Neuer Weg in der Beratung und Betreuung von Patienten mit Diabetes - Präsentation in Oberösterreich
Erfolgreiches „Therapie Aktiv“-Programm wird von der Apothekerschaft zusätzlich unterstützt
Die Anzahl der diagnostizierten Patienten mit Diabetes wird auf 420.000 für Österreich und ca. 60.000 bis 70.000 für Oberösterreich geschätzt. Den Angaben der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) zufolge sind ca. 180.000 Österreicher noch nicht diagnostiziert. Ein wichtiges Ziel der Gesundheitspolitik gemäß einer optimalen Versorgung dieser Patientengruppe ist es, „unbekannte“ Patienten mit Diabetes zu finden und sie in angemessene Betreuungsstrukturen zu bringen. Bei dieser „Suche“ wird in Oberösterreich ein neuer Weg beschritten, indem Apotheker nach einem strukturierten Prozess in die Beratung und Betreuung von Patienten mit Diabetes miteinbezogen werden, und so das bestehende Disease Management Programm (DMP) „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff“ unterstützen.

(Linz, 09. November 2011) – Im Rahmen der heutigen Pressekonferenz in Linz wurde das Pilotprojekt für die strukturierte Beratung und Betreuung von Diabetes Typ 2-Patienten, unterstützt vom Land Oberösterreich, der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse, der Ärztekammer für Oberösterreich und der Apothekerkammer Oberösterreich präsentiert. Im Bundesländervergleich ist Oberösterreich in der strukturierten Diabetikerbetreuung absoluter Spitzenreiter: Erster großer Regelbetrieb eines Disease Management Programms in Österreich „Therapie Aktiv“, gemeinsam finanziert von Land und Sozialversicherung. Evaluierungsergebnisse der betreuten Patienten bei allen medizinisch relevanten Parametern bestätigen hohe Wirksamkeit von „Therapie Aktiv“. Neu in diesem Zusammenhang ist die Unterstützung des Diabetes Programms „Therapie Aktiv“ durch die Apotheken in Oberösterreich.

Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer begrüßt die Initiative zur Stärkung der Präventionsmaßnahmen und betont, dass gerade die Früherkennung von Diabetes mellitus Typ 2 besonders wichtig ist, um schwerwiegende Folgeerkrankungen, die das Gesundheitssystem finanziell belasten, zu verhindern. Oberösterreich hat bundesweit mit 7.300 teilnehmenden Patienten die meisten Teilnehmer, die strukturiert betreut und deren Behandlungsverläufe dokumentiert werden – damit ist Oberösterreich absoluter Spitzenreiter in der strukturierten Diabetikerbetreuung, informierte Landeshauptmann Dr. Pühringer und erwartet, dass das Pilotprojekt zur weiteren Optimierung der langfristigen integrierten Betreuung der Patienten mit Diabetes beiträgt.

Die strukturierte Betreuung von Diabetes-Patienten ist eine Win-Win-Situation: Der Gesundheitszustand der Betroffenen bessert sich, Spätfolgen wie Fußamputationen und Augenkomplikationen (z.B. Netzhautschäden bis zur Erblindung) treten weniger gehäuft auf. Gerade Prävention und Früherkennung von Diabetes sind besonders wichtig. Diabetes ist insofern heimtückisch, als dass die Erkrankung meist erst nach 5 Jahren Krankheitsverlauf diagnostiziert wird und dann schon die ersten Folgeschäden vorliegen, betonte Univ.-Prof. Dr. Martin Clodi, Facharzt für Innere Medizin von der Österreichischen Diabetesgesellschaft, bei der Pressekonferenz.

Daher zahlt sich jede Investition in dieses Programm aus, zeigten sich die Sprecher einig. Werden Diabetes-Patienten im Rahmen eines Disease Management-Programmes betreut, bedeutet das laut Erhebungen um 20 Prozent geringere Kosten für das Gesundheitssystem als eine nicht strukturierte Betreuung. Das „Therapie Aktiv“-Programm wird bei speziell dafür ausgebildeten Ärzten angeboten, die Liste der aktuell rund 370 teilnehmenden Mediziner liegt bei der OÖGKK auf, erklärte Mag. Dr. Andrea Wesenauer, Direktorin der OÖGKK bei der Pressekonferenz. Die Weiterführung der strukturierten Diabetikerbetreuung ist in Oberösterreich ebenfalls gesichert, da die Landesgesundheitsplattform die 50:50-Finanzierung des Programmes bis 2013 beschlossen hat. Ziel ist es, dass bis zum Jahr 2013 über 8000 Diabetiker im Programm eingeschrieben sind.

Diese Bestrebungen unterstützen nun auch die Apotheker. Die Österreichische Apothekerkammer Landesgeschäftsstelle Oberösterreich hat in Zusammenarbeit mit dem Verein „AM PLUS - Initiative für Allgemeinmedizin und Gesundheit“ ein Konzept für ein entsprechendes Pilotprojekt erarbeitet, welches jene Leistungen definiert, die von den Apotheken im Rahmen des Piloten vorgenommen und statistisch erfasst werden.

Die Handlungsfelder: Personen mit hohem Diabetes-Risikopotenzial zur Abklärung an Arzt
verweisen und Diabetiker zur Teilnahme am DMP „Therapie Aktiv“ motivieren

Das Pilotprojekt sieht drei Handlungsfelder für Apotheken vor, die Präsident Mag. Thomas Veitschegger von der Oberösterreichischen Apothekerkammer wie folgt vorstellte:
Zum Ersten die Unterstützung bei der „Suche“ nach noch nicht diagnostizierten Diabetikern. Dazu werden in der Apotheke mittels so genannter FINDRISK-Fragebögen bisher noch nicht diagnostizierte Personen mit hohem Diabetes-Risikopotenzial herausgefiltert. Diabetes-Risikopatienten werden anhand des FINDRISK nach klar definierten Kriterien befragt und bei entsprechendem Ergebnis an den Arzt zur weiteren Abklärung verwiesen.
Zum Zweiten sieht das Pilotprojekt die Unterstützung bei der Motivation und Betreuung von Personen mit diagnostizierter Diabetes in enger Abstimmung mit dem laufenden DMP „Therapie Aktiv“ vor. Dabei geht es vor allem um die Förderung zur Teilnahme am Programm selbst.
Drittens werden auch die Apotheken selbst Beratungsleistungen anbieten – und zwar dort wo kein an Therapie Aktiv teilnehmender Hausarzt zur Verfügung steht. Hier werden die Apotheken mit dem Hausarzt des Patienten zusammenarbeiten und (nicht-ärztliche) Beratungsleistungen aus dem Therapie Aktiv Programm übernehmen. Vor allem bei Personen mit einem noch nicht hochgradig ausgeprägten Risiko geht es zusätzlich um die Motivation der Betroffenen zu einer positiven Lebensstiländerung.

Dr. Erwin Rebhandl vom Verein „AllgemeinMedizin PLUS – Initiative für Allgemeinmedizin und Gesundheit“ informierte, dass das Gesamtprojekt und das definierte Aufgabenspektrum mit allen relevanten Partnern des oberösterreichischen Gesundheitswesens – dem Land Oberösterreich, der OÖGKK, dem Hauptverband, der Ärztekammer, der Österreichischen Diabetesgesellschaft ÖDG, der oberösterreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin OBGAM, der Selbsthilfe Diabetes und anderen – abgestimmt wurde und zeigte sich sehr erfreut, dass das Projekt im Rahmen der Pressekonferenz auch gemeinsam vorgestellt wurde. Die ersten Schulungen der teilnehmenden Apotheken sind noch im November geplant und das Pilotprojekt wird Anfang 2012 umgesetzt.

Präsident Mag. Thomas Veitschegger zeigte sich erfreut, dass das Projekt nunmehr ausgereift ist und von allen Stakeholdern in Oberösterreich akzeptiert und mitgetragen wird. Damit können die Apotheker gemeinsam mit den Ärzten und allen an der Betreuung von Diabetikern beteiligten Berufsgruppen – im Sinne einer lückenlosen Versorgung – die Lebensqualität der Betroffenen verbessern, manche Folgeerkrankungen, die durch Diabetes herbeigeführt werden, verhindern und dem oberösterreichischen Gesundheitssystem Einsparungspotenziale liefern. Mag. Veitschegger sprach in diesem Zusammenhang auch seinen Dank gegenüber Mag. pharm. Dr. Friedemann Bachleitner-Hofmann, Präsident des Österreichischen Apothekerverbandes, der die Grundidee für dieses Projekt ins Leben gerufen hat, und Mag. pharm. Heinrich Burggasser, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, der die Konzepterstellung final begleitet hat, aus.

Ziel: Wirksamkeit weiter verbessern, mehr Diabetes-Patienten erreichen
Der Pilotbetrieb mit den Apotheken wird – klarerweise – noch eine Reihe von Fragen aufwerfen, bietet aber die Chance, dass noch deutlich mehr Diabetes-Patienten für das wirksame Disease Management Programm „Therapie Aktiv“ gewonnen werden können, wie OÖGKK-Direktorin Andrea Wesenauer bei der Pressekonferenz betonte und informierte weiters, dass das Zusatzmodul gemeinsam mit dem Kernprogramm Therapie Aktiv von der OÖGKK in Zusammenarbeit mit dem österreichweiten Competence Center und dem oö. Institut für Gesundheitsplanung evaluiert wird, um die Wirksamkeit des Projekts beurteilen zu können.

Die Liste der teilnehmenden Apotheken finden Sie hier



Rückfragehinweis:

Österreichische Apothekerkammer
Landesgeschäftsstelle Oberösterreich
Mozartstraße 26/1
4020 Linz
Tel.: 0732/77 03 50