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Salbe (lat. Unguentum), Creme, Paste: Herstellung in der Apotheke
 
Halbfeste Zubereitungen zur Anwendung auf der Haut
 
Auch heute noch werden in den Apotheken viele Salben (umgangssprachlich gleichbedeutend mit Gels, Cremes oder Pasten) nach Rezept zubereitet. Salbengrundlagen unterschiedlicher Emulsionstypen werden durch das Einarbeiten von Wirkstoffen zur Individualrezeptur. Je nach Hautzustand können verschiedene Salbengrundlagen Verwendung finden. Man unterscheidet einfache oder zusammengesetzte Grundlagen, in der in der Regel ein oder mehrere Wirkstoffe gelöst (sog. "Lösungssalben") bzw. dispergiert oder suspendiert ("Dispersionssalben", "Suspensionssalben") sind. Je nach Art der Grundlage können die Zubereitungen hydrophile („Wasser liebend") oder hydrophobe ("Wasser meidend", Bezeichnung für Substanzen, die sich nicht mit Wasser mischen und es auf Oberflächen meist "abperlen" lassen) Eigenschaften aufweisen.























    Pharmazeutisch gesehen sind Salben sogenannte halbfeste Zubereitungen. Das Europäische Arzneibuch gibt zu den halbfesten Zubereitungen folgende Definition:
    “Halbfeste Zubereitungen zur kutanen Applikation sind zur Anwendung auf der Haut oder bestimmten Schleimhäuten vorgesehen und sollen eine lokale Wirkung ausüben, Wirkstoffe perkutan zur Resorption bringen oder eine erweichende oder schützende Wirkung auf die Haut ausüben. Die Zubereitungen haben ein homogenes Aussehen. Halbfeste Zubereitungen zur kutanen Anwendung bestehen aus einer einfachen oder zusammengesetzten Grundlage, in der in der Regel ein Wirkstoff oder mehrere Wirkstoffe gelöst oder dispergiert sind. Je nach Zusammensetzung kann die Grundlage die Wirkung der Zubereitung und die Wirkstofffreigabe beeinflussen. Die Grundlagen können aus natürlichen oder synthetischen Substanzen bestehen. Sie können Ein- oder Mehrphasensysteme sein. Je nach Art der Grundlage kann die Zubereitung hydrophile oder hydrophobe (lipophile) Eigenschaften aufweisen. Die Zubereitungen können geeignete Zusätze wie Konservierungsmittel, Antioxidantien, Stabilisatoren, Emulgatoren und Verdickungsmittel enthalten.”

    Die Pharmazeuten unterscheiden:
    1. Gel mit hydrophoben oder hydrophilen Grundlagen:
      • Gele bestehen aus gelierten Flüssigkeiten, die mit Hilfe geeigneter Quellmittel hergestellt werden. Gele sind einphasige Systeme. Je nachdem, ob die das Gel bildende Flüssigkeit Wasser oder ein Öl ist, unterscheidet man in Hydrogele oder Oleogele.
    2. Salbe mit hydrophoben, wasseraufnehmenden oder hydrophilen Grundlagen:
      • Salben sind einphasige, streichfähige, halbfeste Zubereitungen, die zur Anwendung auf der Haut oder den Schleimhäuten bestimmt sind. Das europäische Arzneibuch unterscheidet zwischen hydrophoben, wasseraufnehmenden und hydrophilen Salben.
        • Bei hydrophoben Salben kann Wasser nur in sehr kleiner Menge durch mechanische Dispergierung eingearbeitet werden. Hydrophobe Salben sind stark fettend, Wasser abstoßend, nicht abwaschbar.
        • Hydrophile Salben sind einphasige Zubereitungen, deren Grundlagen mit Wasser mischbar sind. Hydrophile Salben sind fettartig, aber nicht fettend, glänzend, gut verstreichbar und mit Wasser abwaschbar.
        • Die wasseraufnehmenden Salben können größere Mengen Wasser unter Emulsionsbildung aufnehmen. Eine Emulsion ist ein fein verteiltes Gemisch zweier verschiedener (normalerweise nicht mischbarer) Flüssigkeiten. Die so genannte innere Phase liegt dabei in kleinen Tröpfchen verteilt in der so genannten äußeren Phase vor. Je nach Phasenlage spricht man von einer Wasser-in-Öl-Emulsion (W/O) oder einer Öl-in-Wasser-Emulsion (O/W).
    3. Creme mit hydrophoben oder hydrophilen Grundlagen:
      • Cremes sind mehrphasige Zubereitungen, die aus einer lipophilen und einer wässrigen Phase bestehen. Man unterscheidet zwischen einer hydrophoben und hydrophilen Creme.
        • Bei einer hydrophoben Creme ist die äußere Phase lipophil (W/O Emulsion). Beispiel Lanolin (Cera Lanae cum Aqua): eine Zubereitung aus Wollwachs, Wasser und einem Öl.
        • In hydrophilen Crèmes ist die äußere Phase die wässerige Phase (O/W-Emulsion). Diese Grundlagen sind leicht abwaschbar, lassen sich gut auf der Haut verteilen, ziehen rasch in die Haut ein (haben daher gute Voraussetzungen für eine hohe Bioverfügbarkeit vieler Arzneistoffe) und wirken kühlend.
    4. Paste
      • Pasten sind zum äußerlichen Gebrauch bestimmte Arzneizubereitungen mit trocknenden, Sekret bindendenden Eigenschaften (Kombination der Eigenschaften von Puder und Salbe). Das Arzneibuch definiert Pasten als Salben, in denen pulverförmige Substanzen in größerer Menge fein dispergiert sind. Damit sind Pasten konzentrierte Suspensionssalben. Auch bei den Pasten gibt es noch eine Unterscheidung:
        • Harte Pasten haben einen Feststoffanteil bis ca. 50 % wie z.B Pasta zinci (Zinkpaste).
        • Weiche Pasten mit Feststoffanteil bis ca. 30 % (Pasta zinci mollis - die sogenannte weiche Zinkpaste)



    Abbildungen:
    Apothekerin Mag.pharm. Barbara Haase - Salbenherstellung in der Apotheke
    aus dem TV-Beitrag in "Willkommen Österreich" ORF 2 am 17.8.2005 um 17.30 Uhr.