Druckfenster schliessen
Varizellen (Windpocken, Feuchtblattern, Schafblattern)
 
 
Varizellen (Windpocken, Feuchtblattern, Schafblattern)

Erreger: Varicella-Zoster-Virus

Infektionsquelle: Nasen-Rachensekret, Stuhl, Harn von Windpockenkranken. Die Zweitmanifestation der Erkrankung ist die Gürtelrose (Zoster).

Übertragung: Tröpfchen- und Schmierinfektion, äußerst ansteckend.
Die Krankheit ist sogar wenige Tage vor Auftreten des Ausschlags bis zur Verkrustung der Bläschen, ansteckend. Erst mit dem fünften Tag des Bestehens des Hautausschlages, besteht keine Gefahr der Übertragung mehr.

Inkubationszeit: 12-21 Tage

Krankheitsbild:
plötzlich auftretende rote Flecken, die sich in mit Flüssigkeit gefüllte, stark juckende Bläschen verwandeln und gleichzeitig Fieber (bis 40 Grad möglich). Der Hautausschlag beginnt im Gesicht und auf der Kopfhaut, erfasst dann später den Rumpf und breitet sich am ganzen Körper aus. Der Ausschlag verläuft in Schüben, sodass täglich neue rote Flecken zu den schon bestehenden Bläschen und Krusten hinzukommen. Die Erscheinung des nebeneinander Bestehens dieser Hautbildungen, wird „Sternenhimmel“ genannt. Auch die Schleimhäute sind häufig mitbetroffen. Der Ausschlag ist lästig und juckend, die Bläschen bzw. deren Inhalt hoch ansteckend.
Nach 1-2 Tagen fallen die Krusten ab. Zurück bleiben helle Flecken, die nach einiger Zeit aber wieder verschwinden.

Komplikationen: Mittelohrentzündung, Lungenentzündung, Nierenbeteiligung und vor allem auch Gehirn- und Gehirnhautentzündung sowie Sekundärinfektionen der Haut.

Für Schwangere können Varizellen zu bestimmten Zeiten der Schwangerschaft durchaus gefährlich sein: zwischen 8. und 21. SSW kann eine Fehlbildung beim Embryo auftreten (Augenmissbildungen, Missbildungen des ZNS, Unterentwicklung des Skeletts).
Gefährdet vor Komplikationen sind prinzipiell abwehrgeschwächte Personen.
Varizellen sind also keine harmlose Infektionserkrankung.


Behandlung:
Meist nicht behandlungsbedürftig, außer juckreiz- und entzündungshemmende Lotionen. Auch Tropfen zum Einnehmen, die vom Arzt verordnet werden, können den Juckreiz lindern.
Bei Komplikationen oder einem schweren Verlauf: virustatische Medikamente möglich. Je früher, desto wirksamer. Ältere Menschen, die noch nie Varizellen hatten, sind für schwere Verläufe anfällig, ebenso Personen mit Störungen des Immunsystems.
Nach durchgemachter Erkrankung überlebt das Varicella-Virus im Körper, und zieht entlang der Nervenbahnen zu den Nervenwurzeln, wo es in einem inaktiven Zustand verweilt. Ein gesundes Immunsystem kann das Zostervirus eindämmen, aber ein z.B. durch Stress, HIV/Aids, Krebstherapie oder hohes Lebensalter geschwächtes, ermöglicht es dem Zostervirus, sich wieder zu vermehren. So kann es zu einer Zweitmanifestation der Erkrankung, der Gürtelrose (Herpes zoster) kommen.

Vorkommen und Bedeutung:
Varizellen kommen weltweit vor. In Österreich jährlich geschätzte 75.000 Fälle. Die Krankheit wird oft schon im früher Kindesalter erworben und bereits im Alter von 10-11 Jahre beträgt die Durchseuchung > 90 %. Mit dem 40. Lebensjahr haben dann die meisten Personen eine Immunität erworben. Allerdings sind ca. 5 % der Bevölkerung zwischen 20 und 40 nicht immun und damit besonders gefährdet, da bei älteren Personen die Krankheit schwerer verläuft.

Gratisimpfprogramm:
Nicht inkludiert.

Indikationsimpfung für Kinder und Erwachsene:
zweimalige Impfung: im 2. Lebensjahr im Mindestabstand von 6 Wochen. Besonders empfohlen allen ungeimpften oder seronegativen 9-17 Jährigen, bzw. allen seronegativen Erwachsenen, im Besonderen allen Frauen im gebärfähigen Alter.

Reiseimpfung:
Allen gesunden, nicht schwangeren Reisenden ohne Varizellen-Immunität wird die Varizellenimpfung empfohlen, bes. bei längeren Reisen oder bei Reisenden, die Kontakt zur Lokalbevölkerung haben.

Impfschema:
Die Lebendimpfung wird zweimalig verabreicht im Mindestabstand von 4 Wochen (kann auch als Kombinationsimpfstoff MMR-V gegeben werden bevorzugt die 2. Impfung). Die 2. Teilimpfung sollte jedenfalls vor dem Eintritt in Gemeinschaftseinrichtungen erfolgen.

Indikation:
Der Varizellenimpfstoff kann (ab dem 9. Monat) für alle Kinder verwendet werden.
Die Impfung wird besonders für alle ungeimpften 9-17 Jährigen empfohlen, welche noch nicht an Varizellen erkrankt waren. Die Impfung wird für alle Personen empfohlen.
Insbesondere für Personen, für die die Infektion ein Risiko darstellt:
- Seronegative Frauen im gebärfähigen Alter (Überprüfung des Immunstatus VOR geplanter Schwangerschaft
- Personal im Gesundheitswesen, besonders pädiatrische Kliniken, in Einrichtungen zur Betreuung von Schwangeren und Immundefizienten
- Kinder bei geplanter Immunsuppression wegen schwerer Autoimmunerkrankung, mit schwerer Neurodermitis
- Kinder mit Leukämie oder Malignomen


Als Postexpositionsprophylaxe(Kontakt mit einem Erkrankten sowie durch gemeinsamen Aufenthalt in einem Raum für mind. 5 min):
Impfung möglichst innerhalb von 72 Stunden (maximal innerhalb von 5 Tagen) für:
- Empfängliche Patienten mit nachgewiesener Schwäche des Immunsystems,
- Schwangeren bis zur 23. SSW ohne nachweisbare Immunität,
- Neugeborene, deren Mutter 5 Tage vor bis 2 Tage nach der Geburt an Varizellen erkrankte,
- Frühgeborene bis zur einschließlich 28. SSW unabhängig vom VZV-Immunstatus der Mutter


Die Varizellenimpfung ist eine Lebendimpfung und ist daher bei immunsupprimierten und schwangeren Personen nicht anzuwenden!!! (Nach Impfung soll einen Monat danach eine Schwangerschaft vermieden werden)

(Aktualisierung: 01/2018)