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Die Rosskastanie
 
Wellness-Gesundheitsstunde vom 9.8.2008
 
Wir kennen ihre wunderschönen Blütenstände im Frühjahr und die stacheligen Früchte im Herbst – die Rosskastanie.

Was macht sie so interessant für die pharmazeutische Anwendung?

Was wäre ein Biergarten ohne die herrlich gemütlichen Schatten, die die Rosskastanie durch ihre großen Blätter spendet. Aber es sind die Samen der weißblütigen oder gewöhnlichen Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), welche die wichtigste Wirkstoffgruppe enthalten, die die Rosskastanie zum Arzneimittel macht.

Diese glänzenden, braunen Kugeln, die Kastanien, die Kinder so gerne zum Basteln verwenden, haben in ihrem Inneren eben dieses Aescin verborgen, welches dem Samen entzogen und zu einem Extrakt verarbeitet wird. Schon seit Jahrhunderten schätzt man diese Arzneipflanze als Mittel zur Linderung von Venenbeschwerden. Aescin dichtet geschädigte Blutgefäßwände ab, so dass weniger Flüssigkeit aus den Venen in das Gewebe übertreten kann. Als Folge davon werden Wasseransammlungen in den Beinen verringert und in Zusammenhang mit anderen Inhaltsstoffen wirkt der Rosskastanienextrakt somit venenstärkend und entzündungshemmend.

Wie kann dieser Extrakt eingesetzt werden und in welcher Form?

  • Aescin hilft bei Beschwerden der chronischen Veneninsuffizienz, bei Schweregefühl, Schmerzen, Schwellungen und Juckreiz in den Beinen sowie nächtlichen Wadenkrämpfen.
  • Die positive Wirkung der Rosskastanie wird aber auch zur Nachbehandlung bei Venenoperationen genutzt.
  • Da auch bestimmte Formen von Kopfschmerz oft ein Gefäßproblem sind, kann auch hier ein Tonikum mit Rosskastanienextrakt rasch Linderung bringen (Veen Veen, Rosskastanienelixier).
  • Auch in der Hausapotheke sollte ein Rosskastaniengel Platz haben, da es gut geeignet ist bei Sportverletzungen, Prellungen, Blutergüssen, Sehnenscheidenentzündungen.
  • Der Wirkstoff ist gut untersucht - die empfohlene Tagesdosis beträgt 100 mg und kann in mehreren Formen angewendet werden: Salben und Gele zum Eincremen, als Kapseln, Dragees, Tropfen oder Tinktur.
  • Als Tee können Rosskastaniensamen nicht verwendet werden, allerdings wurden in der Volksmedizin die Blätter und Blüten unter anderem als Hustentee und die Rinde als Abkochung bei hämorrhoidalen Beschwerden wie Juckreiz und Nässen eingesetzt.
  • Unerwünschte Wirkungen sind selten: magenempfindliche Personen sollten die Einnahme nach einer Mahlzeit bevorzugen, Gegenanzeigen und Wechselwirkungen sind nicht bekannt.

In der Volksmedizin gibt es auch noch eine weitere abweichende Anwendung?

Kastanien können eine enorme Hitze entwickeln – wo sie lagern, erhöht sich spürbar die Raumtemperatur. Das könnte auch der Grund sein, weshalb manche Menschen zur Vermeidung von Gicht oder Rheumatismus eine Kastanie in der Hosentasche mit sich tragen oder einige unters Bett legen…

Woher stammt eigentlich die Pflanze bzw. kommt der Name?

Die Rosskastanie ist keine einheimische Pflanze und blickt auf eine interessante Geschichte zurück. Ursprünglich in ganz Europa verbreitet, überlebte sie nach der letzten Eiszeit auf dem Balkan und kehrte erst wieder vor rund 450 Jahren nach West- und Mitteleuropa zurück.

Der Baum, der nur flache Wurzeln bildet und wegen seiner großen Blätter für Feuchtigkeit und Kühlung sorgt, wurde gerne auf Bierkellern gepflanzt, um die Reifung des Bieres zu unterstützen.
Mit der Esskastanie ist sie nicht näher verwandt, wohl aber wird sie mit der Indischen Waschnuss in die gleiche Familie der Seifenbaumgewächse gestellt (leicht schäumende Straßen bei Regen).

Die Namensgebung hingegen ist noch nicht vollständig geklärt: Entweder sollen die Zusätze Hippo- oder Ross kennzeichnen, dass die Samen als Pferdefutter und – arznei gegen Dämpfigkeit und Husten verwendet wurden, oder das sie im Gegensatz zur Edelkastanie ungenießbar sind (das alte Wort –ross bedeutet minderwertig).

Das Hauptanwendungsgebiet der Rosskastanie ist ja die Venenschwäche – ist diese weit verbreitet und was ist die Ursache?

Im Durchschnitt leidet jede 2. Frau unter einer Venenschwäche. Wer aber glaubt, die ist nur ein rein weibliches Problem, der irrt, auch jeder 6. Mann leidet unter Krampfadern und ihren Folgeerscheinungen wie zum Beispiel der Gefahr einer Thrombose. Jeder 5. muss sich im Laufe seines Lebens einer Operation unterziehen.
Die Ursachen sind mannigfaltig:
    • Veränderungen im Hormonstatus belasten die Venen extrem (bestimmte Antibabypillen, Hormonsubstitutionstherapie, Schwangerschaften- 60% aller Mehrfachgebärenden leiden unter Varikosis)
    • Genetische Prädisposition
    • Individuelle Lifestyle: Übergewicht, stundenlanges Sitzen vor dem Computer/Fernseher
    • Keine Altersfrage: alarmierend die Tatsache, dass bereits 10% aller 10- bis 12-jährigen und schon 30% aller 16-Jährigen erste Anzeichen einer Venenschwäche zeigen.

Wie schauen die ersten Anzeichen aus?
    • Venenschmerzen immer ernst nehmen, frühzeitig abklären lasen
    • Subjektive Beschwerden wie müde, schwere Beine, nächtliche Wadenkrämpfe, Juckreiz, Schwellungen besonders um den Knöchel bis hin zu ziehenden oder brennenden Schmerzen
    • Als typische Symptome für Stauungen die Varizen

Welche Hilfen gibt es noch und welche Tipps zur Vorbeugung können Sie noch geben?
    • Rosskastanienpräparate eignen sich auf Grund ihrer allgemein durchblutungsfördernden Wirkung auch gut zur Vorsorge oder bei familiärer Veranlagung zu Venenbeschwerden.
    • innerlich neben Rosskastanie das rote Weinlaub, Steinklee, Buchweizen und Mäusedorn
    • Venentee: Mischung aus Buchweizen, Steinklee, Mariedistelfrüchte und Zinnkraut
    • Äußerlich auf Arnika nicht vergessen: in Form von Gelen, Salben, Umschlägen wird auch der Wadenumfang verringert (Achtung allergenes Potential!)
    • Wad´lpumpen: Füße flach auf den Boden stellen und abwechselnd Fersen und Zehen heben, nach dem Anheben fest auf den Boden drücken
    • Fußkreisel: ein Bein anheben und Fuß kräftig kreisen
    • Sport: Wandern, Walken, Laufen, Radfahren
    • Regelmäßig zwischendurch Füße hochlagern, öfters aufstehen, Beine nicht überschlagen
    • Auf weichen Stuhlgang achten, starkes Pressen auf der Toilette weitet die Venen, ihr Apotheker berät sie gerne über ballaststoffreiche Ernährung
    • Kompressionsstrümpfe
    • S-L-Regel: Sitzen und Stehen ist schlecht; Laufen und Liegen ist lobenswert

Höreranfrage:

Frau Jeschko aus Finsternau klagt gerade jetzt im Sommer über Schrunden und vermehrte Hornhautbildung. Was können Sie empfehlen?

Schrunden sind schmerzhafte Einrisse in der verhärteten Hornhaut und entstehen bei extremer Austrocknung der Haut. Man kann sie derzeit ja in Sandalen und anderen offenen Schuhen bewundern. Abgesehen davon, das sie nicht besonders kleidsam sind, stellen sie eine Eindringpforte für Bakterien und somit eine Gefahr für schmerzhafte Entzündungen dar. Sie treten vor allem an Ferse, Fußballen und zwischen den Zehen auf.
Besonders Diabetiker müssen auf optimale Fußpflege achten:
    • Mit einem Fußbad beginnen: desodoriert, beugt Fußpilzbefall vor, Bimsstein nur bei Hornhaut, NICHT bei Schrunden (Verletzungsgefahr), gut abtrocknen
    • Spezielle Schrundensalben mit Urea oder Balsam verwenden, welcher die Hornhaut reduziert, zur regelmäßigen Pflege verwenden: Extrakte aus Weidenrinde, Salbei, Thymian, Ringelblume
    • Bei entzündeten Schrunden: Schüssler Salze 1 und 3, innerlich und äußerlich

Bei regelmäßiger Anwendung geht die übermäßige Hornhautbildung zurück und schön gepflegten Sommerfüßen steht nichts mehr im Wege!

Mag. pharm. Irina Schwabegger, Apothekerin in Gmünd