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Pflanzliche Hilfen bei Stress
 
Leichter Leben mit Radio NÖ vom 9.11.2013
 
Tut mir leid, ich hab leider keine Zeit. Ich bin im Stress!

Was ist eigentlich Stress?

Unter Stress versteht man die Tatsache, dass man den eignen Tagesablauf nicht mehr im Griff hat. Termine wachsen einem über den Kopf, man ist den Aufgaben des Alltags und Berufs nicht mehr gewachsen. Aufgrund einer permanenten Belastung findet man nicht mehr genügend Ruhe, dem Körper fehlen dringend notwendige Erholungsphasen.

Stress aktiviert unsere Reserven um in Notfallsituationen rasch richtig reagieren zu können. Es werden vermehrt Adrenalin und Noradrenalin freigesetzt – die Aufmerksamkeit und Reaktionsbereitschaft werden erhöht. Auch Cortisol wird freigesetzt und sorgt somit für mehr Energie. Andererseits schwächt eine dauerhaft erhöhte Cortisonfreisetzung bei Dauerstress die Immunabwehr, die Infektanfälligkeit steigt. Der Blutdruck ist erhöht, ebenso die Herzfrequenz und die Atmung.

Anhaltender Stress führt zu mentalem und körperlichen Ausgebranntsein und leitet Burnouts ein. Dieser Zustand einer dauerhaften Erschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit sowohl auf geistiger, als auch emotionaler und körperlicher Ebene führt zu Lust- und Antriebslosigkeit, verminderten Sozialkontakten und Schlafstörungen. Daher gilt es Stressfaktoren zu erkennen und wenn möglich zu beseitigen.

Abhilfe schaffen einerseits Entspannungsübungen von autogenem Training bis Yoga, andererseits aber auch Ausdauersportarten oder einfach nur Spaziergänge in der Natur. Eine gesunde Ernährung reich an Gemüse, Obst (im Stress kommt es zu vermehrter Ausschüttung von Vitalstoffen) und Vollkornprodukten und reichlich Flüssigkeit ( mind 2 bis 3 Liter) versteht sich von selbst.

Es gibt eine Vielzahl sogenannter adaptogener Pflanzen (Bezeichnung für pflanzliche Zubereitungen, die dem Organismus helfen sollen sich an Stresssituationen anzupassen und einen positiven Effekt bei Stress-induzierten Krankheiten ausüben sollen). Zu diesen Pflanzen zählen zum Beispiel Ginseng, Gingko, Rosenwurz oder Shizandra. Wenn man diese mit Nährstoffen wie Zink, Eisen, Magnesium oder dem Vitamin B Komplex kombiniert, können die Energiekraftwerke in unserem Körper angeregt und die Leistungsfähigkeit verbessert werden.

Die Heilpflanze Rhodiola rosea (Rosenwurz) hemmt die Ausschüttung von Cortisol und Adrenalin und lindert dadurch die mentalen Anzeichen von Stress wie Nervosität, Lustlosigkeit, Reizbarkeit oder Angstzustände. Gleichzeitig wird der Energiestoffwechsel der Zellen angeregt, was zu einer verbesserten Leistungsfähigkeit führt. Die Pflanze hat ihren Namen vom rosenartigen Geruch des frisch angeschnittenen Wurzelstocks, der vor allem in Russland und in Skandinavien beheimatet ist und diente schon den Wikingern als Kraftspender für Ausdauer und Widerstandskraft. Die Einnahme erfolgt morgens, eventuell auch vor Stressphasen mit der Einnahme beginnen.

Ginseng stärkt den Körper bei Schwächegefühl und nachlassender Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit. Er eignet sich hervorragend um geistigen und emotionalen Stressfaktoren entgegenzuwirken. Es hilft aber auch die körpereigenen Abwehrkräfte zu mobilisieren. Die Pflanze ist in Nordkorea und der Manschurei beheimatet. Zum Einsatz kommt die Wurzel.

Shizandra – auch chinesischer Limonenbaum genannt – wird eine regenerierende und leistungsstärkende Wirkung zugeschrieben, verbessert die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit und wird vor allem in Asien zur Erhöhung der Fruchtbarkeit und Verbesserung der Libido eingesetzt.

In Stresssituationen fehlen uns häufig Vitamine. Vor allem die B Vitamine, Vitamin C und das Spurenelement Zink können das Ungleichgewicht wiederherstellen. Vitamin E schützt uns vor freien Radikalen, die bei Stress vermehrt gebildet werden und im Übermaß Zellen und Gewebe schädigen können.

Auf sanfte Weise kann das Gleichgewicht zwischen Geist und Körper mit Bachblüten wiedergestellt werden. Die sogenannten Notfalltropfen, die in sämtlichen seelischen Notlagen, also auch bei Stress, ihren Einsatz finden, können da sehr nützlich sein. Elm (Ulme) kann man versuchen, wenn man immer gelassen ist, plötzlich aber überfordert. Die Olive hilft, wenn man auch schon körperlich ausgelaugt ist und Oak (Eiche) hilft, wenn man noch immer die Stellung hält, obwohl einem schon alles zu viel ist.

Schlafstörungen bei Stress

Wenn man zu viel Stress hat, schläft man oft schlecht. Wenn es zu leichten, oft stressbedingten Schlafstörungen kommt, wirken viele pflanzliche Produkte wahre Wunder. Diese Arzneipflanzen wie zum Beispiel der Baldrian, der Hopfen, der Lavendel, die Melisse oder die Passionsblume zeigen entspannende und schlaffördernde Wirkung und sind in verschiedenen Zubereitungsformen wie zum Beispiel in Tees, Badezusätzen, Tropfen, Dragees oder Tabletten am Markt. Wenn diese Schlafstörungen jedoch länger als einen Monat anhalten raten wir dringend einen Arzt aufzusuchen.

Das altbewährte Duftlämpchen kann eine wertvolle Einschlafhilfe sein. Über die sogenannte Aromatherapie wird der Geruchssinn angesprochen und die Entspannung und so das Einschlafen gefördert. Sehr wirksam sind hierbei einige Tropfen Fichtennadel-, Lavendel- oder Melissenöl.

Mag. pharm. Dr. Angelika Borger, Apothekerin in Wiener Neustadt