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Hagebutten: als Tee wohlschmeckend und vitaminreich
 
Entzündungshemmende Inhaltsstoffe der Kerne können bei Arthrose helfen
 

Hagebutten, die nach dem ersten Frost geerntet werden, schmecken süßer.
    Hag bedeutet im Mittelhochdeutschen Umzäunung, Gehege, abgesteckter, umhegter Bereich. Das Wort steckt in der Hagebutte, aber auch in Hetschipesch, Hetschapetsch, Hetschepetsch oder Hetscherl (hetscherln, hetscheln od. hätscheln = jemanden umsorgen, pflegen, umhegen), wie man die Früchte des Heckenrosenstrauches in Ost-Österreich liebevoll nennt. Hagebutten sind also umhegt (in dichten Hecken) wachsende, buttenförmige Gebilde ("butte" = Fässchen, auch der Apfelbutzen, Batzen, Botzen bzw. Botzerln [für Knospen] hat diesen Wortstamm), die botanisch korrekt als Scheinfrüchte bezeichnet werden müssen.

Mehr als 200 wildwachsende Rosenarten existieren in den nördlich gemäßigten Zonen, sie bilden einen Strauch der mehrere Meter hoch werden kann, haben unpaarig gefiederte Blätter, die am Grunde beiderseits geflügelt sind. Stämmchen und Äste sind mit derben Stacheln besetzt. Die Blüten sind hellrosa, ungefüllt und duftlos. Aus der fleischigen Blütenachse entwickeln sich die Scheinfrüchte, die in reifem Zustand leuchtend rot aussehen und im Inneren zahlreiche steinharte Schließfrüchte (Nüsschen) enthalten; sie werden fälschlich Samen genannt. Alle Rosenarten (Rosa) bilden "Hagebutten", die übrigens auch im bekannten Volkslied „Ein Männlein steht im Walde“ besungen werden.

Hagebutten pharmazeutisch betrachtet

Lateinische Bezeichnung der Stammpflanze: Rosa canina L. (Rosaceae)
"Canina" heißt so viel wie hundsgemein, deshalb hat ihr Volksname "Hundsrose" nichts mit Hunden zu tun, sondern bedeutet, dass man die Hagebutte überall finden kann, denn sie ist stark verbreitet.

Volksnamen:
Hagrose, Hainrose, Heinzerlein, Hiefenstrauch, Hundsrose, Wilde Heiderose, Hainbutte, Rosenbeere, Butterfäßlein, Arschkratzerl (Hinweis auf Juckreiz auslösende Haare, siehe auch franz. Bezeichnung) Hägen, Hiffen, Hiften, Rosenäpfel; die in Ost-Österreich gebräuchliche Bezeichnung Hetschipesch, Hetschapetsch, Hetschepetsch oder Hetscherln (vermutlich aus der Kindersprache abgeleitet [siehe W.S. Steinhauser, "Slawisches im Wienerischen"]), wurde in Südtirol zu Hejtschepejtsch und fand als hecsedli in die ungarische Gemeinsprache Eingang.

Englisch:  Hip, Rosehip, Wildhip, Sweet briar fruits, Dog rose fruits
Französisch: Cynorrhodon, auch Gratte-cu oder Gratte-cul


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Fotos: Mag.Christine Biba

Tipp: Hagebutten sammeln, aufschneiden und zur Marmelade weiter verarbeiten oder für den Tee zerkleinern und gut trocknen lassen.
    Verwendeter Pflanzenteil:
    Die getrockneten Scheinfrüchte mit und ohne Nüsschen ("Hagebuttenkerne", "Samen").  In der Apotheke Fructus Cynosbati bezeichnet. Die „Fructus Cynosbati“ genannte Hagebutte ist aber nicht die Frucht, „Semen Cynosbati“ nicht der Samen, sondern die eigentliche Frucht der Hundsrose, welche den einzigen Samen beherbergt.
    Die feinen Härchen an den "Kernen" in der Hagebutte sind mit Widerhaken bestückt und rufen bei Hautkontakt Juckreiz hervor. Vor allem Kinder nutzen dies gelegentlich zum Herstellen von Juckpulver.

    Tipp: Hagebutten, die nach dem ersten Frost geerntet werden, schmecken süßer.

    Inhaltsstoffe:
    Vitamin C: bis 1,7 %, der Gehalt nimmt aber im Lauf der Lagerung ab.
    Farbstoffe: Carotine.
    Weitere Inhaltsstoffe: Pektine, Zucker, Fruchtsäuren, Gerbstoffe.


    Verwendung:
    Unterstützung der Therapie bei Vitamin-C-Mangel.
    Für die in der Volksmedizin genutzte milde laxierende und diuretische Wirkung werden der Pektingehalt und der Fruchtsäuregehalt verantwortlich gemacht. Heute finden Hagebutten wegen ihres säuerlichen Geschmacks vor allem Verwendung in Frühstückstees.

    Teezubereitung:
    2 – 2,5 g zerkleinerte Hagebutten mit kochendem Wasser übergießen, 10 – 15 min lang ziehen lassen, dann abseihen. (1 gehäufter Teelöffel = etwa 3,5 g)

    Kräutertee in Erkältungszeiten:
    Zur Vorbeugung in Erkältungszeiten eignet sich Hagebuttentee in Kombination mit anderen Heilpflanzen besonders gut. Man kann etwa Hagebutten zu gleichen Teilen mit Lindenblüten mischen, 2 gehäufte Teelöffel dieser Mischung mit ¼ l kaltem Wasser übergießen, erhitzen und dann 10 min ziehen lassen. Mäßig warm mit Honig gesüßt oder mit 1 Teelöffel Zitronensaft versetzt am Abend oder 2-3mal täglich 1 Tasse trinken.

    Marmelade:
    Aus frischen, entkernten Hagebutten lässt sich eine wohlschmeckende und Vitamin-C-reiche Marmelade herstellen (hilft teelöffelweise gegeben bei Appetitlosigkeit). Hierzu einige Tipps: Die gewaschenen Früchte halbieren. Mit einem Mokkalöffelchen die mit Härchen besetzten "Kerne" (wohlbekanntes Juckpulver!) vorsichtig herausschälen. Dann in einem Sieb Frucht und Kerne getrennt gut abbürsten. Die Kerne trocknen lassen und für „Kernlestee“ aufheben.

    Anwendung der Hagebuttenkerne ("Nüsschen"): `Semen` Cynosbati

    Kernlestee: Hagebuttenkerne schmecken als Tee (1-2 g grob gepulverte Droge mit kochendem Wasser übergießen und 10-15 min ziehen lassen) wunderbar nach Vanille und werden in der Volksmedizin als Diuretikum bei Nieren- und Blasenerkrankungen, bei Steinleiden (möglicherweise Hinweis auf Signaturenlehre!) ferner bei Gicht, Rheuma und Ischias empfohlen.

    Aus den Kernen (Nüsschen) kann ein Öl gewonnen werden, welches zur Hautpflege verwendet werden kann.

    Entzündungshemmende Galaktolipide gegen Arthrose?

    Kürzlich kam ein Nahrungsergänzungsmittel mit dem getrocknete Pulver von Hagebuttennüsschen einer speziellen Unterart der wilden Rose auf den Markt. Als die Wirksamkeit mitbestimmender Inhaltsstoff wurde ein Galaktolipid identifiziert, das in vitro die Entzündungsreaktion hemmt. In einer Studie wurde die täglich Gabe von 5 g Hagebuttenpulver untersucht, was zu einer Reduktion der Schmerzen und Linderung der Morgensteifigkeit bei 66 Prozent der Studienteilnehmer nach dreimonatiger Einnahme führte. Allerdings bleibt das Ergebnis einer belegenden (konfirmativen) Studie abzuwarten, bevor das Ausmaß der klinischen Wirksamkeit beurteilt werden kann. (Chrubasik C, Duke R K, Chrubasik S. Evidence of effectiveness for rose hip and seed: A systematic review. Phytotherapy Research 2006; 20: 1–3.) Bei den Studien wurde auch beobachtet, dass erhöhte LDL-Cholesterin-Konzentrationen im Serum abnahmen. Auch hier sind weitere Untersuchungen erforderlich, um das Ausmaß der Cholesterinsenkung zu definieren. Lesen Sie mehr dazu in der ÖAZ 19/2006



Auch folgenden Heilkräutertee zur Vorbeugung und Grippeabwehr kann man sich in der Apotheke mischen lassen (kann in Erkältungszeiten zum Haustee erhoben werden):
    Lindenblüten 10,0
    Melissenblätter 10,0
    Hagebuttenfrüchte 10,0
    Erdbeerblätter 5,0
    Brombeerblätter 5,0
    Holunderblüten 5,0
    Hibiscusblüten 5,0
    Fechelfrüchte 5,0
    Zubereitung und Anwendung
    Man übergießt 2 Teelöffel voll der ausgewählten Teemischung mit 1/4 Liter siedendem Wasser, zieht in bedecktem Gefäß 10 Min. lang aus und trinkt 2 bis 3 mal täglich eine Tasse Tee, langsam und schluckweise. Süßen mit Honig (Ausnahme Diabetiker!) ist empfehlenswert. - Den Tee zur Vorbeugung kann man auch mit Zitronensaft versetzen.



Link zum Beitrag in der TV-Sendung Willkommen Österreich