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Meningokokken: Informationen zur Prophylaxe und Therapie
 
Wasserglas-Prüfung beim Hautausschlag
 
Meningokokken sind Bakterien, die sich bei vielen Menschen (durchschnittlich etwa 10-20%) im Nasen-Rachenraum ansiedeln, ohne dass diese erkranken. Diese vorübergehende Besiedlung mit verschiedenen Meningokokken führt zu einer natürlichen Immunität. Diese sogenannten gesunden Keimträger können ebenso wie die an einer Meningokokkeninfektion Erkrankten die Erreger weitergeben. Meningokokken gehen außerhalb des menschlichen Körpers rasch zugrunde, weshalb die Übertragung nur direkt von Mensch zu Mensch erfolgen kann. Eine Übertragung durch Wasser und andere Lebensmittel findet nicht statt.

Obwohl Meningokokken beim Menschen häufig vorkommende Bakterien sind, treten Meningokokkenerkrankungen äußerst selten auf. In Österreich registrieren wir etwa 100 Erkrankungen im Jahr. Die Erkrankung kann innerhalb weniger Stunden aus voller Gesundheit zum Tod führen. Invasive Meningokokkeninfektionen können als Sepsis mit einer 30%igen Letalität, als Meningitis oder als Kombination von beidem auftreten.

Meningokokken kommen weltweit vor, Bedeutung für das Auftreten von Epidemien haben Meningokokken der Gruppe A, B, C, W und Y. Gegen Erreger der Stämme A, B, C, W135 und Y stehen Impfstoffe zur Verfügung.

Im europäischen Raum spielen bei der Meningitis epidemica Erreger der Gruppe B eine bedeutende Rolle.

Impfung gegen Meningokokken der Gruppe B
Die Impfung gegen Meningokokken der Gruppe B ist nicht im Gratiskinderimpfprogramm enthalten. Aus diesem Grund ist es für Personen, die nicht geimpft sind, sinnvoll und erforderlich, eine dreitägige Antibiotika-Prophylaxe zu empfehlen, falls ein länger dauernder Kontakt mit einem Erkrankten bestanden hat.
Kinderimpfung: Aufgrund der epidemiologischen Situation soll zur Erreichung eines Individualschutzes gegen invasive Meningokokken B Infektionen die Impfung bevorzugt ab einem Alter von 2 Monaten nach sorgfältiger Aufklärung über Nutzen und Risiko durchgeführt werden. Älteren Säuglingen, Kindern und Jugendlichen, sollte die MenB-Impfung individuell im Sinne einer Nachholimpfung entsprechend den zugelassenen Impfschemata angeboten werden.
Indikations-/Reiseimpfung: Bei Personen (Kinder, Jugendliche und Erwachsene) mit erhöhtem Erkrankungsrisiko (Personen mit Immundefekt, vor allem Komplement-/Properdindefekte, Hypogammaglobulinämie, Asplenie, Splenektomie), Personen mit engem Kontakt zu Meningokokken B Erkrankten (Haushaltskontaktpersonen) sowie Personen im Gesundheitsdienst (Pädiatrie, Infektionsabteilungen, Intensivstationen, Laborpersonal) soll die Impfung im Sinne einer Indikationsimpfung durchgeführt werden. Es handelt sich um keine spezielle Reiseimpfung.

Monovalente Impfung gegen Meningokokken der Gruppe C
Gratiskinderimpfprogramm: Die Impfung gegen Meningokokken der Gruppe C ist nicht im kostenfreien Kinderimpfprogramm enthalten. (Zur kostenfreine Kinderimpfung siehe unter "4-fach Impfung gegen Meningokokken...")
Kinderimpfung: Für Kleinkinder wird im 2. Lebensjahr eine einmalige Applikation eines konjugierten Impfstoffes gegen Meningokokken der Gruppe C empfohlen.
Impfschema: Bei Erstimpfung im 2. Lebensjahr wird der monovalente MEC-C einmal geimpft. Die Impfung MEC-C ist ab dem 2. Lebensmonat 2x im Abstand von 8 Wochen mit einer Auffrischung 1 Jahr danach möglich

4-fach Impfung gegen Meningokokken der Gruppen A,C,W135 und Y (MEC-4)
Gratiskinderimpfprogramm: Die 4-fach konjugierte Meningokokkenimpfung (A, C, Y, W135) ist als kostenfreie Impfung für Schulkinder im Gratisimpfprogramm enthalten.
Erwachsenenimpfung: Erwachsene (Risikopersonen, Reiseimpfung), die mit dem konjugierten 4-fach Impfstoff geimpft werden, erhalten eine einmalige Impfung.
Indikations-/Reiseimpfung: Besonders gesundheitlich gefährdeten Personen (mit Immundefekt, vor allem Komplement-/Properdin-defekte, Hypogammaglobulinämie, Asplenie, Splenektomie), sowie Personen im Gesundheitsdienst
(Pädiatrie, Infektionsabteilungen, Intensivstationen, Laborpersonal) wird die konjugierte 4-fach Impfung empfohlen. Für Reisen in Endemiegebiete, vor Gruppen-(Schul)-Veranstaltungen und Schüleraustauschprogrammen in Ländern mit erhöhtem Infektionsrisiko, aber auch bei Reisen in Länder mit hoher Inzidenz entsprechend den dortigen Empfehlungen. Saudi Arabien schreibt während der Hajj für die Einreise zwingend eine Impfung mit MEC4 vor, die auch in einem internationalen Impfpass dokumentiert werden muss.

Meningokokken verursachen hauptsächlich zwei Arten von Krankheitsbildern , die einzeln oder gemeinsam auftreten können:

Hirnhautentzündung (Meningokokken-Meningitis)

Blutvergiftung (Meningokokken-Sepsis)

Die Inkubationszeit (= Zeitpunkt der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Symptome) beträgt zwischen 2 und 10 Tagen.

Mögliche Symptome :

Fieber, Erbrechen‚ Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Benommenheit, Lichtempfindlichkeit, Gelenkschmerzen‚ rot-violette Hautflecken (Hautblutungen).

Die Symptome müssen nicht alle gleichzeitig vorliegen. Sie können sich innerhalb weniger Stunden oder 1-2 Tagen entwickeln. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Symptomatik meist weniger charakteristisch.

Wasserglas-Prüfung beim Hautausschlag
Der durch Meningokokken verursachte Ausschlag unterscheidet sich von anderen Ausschlägen bzw. Exanthemen dadurch, dass er unter Druck nicht verblasst. Wenn man einen Glasgegenstand (z.B. ein leeres Wasserglas, Augengläser) auf den Ausschlag presst, verschwinden die Punkte oder Flecken nicht. In diesem Fall ist ein Arzt unverzüglich zu verständigen.

Meningokokkenerkrankungen können schwerwiegend und tödlich verlaufen, weshalb in manchen europäischen Ländern mit hoher Inzidenz der Meningokokken C eine allgemeine Impfung für Kinder eingeführt worden ist.

In Österreich werden jährlich zirka 100 Erkrankungsfälle registriert, und zwar

      • zirka 60-70% durch Meningokokken der Gruppe B und
      • 20-30% durch Meningokokken der Gruppe C
Bei gehäuftem Auftreten innerhalb einer Region kann auch von den Sanitätsbehörden eine Impfung gegen Meningokokken C empfohlen werden.

Die seltene Serogruppe W135 hat sich ausgehend von Saudiarabien (Mekka-Pilger) über Europa nach Afrika ausgebreitet. Aus diesem Grund ist für Auslandsreisen bei Personen über zwei Jahren dem tetravalenten Meningokokken-Impfstoff der Vorzug zu geben. Die Serogruppe Y ist in Nord- und Südamerika sowie in Südafrika und Südasien deutlich häufiger geworden. Die Serogruppe A ist neben Afrika, Nahost und Asien auch in Südamerika und sowjetischen Nachfolgestaaten zu beobachten.



Die Meningokokken-Impfung schützt NICHT vor Gehirnhautentzündungen durch andere Bakterien (z.B. Pneumokokken, Haemophilus influenzae) oder Viren (z.B. FSME- Erreger).

Weitere Informationen:

Consensus-Statement: Meningokokken und Meningokokken-Impfung

Aktueller Österreichischer Impfplan