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Der neue Wichtl: Buchpräsentation der 6. Auflage
 
Das Standardwerk der Pharmakognosie hat jetzt doppelt so viele Seiten wie vor 30 Jahren.
 
Am 31. März 2016 fand auf Einladung der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie und der Fachbereichsbibliothek für Pharmazie der Universität Wien die österreichische Erst-Präsentation der neuen (6.) Auflage von „Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. Ein Handbuch für die Praxis“ statt.

Univ. Prof. Mag.pharm. Dr. Max Wichtl und
Univ. Prof. Dr. Wolfgang Blaschek (v.l.n.r.)
Fotos: F.Biba



Nach kurzen einleitenden Worten übergab der Moderator der Veranstaltung, HR Mag.pharm. Dr. Kurt Schneider (Leiter der Fachbereichsbibliothek) das Wort an den Vizedekan der Fakultät für Lebenswissenschaften der Universität Wien, Univ. Prof. Mag.pharm. Dr. Gerhard F. Ecker, der in seinen Grußworten darauf einging, dass „Der Wichtl“ ihn persönlich schon seit Beginn des Pharmaziestudiums als DAS Standardwerk der Pharmakognosie begleitet. MR i. R. Univ. Doz. Dr. med. Heribert Pittner wies in seinem Referat als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie darauf hin, wie wichtig es ist, pflanzlichen Arzneimitteln im Rahmen aller denkbaren Therapiemöglichkeiten den richtigen Stellenwert zu geben.

Nach einem Impulsreferat zum Buchthema von Univ. Prof. Mag.pharm. Dr. Judith M. Rollinger (Stv. Leiterin des Departments für Pharmakognosie der Universität Wien) ging der langjährige Vorstand des Institutes für Pharmakognosie, Univ. Prof. Mag.pharm. Dr. Wolfgang Kubelka, auf den Lebenslauf von Prof. Wichtl näher ein. Max Wichtl, geboren 1925, studierte in Wien Chemie und Botanik und wurde 1951 zum Dr.phil. promoviert. Anschließend studierte er Pharmazie an der Universität Wien. Nach seiner Habilitation für Pharmakognosie 1965 war er ab 1971 Professor an der Universität Wien. In seiner wissenschaftlichen Arbeit beschäftigte er sich zunächst mit den Herzglykosiden. Später wandte er sich aber auch den Arzneipflanzen allgemein und der pharmazeutischen und therapeutischen Qualität von Arzneidrogen zu und setzte sich u.a. besonders für die Einführung der Dünnschichtchromatographie in der Pharmakognosie ein.
1973 ging er als Inhaber des Lehrstuhls für Pharmakognosie an die Philipps-Universität Marburg, wo er bis zu seiner Emeritierung 1993 blieb. Dort leitete er als Direktor auch das Institut für Pharmazeutische Biologie.
Er war Mitherausgeber des Kommentars zum Europäischen Arzneibuch von 1981 bis 1999. Daneben war er auch Mitglied der österreichischen, deutschen und europäischen Arzneibuchkommissionen.

Sein bekanntestes Werk ist das in der Fachwelt kurz als „der Wichtl“ bezeichnete Buch Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka: Ein Handbuch für die Praxis, welches er 1984 begründete und bis zur 5.Aufl. 2008 auch herausgab. An der aktuellen 6.Auflage 2016 war er als Ko-Autor beteiligt. Als begeisterter Musiker erlangte er auch durch seine Übersetzung der Mozart-Biographie des amerikanischen Musikwissenschaftlers Maynard Solomon Bekanntheit in Musikerkreisen.
Max Wichtl ist Ehrenmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie (ÖGPhyt).

Abschließend sprach Apotheker Dr. Eberhard Scholz von der Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft Stuttgart über die 6., vollständig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Die Zahl der Arzneidrogen erhöht sich auf 240. Neu aufgenommen wurden z.B. die Bittere Schleifenblume, die Notoginsengwurzel und die Purpur-Sonnenhut-Wurzel. Seit der Erstausgabe 1984 ist das Werk von 393 auf 800 Seiten an Umfang gewachsen und enthält nun 303 s/w sowie 703 Farbabbildungen und 521 chemische Formeln. Die Angaben zur Anwendung, Wirkung, Wirksamkeit, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Gegenanzeigen wurden konsequent für alle Drogenmonographien vereinheitlicht und stellen sich als klar gegliedert und sehr nutzerfreundlich dar. Die zwölf Kurzmonographien der letzten Ausgabe wurden aufgrund der Bedeutung, die diese Drogen in letzter Zeit in der Beratung in der Apotheke erlangt haben, in Vollmonographien übergeführt. Scholz dankte im Namen des Verlages dem neuen Herausgeber Prof. Blaschek und den 14 Autorinnen und Autoren, die an der Neuauflage mitgearbeitet haben.

Univ. Prof. Mag.pharm. Dr. Max Wichtl (Begründer und Autor) und Univ. Prof. Dr. Wolfgang Blaschek (neuer Herausgeber) standen bei der Veranstaltung in der Fachbereichsbibliothek für eine Lesung und Diskussion zur Verfügung.

Pasta Theobromae (Foto M.Wichtl)

Globuli Mozartii, Original (ganz links)
und verschiedene Generika...
(Foto M. Wichtl)
Pasta Theobromae

Kenner der letzten Auflagen werden im neuen Buch wahrscheinlich gleich nach der Schokolade suchen. Ja, es gibt sie noch, die Monographie „Pasta Theobromae“. Einsatz: vorwiegend in der Volksmedizin als Psychostimulans empfohlen – beispielsweise bei Unlustgefühlen und Depressionen, bei der Prüfungsvorbereitung, zur Raucherentwöhnung und als „mild wirkendes Aphrodisiakum besonders für schüchterne Frauen“ sowie in der Kinderheilkunde als linderndes Mittel bei Tränenfluss nach kleinen Verletzungen. Neu aufgenommen wurde eine (echte) Studie der Columbia Universität in New York: Je höher der Pro-Kopf-Konsum an Schokolade einer Nation ist, desto mehr Nobelpreisträger bringt sie hervor. Spitzenreiter sowohl der Nobelpreisträger-Statistik als auch in Sachen Schokoladen-Konsum ist die Schweiz. Bei einem Pro-Kopf-Verzehr von etwa 12 kg Schokolade jährlich hat das Alpenland bisher 32 Nobelpreisträger pro 10 Millionen Einwohner hervorgebracht.

„Pasta Theobromae“ ist geradezu ein Paradebeispiel für Spaßartikel, die in akademischen Publikationen immer wieder auftauchen. Der neue Herausgeber hat gut daran getan, diese Monographie im neuen „Wichtl“ nicht zu streichen. Der einem Sketch von Loriot entstammende Eintrag zur Steinlaus etwa kam bei den Lesern des Pschyrembel so gut an, dass der Verlag den Artikel über die „Petrophaga lorioti“ aufgrund heftiger Proteste wieder ins Lexikon aufnehmen musste, nachdem er in der 257. Auflage gefehlt hatte.

Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. Ein Handbuch für die Praxis
Nähere Informationen zur Neuauflage im "Buch aktuel Shop" (Österreichischer Apotheker-Verlag)

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