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Hören Sie nicht auf Quacksalber
 
Irreführende Angaben und Anzeigen im Internet richten viel Schaden an
 
Abbildung: Der Quacksalber, Radierung von
F.A. Maulbertsch (1785)
    Quacksalber sind Scharlatane, also Betrüger, die einem etwas aufschwatzen wollen, um Geld zu verdienen. Der Begriff kommt vom niederländischen Wort Kwakzalven. "Kwakken" ist angeben oder prahlen, "zalven" ist salben, also mit Salbe eincremen. In früheren Zeiten traten Quacksalber hauptsächlich auf dem Jahrmarkt auf, marktschreierisch boten sie meist irgendwelche Wundersalben an, daher der Name.

Moderne Quacksalber preisen ihre Produkte im Internet an. Da wird dann gelogen und getäuscht was Zeug hält, im Gegenzug werden dafür wichtige Informationen wie z.B. über die tatsächlichen (Neben)Wirkung vorenthalten. Quacksalber verstehen es sehr gut, sich menschliche Schwächen zunutze zu machen. Sie verkaufen ihre Produkte nicht deshalb, weil sie qualitativ hochwertig sind, sondern weil sie es gut verstehen, ihr Publikum zu beeinflussen.

Wir geben ihnen nun zehn Regeln (nach nach Stephen Barrett, M.D., Quackwatch org.) an die Hand, die Ihnen helfen sollen, nicht auf Quacksalber hereinzufallen.

1. Denken sie daran, daß Quacksalberei nur selten verschroben wirkt.

Quacksalber drücken sich oft wissenschaftlich aus und zitieren aus wissenschaftlichen Quellen (wenn auch nicht immer richtig). Manche von ihnen haben eine seriöse wissenschaftliche Ausbildung hinter sich, sind dann aber von diesem Weg abgekommen.

2. Hören sie nicht auf Leute, .......die ihnen erzählen, dass die meisten Krankheiten durch falsche Ernährung verursacht werden oder durch die Einnahme von nahrungsergänzenden Stoffen geheilt werden können.

Es gibt zwar Krankheiten, die tatsächlich ernährungsbedingt sind, die meisten sind es aber nicht. Zudem sind Krankheiten, bei denen die Ernährung eine Rolle spielt, nicht durch die Einnahme von Vitaminen zu behandeln, sondern durch eine Umstellung der Ernährung.


3. Hüten sie sich vor Anekdoten, Empfehlungen und Referenzen

Wenn jemand behauptet, durch unorthodoxe Methoden geheilt worden zu sein, dann fragen sie sich und wenn möglich auch ihren Arzt, ob es auch eine andere Erklärung für die Genesung geben kann.

Die meisten einmalig auftretenden, nicht chronischen Krankheiten vergehen mit der Zeit von selbst, und die meisten chronischen Krankheiten weisen symptomfreie Perioden auf.

Die meisten Menschen, die von Krebs geheilt wurden, haben sich sowohl seriöser als auch unorthodoxer Behandlung unterzogen, führen ihre Genesung jedoch auf letztere zurück. Manche Beweise sind reine Erfindung.


4. Hüten sie sich vor pseudomedizinischer Ausdrucksweise.

Anstatt ihre Krankheit zu behandeln, wird ihnen ein Quacksalber evtl. vorschlagen, ihren Körper zu "entgiften", ihn "chemisch ins Gleichgewicht zu bringen", seine "nervliche Energie" freizusetzen, ihn "in Harmonie mit der Natur zu bringen" oder angebliche "Schwächen" verschiedener Organe zu korrigieren.

Die Anwendung von Methoden, die nicht messbar sind, macht es möglich, von Erfolgen zu sprechen, obwohl tatsächlich gar nichts getan und erreicht wurde.


5. Fallen sie nicht auf paranoide Behauptungen herein.

Nicht konventionelle Praktiker behaupten oft, dass die Schulmedizin, Arzneimittelhersteller und der Staat sich gegen sie verschworen haben, um alles, was sie vertreten, zu unterdrücken.

Für solche Theorien wurde noch nie ein Beweis angetreten. Es spricht auch wider jegliche Logik, dass eine Vielzahl von Menschen die Entwicklung von Behandlungsmethoden bekämpfen würde, die eines Tages ihnen selbst oder einem geliebten Menschen helfen könnten.


6. Vergessen sie "Geheimkuren".

Echte Wissenschaftler stellen ihr Können als Teil des wissenschaftlichen Fortschritts zur Verfügung. Quacksalber halten ihre Methoden eher geheim, um zu verhindern, dass andere ihre Nutzlosigkeit unter Beweis stellen.

Niemand, der tatsächlich eine Heilmethode entdeckt hat, hätte einen vernünftigen Grund dafür, sie geheimzuhalten. Eine wirksame Heilmethode, vor allem für schwere Krankheiten, würde ihrem Entdecker enormen Ruhm, Vermögen und persönliche Befriedigung bringen, wenn er seine Entdeckung mit anderen teilt.


7. Hüten sie sich vor den Irrtümern der Kräutermedizin.

Sanft, natürlich, nebenwirkungsfrei - das Image pflanzlicher Arzneimittel ist durchwegs positiv. Fast zu positiv, meinen viele Apotheker und Ärzte, denn Folge des positiven Bildes ist oft genug eine unkritische Anwendung. Wer die drei häufigsten Irrtümer über pflanzliche Arzneimittel kennt, kann jedoch sicher sein, dass ihm die Medizin aus der Natur nicht schadet:


    Irrtum 1: Pflanzliche Arzneimittel kann jeder nehmen. Falsch. Wer ein Magengeschwür hat oder hatte, für den sind beispielsweise Magenmittel oder Magentees mit Bitterstoffen tabu. Zum Ausschwemmen von Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) sind wassertreibende Arzneipflanzen völlig ungeeignet. Hier muss der Arzt verschreibungspflichtige Präparate, sogenannte Diuretika, verordnen.
    Irrtum 2:
    Alle pflanzlichen Arzneimittel eignen sich gut zur Dauereinnahme. Gegenbeispiele: Pfefferminze kann bei Dauergabe den Magenschließmuskel erschlaffen lassen und dadurch Sodbrennen auslösen. Wacholderbeeren können die Nieren schädigen, wenn sie jahrelang in hohen Dosen genommen werden. So gut diese Heilpflanzen über einen kurzen Zeitraum vertragen werden, für die Einnahme über Jahre sind sie ungeeignet.
    Tipp: Bedenken Sie, dass auch pflanzliche Präparate echte Arzneimittel sind, die Sie ohne den Rat von Apotheker oder Arzt nicht über längere Zeit anwenden sollten.
    Irrtum 3:
    Pflanzliche Arzneimittel sind ideal für Schwangere. Gegenbeispiele gibt es viele. Zum Beispiel kann Aloe, die gegen Verstopfung eingesetzt wird, den Blutfluss im Becken erhöhen und so eine Frühgeburt auslösen.

8. Seien sie kritisch gegenüber Produkten,....

... die eine Vielzahl von Krankheiten bekämpfen sollen, die nichts miteinander zu tun haben, vor allem wenn es sich um schwere Krankheiten handelt.

So etwas wie ein Allheilmittel oder eine Wunderkur für jede Krankheit gibt es nicht.


9. Ignorieren sie Appelle an ihre Eitelkeit.

Quacksalber rufen ihr Publikum vor allem gerne dazu auf, "selbst zu denken", anstatt den kollektiven Weisheiten der Wissenschaftler-Gesellschaft zu folgen.

Ein weiteres ihrer Argumente ist, dass ein Heilmittel, dessen Wirksamkeit bei anderen Menschen noch nicht festgestellt werden konnte, bei ihnen sehr wohl wirken könne.

10. Lassen sie ihr Urteilsvermögen nicht durch Verzweiflung trüben!

Wenn sie den Eindruck haben, dass sich ihr Arzt nicht genug bemüht, oder wenn sie erfahren haben, dass ihre Krankheit unheilbar ist und diese Tatsache nicht widerstandslos akzeptieren können, kommen sie bei ihrer verzweifelten Suche nach einer Lösung nicht vom Weg der wissenschaftlichen Heilkunst ab.

Sprechen sie statt dessen mit ihrem Arzt über ihre Gefühle und ziehen sie die Möglichkeit in Erwägung, einen anerkannten Experten aufzusuchen.

Wichtiger Hinweis: Quackwatch org. gehört zur Verbrauchervereinigung in den USA und ist eine gemeinnützige Organisation, deren Zweck es ist, Gesundheitsbetrug, medizinische Mythen, Sagen und Irrtümer sowie irreführende Werbung (im Internet) zu bekämpfen. Gegründet wurde Quackwatch 1969 von Dr.Stephen Barrett.

Die Webseiten von Quackwatch enthalten viele interessante Artikel, einige sind auch ins Deutsche übersetzt. In manchen Beiträgen schießen die Autoren vielleicht etwas über das Ziel hinaus und werfen pauschal "alternative Methoden" mit Scharlatanie in einen Topf, aber die Kernaussagen sind meist gut durchdacht und glaubwürdig.