Druckansicht
Hagebuttenpulver bei Arthrose getestet
 
 

Galaktolipid in der Hagebutte

Rund 600.000 Personen leiden in Österreich an einer Arthrose – Schätzungen zufolge kommen jährlich ca. 150.000 Patienten hinzu. Nach Einschätzung der European League Against Rheumatism (EULAR) liegt das Risiko eines Menschen, im Lauf seines Lebens an einer Erkrankung des Stütz- und Bewegungsapparates zu leiden, bei 70 bis 80 Prozent. 40 bis 50 Prozent der über 60-Jährigen betrifft die Gefährdung durch eine Arthrose – eine Volkskrankheit.




Pflanzliche Ergänzung
Die Standardtherapie bei chronischen Gelenkbeschwerden besteht aus entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten. Eine längerfristige Einnahme dieser Medikamente kann jedoch schwerwiegende gastrointestinale sowie renale oder kardiovaskuläre Nebenwirkungen begünstigen. Mit einem standardisierten Hagebuttenpulver steht nun eine pflanzliche Ergänzung zur Verfügung, die für beweglichere Gelenke sorgt, die Einnahme von Schmerzmitteln deutlich reduzieren kann und von der keine Nebenwirkungen bekannt sind. Eine Forschergruppe rund um Prof. Dr. Kharazmi an der
Universität Kopenhagen studierte bereits 2004 die Wirksamkeit des Hagebuttenpulvers gegen Schmerzen bei Gelenkarthrosen.

Die placebokontrollierte cross-over-Studie wurde mit 112 Arthrose-Patienten durchgeführt, dabei wurde die täglich Gabe von 5 g Hagebuttenpulver untersucht. Die Studie zeigte eine signifikante Reduktion der Schmerzen und eine signifikante Linderung der Morgensteifigkeit bei 66 Prozent der Studienteilnehmer nach dreimonatiger Einnahme des Hagebuttenpulvers. Außerdem konnte der Konsum an Schmerzmitteln wie Tramadol, Opioiden, Paracetamol oder NSAR um rund die Hälfte vermindert werden. Patienten berichteten von einem besseren Schlaf, einer Verbesserung des Allgemeinbefindens und mehr Lebensqualität.

Das Hagebuttenpulver bewirkt laut Studie, dass die Einwanderung von großen Mengen an Leukozyten in das Entzündungsgebiet gehemmt wird (Chemotaxis). Die Entzündungsreaktion in den Gelenken wird dadurch deutlich abgeschwächt, die Schmerzen werden gelindert und die Beweglichkeit wird verbessert. Zusätzlich wirkt das Hagebuttenpulver der Bildung von toxischen freien Radikalen in polymorphkernigen Zellen dem arthrotischen Prozess entgegen.

Galaktolipid als aktiver Wirkstoff

Eine andere dänische Forschergruppe um Larsen et al. hatte schon im Jahr 2003 den in der wilden Hagebutte aktiven entzündungshemmenden Wirkstoff identifiziert – dabei handelt es sich um ein Galaktolipid, kurz GOPO. Es enthält einen Kohlenhydrat- und einen Lipidanteil. Angaben der Forscher zufolge ist dieser Stoff zum ersten Mal in der Familie der Rosengewächse nachgewiesen worden. Zudem fanden die Forscher heraus, dass die wilde Hagebutte (der Subspezies Rosa canina ssp. lito) diesen Wirkstoff vor allem in den Kernen der Hagebutte enthält, er ist fettlöslich und sehr hitzeempfindlich. Um eine erfolgreiche Arthrosebehandlung zu erreichen, ist der Stoff GOPO in einer hohen Konzentration erforderlich. Die nur noch in Spuren vorhandenen Mengen in traditionellen Hagebuttenprodukten wie Marmelade oder Tee sind nicht ausreichend.

Quelle: Österreichische Apotheker-Zeitung ÖAZ 19/06