im Bundesgesetzblatt kundgemacht.
Die erste Apothekerkammerwahl – die erste Wahl einer öffentlich-rechtlichen Berufskörperschaft im neuen Österreich überhaupt – fand 1948 statt; sie wurde am 13. Juni 1948 mit außerordentlich hoher Wahlbeteiligung abgeschlossen. Die Konstituierung des Kammervorstandes in den Räumen der Apothekerkammer im Apothekerhaus erfolgte am 24. Juni 1948.
Die aktuelle Rechtsgrundlage ist das Apothekerkammergesetz 2001. Die Apothekerkammer ist als gesetzliche Berufsvertretung der selbständigen und der angestellten Apotheker berufen, die gemeinsamen beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Belange der selbständigen und angestellten Apotheker wahrzunehmen und zu fördern, die Standesehre zu wahren und die Berufspflichten zu überwachen.
Die Österreichische Apothekerkammer war von Beginn an Mieter des Apothekerhauses. Aktuell befinden sich auch deren Landesgeschäftsstelle Wien und die Landesgeschäftsstelle Niederösterreich – im 4. Stock – sowie das Chemisch-pharmazeutische Laboratorium der Apothekerkammer im Apothekerhaus. 13)



Das damalige Zimmer des Direktors


Die Bibliothek
„Das Apotheker-Haus in Wien birgt einen sehr beachtenswerten Schatz, die älteste und eine der bedeutendsten pharmazeutischen Fachbibliotheken des deutschen Sprachraumes. Sie spiegelt mit ihren reichen und vielfältigen Beständen den Geist, das wissenschaftliche Streben, die Stellung unseres Berufsstandes im öffentlichen Leben wider und verbindet so die Vergangenheit, die Tradition mit der Gegenwart“. 14)
So beschreibt Prof. Nowotny zutreffend die Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer, die er nunmehr seit 48 Jahren ununterbrochen engagiert und kompetent zuletzt – nach dem Tod von Dr. Wannenmacher – unter Mitarbeit von Mag. Erich Liptay und Frau Helga Krischkowsky betreut. In mehreren Publikationen beschreibt er auch die Bibliotheks-Bestände.
Gegründet wurde die Bibliothek 1802 von Josef Moser15) in Form eines Vereines mit dem Namen »Pharmazeutisch-chemische Lesegemeinschaft«. Daraus wurde 1814 die Gremial-Bibliothek. Ab November 1908 befindet sich die Bibliothek des Wiener Apotheker-Hauptgremiums, jetzt Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer, im 2. Stock des Apothekerhauses.



„Das Apotheker-Haus in Wien birgt einen sehr beachtenswerten Schatz, die älteste und eine der bedeutendsten pharmazeutischen Fachbibliotheken des deutschen Sprachraumes.“

Prof. Dr. Otto Nowotny

Die Pharmazeutische Gehaltskasse
Die Pharmazeutische Gehaltskasse hat jüngst in der Hofburg das 100-jährige Jubiläum gefeiert. Nachdem durch das Apothekengesetz 1906 das Konzessionssystem für Apotheken eingeführt wurde, bemühten sich die angestellten Apotheker, ihre soziale Lage zu verbessern. Am 14. Oktober 1908 fand im Saal des Ingenieur- und Architektenvereines, Wien I., Eschenbachgasse 9, die »Gründende Versammlung der Gehaltskasse« statt. Die »Allgemeine Gehaltskasse der Apotheker Österreichs« wurde als Verein mit freiwilliger Mitgliedschaft gegründet. 16)
Der Apotheker-Verein sah in der Gründung der Pharmazeutischen Gehaltskasse eine Möglichkeit, die unerfreulichen Auseinandersetzungen zwischen den selbständigen und angestellten Apothekern zu beenden und forderte seine Mitglieder brieflich und unter Beilage einer Beitrittserklärung auf, der Gehaltskasse beizutreten.
Steigende Entlohnung im Alter für angestellte Apotheker sollte bei gleichmäßiger Belastung aller Dienstgeber erreicht werden. Auf freiwilliger Basis war dies aber nicht umfassend erreichbar, sodass 1919 eine gesetzliche Regelung geschaffen wurde.
Auf gesetzlicher Basis existiert die Pharmazeutische Gehaltskasse erst seit 1921 auf Grund des Gehaltskassengesetzes vom 30. Juli 1919. Heute ist die Pharmazeutische Gehaltskasse für Österreich, das Sozial- und Wirtschaftsinstitut der österreichischen Apotheker, als öffentlich-rechtliche Körperschaft für das gesamte Bundesgebiet mit Sitz in Wien eingerichtet.


Von Auszahlung bis Zusatzaltersversorgung
Ihre gesetzlichen Hauptaufgaben liegen in der Bemessung und Auszahlung der Gehälter aller Pharmazeuten, die aufgrund eines Dienstvertrages in einer öffentlichen Apotheke oder einer Anstaltsapotheke tätig sind, in der Verrechnung der Krankenkassenrezepte für die Apotheken mit den Sozialversicherungsträgern und in der sozialen und wirtschaftlichen Absicherung von Apothekern. Letztere erstreckt sich von der Stellenvermittlung über diverse Unterstützungsleistungen bis hin zur Zusatzaltersversorgung, die finanziell alle über den Wohlfahrts- und Unterstützungsfonds abgewickelt werden.
Die freiwillige Pharmazeutische Gehaltskasse mietete sich nach Fertigstellung des Spitalgassentraktes 1909 in einigen Zimmern des fünften Stockwerkes im Apothekerhaus in der Spitalgasse 31 ein. Aus Platzgründen übersiedelte die Verwaltungsgemeinschaft Pharmazeutische Gehaltskasse und Versicherungsanstalt für Pharmazeuten im Jahr 1931 in das von der Gehaltskasse erworbene Gebäude in der Laimgrubengasse 25 und 27 im 6. Bezirk.
1954 wurde das Anliegen, alle Standesorganisationen in einem Haus unterzubringen, verwirklicht. Die Pharmazeutische Gehaltskasse bezog neue Büroräume in der Spitalgasse 31. Im Haus in der Laimgrubengasse wurden die Büroräume in Wohnungen umgewandelt.


Der VAAÖ
Die Geschichte des Verbandes Angestellter Apotheker Österreichs, die freiwillige berufliche Interessenvertretung der angestellten Apotheker, ist – so wird auf der Homepage des VAAÖ zutreffend formuliert – nicht bloß jene eines Vereines, sondern ein Stück Pharmaziegeschichte schlechthin. Die Geschichte des Verbandes wird umfassend unter www.vaaoe.at wiedergegeben. 17) Ich beschränke mich deshalb auf die reinen Gründungsdaten.
Die konstituierende Hauptversammlung zur Gründung des »Allgemeinen österreichischen Apotheker-Assistenten-Verein«, der sich 1910 »Pharmazeutischer Reichsverband für Österreich« nannte, fand am 28. September 1891 unter der Leitung von Mag. Armin Axmann im Hotel Royal, Wien I., Singerstraße, statt.
Mit Anordnung vom 10. August 1938 wurde der Pharmazeutische Reichsverband aufgelöst. Sein Vermögen musste an die Bezirksverbände Donauland der Deutschen Apothekerschaft in Berlin überwiesen werden. Mit Bescheid des Bundesministeriums des Inneren vom 5. Oktober 1946 wurde der Pharmazeutische Reichsverband für Österreich schließlich reaktiviert.

Der Pharmazeutische Reichsverband ist seit 1954 Mieter im Apothekerhaus. Seit 2000 führt der Verband den Namen »Verband Angestellter Apotheker Österreichs – Berufliche Interessenvertretung«. Er besitzt die Kollektivvertragsfähigkeit.

Die ARGE Österreichischer Krankenhausapotheker
Die Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Krankenhausapotheker, ein Zweigverband des Verbandes Angestellter Apotheker Österreichs, ist die fachliche und gewerkschaftliche Interessenvertretung der Krankenhausapotheker in Österreich. Sie steht für die beruflichen und wissenschaftlichen Interessen der Krankenhausapotheker.
Die konstituierende Versammlung nach der neuen Satzung, die im Frühjahr 1954 von der Vereinsbehörde zur Kenntnis genommen wurde, fand am 16. September 1954 statt. Sitz ist vom Beginn an das Apothekerhaus. 18)
Aus Anlass ihres 50-jährigen Bestehens veranstaltete die Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Krankenhausapotheker vom 22. bis 24. April 2004 einen Festkongress, bei dem auch die Entstehung, die Entwicklung, die Erfolge und Leistungen präsentiert wurden.


Die Apothekerbank
Die Österreichische Apothekerbank, laut Homepage aktuell Finanzdienstleister für mehr als zwei Drittel der österreichischen Apotheken, gibt als Gründungsjahr 1910 an. 19)
Im Jahr 1910 wurde auf Grund von Anregungen, die im Apotheker-Verein immer wieder zur Sprache kamen, das »Zentral-Kredit- und Sparinstitut der Apotheker Österreichs r.G.m.b.H.« gegründet. Nach dem 1. Weltkrieg erfolgte die Namensänderung in »Apotheker-Zentralkassa registrierte Genossenschaft m.b.H.« mit dem Sitz Am Hof 4 im ersten Wiener Bezirk.
Am 7. April 1924 wurde auf Initiative des Pharmazeutischen Reichsverbandes die »Pharmakred, Kredit- und Garantiegenossenschaft, reg.G.m.b.H.« gegründet, um seinen Mitgliedern insbesondere günstiges Kapital zu einer Pachtübernahme oder Selbständigwerdung zur Verfügung zu stellen. Im April 1944 kam es auf Druck der Berliner »Aufsichtsbehörde« zur Fusion der beiden Bankinstitute mit dem Namen »Wiener Apothekerbank«.
1946 konnten der Provisorische Ausschuss, die Pharmazeutische Gehaltskasse und die Wiener Apothekerbank einen Fonds zur Wiedererrichtung der durch Kriegseinwirkungen zerstörten Apotheken schaffen. Die erforderlichen Darlehen wurden dabei im Wege der Wiener Apothekerbank beschafft.
Im Juni 1951 wurde die Bank in »Österreichische Apothekerbank« umbenannt. 1983 wurde eine neue Bildmarke »AB« und Wortmarke »Apobank« geschaffen. Die Österreichische Apothekerbank reg.Gen.m.b.H., Spitalgasse 31, gehört wie die Ärztebank zur Volksbanken-Gruppe.


Der Apotheker-Verlag
Die Österreichische Apotheker-Verlagsgesellschaft m.b.H. wurde 1946 gegründet. Zwei Mitglieder des Provisorischen Ausschusses wurden beauftragt, ein einziges »Standesblatt« für die wieder entstandenen Verbände, die Pharmazeutische Gehaltskasse und die in Aussicht stehende Apothekerkammer zu schaffen. 1947 erschien die erste Ausgabe der »Österreichischen Apotheker-Zeitung«.
Der Apotheker-Verlag wurde 1947 in das Handelsregister eingetragen. Gesellschafter sind der Österreichische Apothekerverband und der Verband Angestellter Apotheker Österreichs zu jeweils 50 Prozent.
Die bekanntesten Verlagsprodukte sind neben der erwähnten ÖAZ die seit 1950 erscheinende Kundenzeitschrift »Die Apotheke«, die »Austria-Codex-Fachinformation«, das Warenverzeichnis, speziell für Apotheker maßgeschneiderte Verlagsprodukte wie die »Blaue Gesetzessammlung«, die Pharmazeutische Schriftenreihe, das »PKA-Lehrbuch«, Nachschlagewerke, Tabellen, Rechenbehelfe etc, Direktverpackungen und sonstiges Verpackungsmaterial, Werbemittel, Auslagendekorationen u.a. Zunehmende Bedeutung hat vor allem aber das unfassende EDV-Angebot des Apotheker-Verlages, die AVS Apotheken-Software.
1950 schreibt die ÖAZ einen Wettbewerb für die Schaffung eines Apothekenwahrzeichens aus. Das Ergebnis ist das »Apotheken-A«, das – inzwischen geringfügig adaptiert – markenrechtlich geschützt heute als Logo untrennbar mit der Apotheke verbunden ist. 20)
Der Apotheker-Verlag hat sich im Jahr 1954 im Apothekerhaus eingemietet.
Im Jahr 1971 wird im Apothekerhaus die Buchhandlung eröffnet.

2009 wird das Haus Michelbeuerngasse 2, das im Besitz des Apotheker-Verlages steht, renoviert und restauriert werden. Im Zuge dessen ist der »Verkauf« aus dem Apothekerhaus in das Nachbarhaus übersiedelt. Das Buchhandlungslokal wird gleichfalls übersiedeln und eine großzügige Erweiterung erfahren.


1) Bisher wurden drei Vereinsgeschichten verfasst (1911, 1932 und 1951). Da das Archiv des Apotheker-Vereines 1938 nach Berlin gebracht werden musste, wo es dem Bombenkrieg zum Opfer fiel, schien es nicht mehr möglich, eine ausführliche, vor 1946 beginnende Vereinsgeschichte zu schreiben. 1999 wurden jedoch bei der Neugestaltung der Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer Kopien und teilweise auch Originale der Vereinsstatuten und Sitzungsberichte des Präsidiums des Apotheker-Vereines wieder entdeckt. Durch diese Funde war es Dr. Nowotny möglich, die Vereinsgeschichte von der Gründung 1861 bis zum Jahre 2000 zu erforschen und bisher nicht beachtete Geschehnisse in der ÖAZ zu schildern.
2) Nowotny, Der allgemeine österreichische Apotheker-Verein, ÖAZ 2007, 186–187, 578–581, 1063–1067 und 1116–1119.
3) Eröffnung des neuen Vereinshauses, Festschrift Wien 1908.
4) Festschrift des Apotheker-Vereines, Wien 1911.
5) Der Apotheker Franz X. Pleban war von 1850 bis zu seinem Tod 1878 Eigentümer der Alten k.k. Feldapotheke in Wien 1. Die Alte Feldapotheke befand sich damals noch am Stock-im-Eisen-Platz/Ecke Goldschmiedgasse.
6) Nowotny, Das Apothekerhaus, ÖAZ 2007,1063–1067.
7) Noggler, ÖAZ 1961, 732ff, Nowotny, 75 Jahre Apothekerhaus ÖAZ 1983, 913. Ullrich, Festansprache anlässlich des Festaktes 125 Jahre Österreichischer Apothekerverband. ÖAZ 1986, 557 ff.
8) Zitat aus dem Bericht über die Eröffnung ZAV 1908, 617. Benützer des Festsaales, Mitglieder des Kammervorstandes und der Delegiertenversammlung, weinen diesen Fenstern vor allem in den wärmeren Monaten wohl nach.
9) Zitat aus dem Bericht über die Eröffnung, ZAV 1908, 617ff.
10) III.Band (II. Teil) der Geschichte der Apotheken und des Apothekerwesens in Wien, Herausgeber Wiener Apotheker-Hauptgremium, Wien 1930, bearbeitet von Leopold Hochberger.
11) Nowotny, Zur Geschichte der Apothekergremien, ÖAZ 1973, 403 ff.
12) Vgl. insbesondere Nowotny, Die Institution – 50 Jahre Österreichische Apothekerkammer, ÖAZ 1997, 885 ff; Berchtold-Ostermann, Die Gesetzwerdung des Apothekerkammergesetzes, in Festschrift Herbert Feigl, 75–84; Thor. Die Entwicklung der Apothekerkammer, ÖAZ 1968, 338ff.
13) Zwei der aktuell drei wahlwerbenden Gruppen für die Organe der Apothekerkammer – nämlich Apothekerverband und VAAÖ - haben ihren Sitz in der Spitalgasse 31. Nur das Büro des »Forum Pharmazie – Verein für Angestellte Apothekerinnen und Apotheker Österreichs« befindet sich nicht im Apothekerhaus, sondern in 1090 Wien, Widerhofergasse 3/24, unweit des Apothekerhauses.
14) Vgl. dazu Nowotny, Die Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer, ÖAZ 1963, 139–140; ÖAZ 1974, 735–739; Nowotny, Der Schatz im Apothekerhaus. Die Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer, ÖAZ 1997, 885–892; Nowotny, 200 Jahre Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer, ÖAZ-Spezial. In ÖAZ 2000, Folge 8, 1–16; Hochberger, Die Gremialbibliothek. In: Geschichte der Apotheken und des Apothekerwesens in Wien (III.Band/II.Teil), 257 ff.
15) Apotheker Josef Moser betätigte sich auch als Erfinder und führte als Erster in Wien die Gasbeleuchtung ein.
16) Vgl. dazu insbesondere Festschrift 100 Jahre Gehaltskasse – 100 Jahre Zukunft. Wien 2008; ÖAZ 2008, Sondernummer 20; Nowotny, Der Weg zur Gründung der Gehaltskasse, ÖAZ 1983, 910-912.
17) Die historischen Beiträge auf der Homepage wurden von Dr. Nowotny, Mag. Steibl und Mag. Kuhn verfasst. Vgl. auch Nowotny, Zur Geschichte des Pharmazeutischen Reichsverbandes für Österreich, ÖAZ, 1981, 325–330; Ullmer, Die sozialen und standespolitischen Grundsätze der Organisationen der angestellten Apotheker Österreichs im Laufe des 100-jährigen Bestandes, ÖAZ 1991, 802 ff; Nowotny, Zur Geschichte der Zeitschriften des Reichsverbandes, ÖAZ 1991, 818–819; Nowotny, „Aus dem Dunkel“, Untergang und Wiedergeburt des Pharmazeutischen Reichsverbandes 1938 und 1947, ÖAZ 1996 Jubiläumsausgabe, 11-16.
18) Vgl. u. a. die Darstellungen auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft von Mag. Fridrich und Dr. Horner unter
www.aahp.at; Langebner, Ein „merk-würdiges“ Jubiläum, ÖAZ-Spezial 2004, 8–11.
19) Vgl. im Einzelnen Nowotny, Die Bankinstitute der Apotheker, ÖAZ 2004, 1002 ff.
20) Zum aktuellen Markenwert des Apotheken-A und zur Beurteilung der Marke nach einer vom Österreichischen Apothekerverband beim Österreichischen Institut für Markenbewertung in Auftrag gegebenen Untersuchung vgl. ÖAZ 2008, 1197.

Quelle: Artikel von Stv. KAD Dr. iur. Hans Steindl in Österreichische Apotheker-Zeitung ÖAZ 24/2008
OAZ-2008-24.pdfOAZ-2008-24.pdf

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