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Rhinosinusitis – der banale Schnupfen
 
Selbstmedikation: Ihr Apotheker unterstützt Sie dabei
 
Stammt der Schnupfen von einer Erkältung? Leider nein, denn Kälte steht in keinem direkten Zusammenhang mit der so genannten »Erkältung«, außer dass, wenn der Körper unterkühlt ist, auch das Immunsystem seine „Arbeit“ nicht mehr so gut erledigen kann.
Artikel von MAG. PHARM. DR. ALFRED KLEMENT aus dem Gesundheitsmagazin "Die APOTHEKE". Diese Kundenzeitschrift wird vom Österreichischen Apothekerverlag herausgegeben und ist kostenlos in Apotheken erhältlich.

SCHNUPFEN - WAS SIND DIE URSACHEN?
Viele interpretieren nur die ersten Krankheitssymptome eines grippalen Infektes falsch und bringen Frösteln und Kältegefühl als Auslöser ihres Schnupfens ins Spiel, die aber die ersten Symptome eines sich anbahnenden »grippalen Infektes« sind. Als weitere Ursachen für eine Häufung der banalen Atemwegsinfekte in der kalten Jahreszeit gelten der vermehrte Aufenthalt in beengten Räumen und der herabgesetzte Einfluss von Sonnenlicht auf die Krankheitserreger. Der UV-Anteil im Tageslicht schwächt nämlich ihre Virulenz.
DIE NASE
Die äußere Form der Nase ermöglicht eine störungsfreie innere Luftleitung: Folgt man dem eingeatmeten Luftstrom, so stellen sich ihm am Naseneingang lange, starre Haare entgegen, die eine erste grobe Reinigung gewährleisten.
    · Der Nasenvorraum ist mit Schweiß- und Talgdrüsen ausgestattet und manchmal für Mitesser- und Furunkelbildung anfällig.
    · Es folgt die knöcherne Nasenhöhle, die durch eine ebenfalls knöcherne Scheidewand in zwei Hohlräume unterteilt wird. Grobe Abweichungen der Scheidewand von der Symmetrie und Wucherungen verschlechtern die Strömungsverhältnisse und können die Nasenatmung beträchtlich erschweren. Daran ist bei chronischem Schnupfen zu denken.
    · n die Nasenhöhle ragen Knochenspangen. Sie bilden die Nasenmuscheln und gliedern die Nasenhöhle in drei Nasengänge. Ihre Aufgabe ist es, Strömungswirbel in der Atemluft zu verhindern. Die Hauptmasse der eingeatmeten Luft strömt durch den unteren, breiteren Teil der Nasenhöhle in den Schlund und beim Ausatmen von dort wieder retour.
Über Öffnungen im mittleren und oberen Nasengang bestehen Verbindungen zu den verschiedenen Nasennebenhöhlen. Wegen der engen Verbindung der Nebenhöhlen zueinander und zum Schädelinneren besteht eine grundsätzliche Gefahr der Ausbreitung von Infektionen.

SCHNUPFEN – FAST IMMER MIT BETEILIGUNG DER NASENNEBENHÖHLEN
Die Reinigung, Erwärmung und Anfeuchtung der Atemluft erfolgt durch die gut durchblutete Nasenschleimhaut. Mit ihr werden täglich ca. 1,0 bis 1,5 Liter Schleim produziert, transportiert und abgeben. Die Schleimhaut der Nebenhöhlen geht fließend in jene der Nasenhöhle über. Computertomographische Kontrollen ergaben bei einem banalen viralen Schnupfen in bis zu 87% der Fälle eine Mitbeteiligung der Nasennebenhöhlen, was Rhinosinusitis genannt wird.
Die Hauptursache für eine Rhinosinusitis ist das Versagen der »Selbstreinigungskräfte« in der Nasenhöhle bzw. den Nebenhöhlen, wenn also der Sekrettransport in Richtung des Rachens gestört ist; das kann an der verdickten Schleimkonsistenz oder an einer Störung des Transportes liegen. In der Regel dauert es nur 20 Minuten, bis der reinigende Schleimteppich von der äußeren Nasenhöhle bis zum Rachen gelangt ist.
Für die Selbstmedikation ist die Abgrenzung der akuten von der chronischen Erkrankung wichtig. Die übliche medizinische Differenzierung erfolgt über die Erkrankungsdauer und -häufigkeit.
    • Akute Rhinosinusitis: Beschwerdedauer unter 12 Wochen und weniger als 4 Erkrankungen pro Jahr
    • Chronische Rhinosinusitis: Beschwerden über 12 Wochen oder mehr als 4 Erkrankungen pro Jahr, wobei dazwischen der Schnupfen nie völlig ausheilt. Unbedingt einen Arzt aufsuchen!
Für die Selbstmedikation – mit Beratung Ihres Apothekers – kommt nur die akute Rhinosinusitis in Betracht, weil die chronischen Formen mit Komplikationen einhergehen können.

DAS PASSIERT BEIM SCHNUPFEN
Beim banalen Schnupfen verursacht eine Virusinfektion eine Entzündung und diese wiederum eine Schleimhautschwellung, die den Abfluss und die Durchlüftung der Nebenhöhlen beträchtlich einschränkt und bei komplettem Verschluss zum Sekretstau führen kann. Das Krankheitsbild verschlimmert sich durch Schädigung jener Gewebe, die für den Abtransport des Schleims sorgen, sowie durch dabei ablaufende Entzündungsmechanismen.
Hauptsymptome einer akuten Rhinosinusitis:
      • Gesichtsschmerz, der sich beim Vorbeugen verstärkt,
      • Stauungsgefühl im Gesichtsbereich,
      • verstopfte Nase,
      • eitriger Schnupfen,
      • Riechstörungen und
      • Fieber.
Als Nebensymptome treten auf:
      • Kopfschmerz,
      • unangenehmer Mundgeruch,
      • Erschöpfung,
      • Zahnschmerzen,
      • Husten und
      • Ohrenschmerzen.
Erstaunlicherweise führen nur die wenigsten Infekte der oberen Luftwege tatsächlich zu einer akuten Rhinosinusitis, es sind nicht mehr als 0,5 bis 2%!

WANN ZUM ARZT?
Ein Arztbesuch ist dann zu empfehlen, wenn sich bei einer akuten Rhinosinusitis der Verdacht auf eine zusätzliche bakterielle Infektion aufdrängt. Eine solche ist zwar selten, treffen aber Schwellungen der Mündungsgänge der Nebenhöhlen und eine »immunologische Schwäche« der Schleimhaut zusammen, dann wird der Wechsel von einem viralen Infekt zu einer bakteriellen Rhinosinusitis erleichtert und die Nebenhöhlenschleimhaut entzündet sich stark.
Typische Anzeichen für einen bakteriellen Infekt sind:
      • der vergleichsweise plötzliche Krankheitsbeginn,
      • die nasale Obstruktion (Verstopfung),
      • eitrige Rhinorrhoe,
      • heftige Kopfschmerzen,
      • Husten,
      • Fieber und
      • ausgeprägtes Schwächegefühl.
Unbehandelt drohen je nach Ausmaß der Infektion Abszesse, die sich mit Schwellungen der Ober- und Unterlider bemerkbar machen. Darüber hinaus kann es zu Hirnhaut- und Gehirnentzündungen kommen. Unter den Symptomen steht Fieber (58%) an erster Stelle, gefolgt von Kopfschmerzen (42%) und Lethargie (29%).

ABGRENZUNG ZU ÄHNLICH VERLAUFENDEN ERKRANKUNGEN
Bei Nasensymptomen sollte man sich bewusst sein, dass andere Erkrankungen ähnliche Symptome verursachen können.
    • Virale Entzündungen der oberen Atemwege kommen bei einem Drittel der Patienten vor und bedingen Fieber, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit.
    • Kopfschmerzen haben bei 15 bis 20% der Patienten andere Ursachen als eine Rhinosinusitis. Dazu zählen Spannungskopfschmerz, atypische Migräne oder Trigeminusneuralgien.
    • Allergische Rhinitis ist ebenfalls bei 15 bis 20% der Patienten Auslöser von behinderter Nasenatmung. Bei chronischen Nebenhöhlenentzündungen sollten daher allergische Auslöser in Betracht gezogen werden. Juckreiz in der Nase und tränende Augen bei fehlenden Grippesymptomen weisen darauf hin.
    • Idiopathische Rhinitis kann Folge eines Missbrauchs von abschwellenden Nasentropfen sein oder auf das Schnupfen von Kokain hinweisen. Manche Arzneimittel wie Blutdrucksenker, Hormonpräparate und so genannte Phosphodiesterase-5-Hemmer verursachen ebenfalls schnupfenähnliche Symptome.
    • Analgetika-Intoleranz-Syndrom (AIS): Diese Überempfindlichkeit gegenüber so genannten NSAR, das sind bestimmte Schmerzmittel, beginnt meist mit nasalen Beschwerden in Zusammenhang mit einem viralen Infekt. Es zeigt sich als anhaltende Verstopfung der Nase, Schnupfen, Geruchseinschränkung und Nasenpolypenbildung. Die Einnahme führt bei diesen Patienten vielfach zu einem nicht allergischen Asthma bronchiale mit schweren Asthmaanfällen. In der Gesamtbevölkerung ist die Häufigkeit von AIS mit 0,6 bis 2% zwar gering, aber bei Asthmatikern steigt sie auf Werte zwischen 4,3 und 11% an.
    • Asthma bronchiale: Ein Zusammenhang zwischen beiden Erkrankungen wird schon lange angenommen. Die Häufigkeit der Rhinosinusitis bei Asthmatikern wird in Untersuchungen mit 40 bis 75% angegeben. Damit stellt die Rhinosinusitis eine Co-Erkrankung dar, die zu einer Verschlechterung des Asthma bronchiale führen kann.
SO BEHANDELN SIE DIE RHINOSINUSITIS
Ein banaler Infekt beginnt gewöhnlich mit Frösteln und Halssymptomen und verlagert sich dann in die Nase mit Behinderung der Nasenatmung, Niesreiz und wässrigem Ausfluss. Husten tritt erst am vierten oder fünften Tag auf, wenn der Schnupfen nachlässt. Es ist normal, dass eine »Erkältung« 3 bis 7 Tage dauert, bei 25% der Patienten braucht es immerhin 2 Wochen bis zur Genesung. Manche Viren hinterlassen eine geschädigte Schleimhaut, in der schon kleinste Reize Entzündungsprozesse auslösen. Bis zu vier Wochen anhaltend erschwerte Nasenatmung oder Reizhusten können die Folge sein.


Foto: © Andreas Morlok / PIXELIO
SCHMERZMITTEL UND ENTZÜNDUNGSHEMMER
Zur Behandlung der Rhinosinusitis stehen »Acetylsalicylsäure«, »Diclofenac«, »Ibuprofen« und »Paracetamol« zur Schmerzlinderung und Fiebersenkung zur Verfügung, es fehlt ihnen aber die abschwellende Wirkung auf die Nasenschleimhaut.

ABSCHWELLENDE MITTEL
Behinderte Nasenatmung wird mit so genannten Dekongestiva behandelt, die entweder eingenommen oder als Nasensprays und -tropfen angewandt werden. Deren Anwendung sollte aber unbedingt auf 10 Tage beschränkt sein, da sonst eine chronische Schwellung auftreten kann. Entsprechende Nasentropfen und -sprays sollen zwecks besserer Schleimhautverträglichkeit ph-neutral, isoton und konservansfrei sein. Ihr Apotheker hilft Ihnen hier gerne weiter.
Darüber hinaus werden auch inhalative Glukokortikoide sowohl bei allergischer als auch nicht allergischer Rhinitis eingesetzt, ohne die gefürchteten Nebenwirkungen.

ANTIBIOTIKA
Der Einsatz von Antibiotika bei der Rhinosinusitis ohne Komplikationen ist heute nicht mehr üblich, da die Erkrankung ja meist durch Viren verursacht wird. Der Arzt wird erst bei fortgesetzten Beschwerden auf Antibiotika zurückgreifen; nur bei 2% der Patienten entwickelt sich tatsächlich eine bakterielle Rhinosinusitis. Ein gelb gefärbtes Nasensekret alleine ist noch kein Indiz für eine sekundäre bakterielle Infektion, denn es tritt auch in der Endphase einer viralen Rhinitis auf.

SCHLEIMLÖSER
Unter den pflanzlichen Therapeutika konnte mit »Myrtol« sowie einer Mischung aus Primeln und weiteren 4 Pflanzenzubereitungen und »Cineol« als Bestandteil des Eukalyptusöls eine Verbesserung der Symptome erzielt werden. Bei eitriger Rinosinusitis verbesserte die Primelmischung sogar die Wirkung von Antibiotika und Dekongestiva.

SCHNUPFEN – TIPPS VON IHREM APOTHEKER
So genannte hypertone, gepufferte Lösungen in Form von Nasensprays oder Nasenspülungen erzielen bei chronischer Rhinosinusitis eine Beschwerdelinderung.
    • Von der Inhalation warmer Dämpfe (42 °C bis 45 °C) darf man sich bei der Rhinosinusitis eine symptomatische Linderung erwarten.
    • Die Inhalation ätherischer Öle über die Nase vermittelt ein kühlendes, abschwellendes Gefühl.
    • Mit Rotlicht erzielt man ein Wärmegefühl auf der Hautoberfläche, mit Kurzwelle in der Tiefe.