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Informationen zur Influenza und zu den Impfstoffen für 2015/2016
 
Im Lauf der Zeit wurden die Impfungen bei hoher Wirksamkeit immer verträglicher
 
Link zu den neuesten virologischen Daten zur Influenzasituation:
Das Department für Virologie der MedUni Wien (Vorstand Univ.-Prof. Mag.pharm. Dr. Franz X. Heinz) veröffentlicht wöchentlich aktuelle Influenza-Informationen.

Die Influenza ist eine akute, durch Viren verursachte Atemwegserkrankung. Sie ist durch Tröpfcheninfektion leicht übertragbar, und kann schwere Erkrankungen verursachen. Gefährlich sind vor allem die im Verlauf einer Influenza-Erkrankung auftretenden Komplikationen, wie z. B. Pneumonie. Es sind drei Virustypen bekannt, die mit A, B und C bezeichnet werden. Durch Influenza verursachte Epidemien und Pandemien sind schon seit der Antike überliefert. Das Virus konnte erstmals im Jahr 1933 isoliert werden.

Wegen der Veränderlichkeit der Viren (Drifts und Shifts) und der Unvorhersehbarkeit ihrer Aktivität ist die Influenza aus epidemiologischer Sicht eine ständige Herausforderung. Als wichtigste Maßnahme zur Prävention der Influenza und ihrer Komplikationen gilt die Schutzimpfung.


Die Struktur der Influenza-Viren ist sehr einfach: Sie bestehen aus einem Nucleinsäurefaden, der von einer Proteinhülle (Kapsid) umgeben ist.
Die Oberflächenantigene der Influenzaviren (Hämagglutinin, Neuraminidase) ändern sich ständig. Influenzaimpfstoffe müssen deshalb jedes Jahr neu verabreicht werden, damit ein Schutz gegen die veränderten Formen der Viren gewährleistet ist. Die Zusammensetzung erfolgt jeweils gemäß WHO-Empfehlungen entsprechend den zu erwartenden Virustypen. In den letzten Jahren wurde regelmäßig gegen Varianten von drei Virusstämmen (A/H1N1, A/H3N2, und B) geimpft.

Mittels Hämagglutinin verschafft sich das Virus Zugang in fremde Zellen, es ist quasi der Schlüssel, mit dem das Virus reinkommt. Neuraminidase hat ebenfalls eine Art "Schlüssel-Funktion", denn mit ihrer Hilfe kann das Virus die befallene Zelle wieder verlassen. >Mehr darüber


Die Zusammensetzung für die saisonale Impfung 2015–2016 (Nordhalbkugel)
Der Impfstoff muss somit folgenden Referenzstämmen entsprechen:

Quelle: WHO Recommended composition of influenza virus vaccines for use in the 2015-2016 northern hemisphere influenza season:
http://www.who.int/influenza/vaccines/virus/recommendations/2015_16_north/en/

A/California/7/2009 (H1N1)pdm09-like virus
A/Switzerland/9715293/2013 (H3N2)-like virus
B/Phuket/3073/2013-like virus

Für quadrivalente Impfstoffe werden die Antigene der oben genannten Viren sowie eine Variante von
B/Brisbane/60/2008-like virus
empfohlen.

A und B bezeichnen die Virustypen, der Ortsname bezieht sich auf den Ort der Virusisolierung; die erste Ziffer gibt die Nummer des jeweils isolierten Stamms an, die zweite bezieht sich auf das Isolierungsjahr. Mit H und N werden die beiden wichtigsten Proteine der Virushülle Hämagglutinin und Neuraminidase abgekürzt, die Ziffer dahinter bezeichnet den aktuellen Hämagglutinin- bzw. Neuraminidase-Subtyp.

Diese Stammzusammensetzung weicht von der der Saison 2014/2015 ab.

Die Impfung wird als Einmal-Impfung verabreicht (für Kinder, die noch keine Influenza-Schutzimpfung erhalten haben, empfiehlt sich eine zweite Immunisierung nach mindestens 4 Wochen) und in ihrer Zusammensetzung jedes Jahr gemäß den Empfehlungen der WHO den jeweils kursierenden Influenza-Subtypen angepasst.

Der Impfschutz beginnt in der Regel 2 bis 3 Wochen nach der Impfung. Die Impfung selbst ist im Allgemeinen sehr gut verträglich. Sie bewahrt nicht in jedem Fall vor einer Grippe, senkt aber auch bei diesen Patienten deutlich die Stärke der Beschwerden. Ein Schutz vor anderen Erkältungskrankheiten besteht nicht. Die Impfung muss jedes Jahr aufgefrischt werden.


Seit Jahren stehen verschiedene Influenza-Impfstoffe zur Verfügung, im Lauf der Zeit wurden sie bei hoher Wirksamkeit immer verträglicher:
    • Die erste Impfstoff-Generation war der Ganzvirus-Impfstoff, dieser enthält neben den zwei für die Infektion wichtigen Oberflächen-Antigenen auch andere Antigene (u.a. Virus-Core-Antigene), was zu einer besseren und länger dauernden T-Zellstimulation führt. Allerdings können bei diesen (in der Produktion relativ "einfach" und daher billigeren) Impfstoffen vermehrt Impfreaktionen auftreten.
    • Bei den so genannten Spalt-Impfstoffen, wurde – um die Verträglichkeit des Ganz-Virusimpfstoffes zu verbessern – dieser einem Reinigungsverfahren unterzogen. Dazu müssen die Influenzaviren aber gespalten und somit zerstört werden – das bedeutet, es entstehen Bruchstücke des Virus, man spricht von Spalt- oder Split-Impfstoffen. Durch das Reinigungsverfahren wird die Verträglichkeit erhöht. Allerdings verliert der Spalt-Impfstoff durch die Zerstörung der räumlichen Virusstruktur auch an Immunogenität bzw. Wirksamkeit, was bei der Impfung von älteren Menschen oder Risikopatienten jeden Alters mit chronischen Grunderkrankungen oder geschwächtem Immunsystem unter Umständen zu keiner ausreichenden Bildung von schützenden Antikörpern führt.
    • Mit der Absicht, die Verträglichkeit und Reinheit des Spalt-Impfstoffes noch weiter zu verbessern, wird dieser bei den so genannten Subunit-Impfstoffen noch weiteren Reinigungsschritten unterzogen. Am Ende des Reinigungsprozesses sind nur mehr die Oberflächenproteine (= Antigene) des Influenzavirus vorhanden, sodass eine weitestgehend nebenwirkungsfreie Impfung möglich wird. Die bessere Verträglichkeit kann allerdings (wie schon bei den Spalt-Impfstoffen beschrieben, bei älteren Menschen bzw. bei Risikopatienten) etwas zu Lasten der Wirksamkeit gehen.
    • Um die Nachteile der herkömmlichen Impfstoffe zu beseitigen, kam es in den letzten Jahren zur Entwicklung einer neuen Impfstoff-Generation. Ziel war dabei die gute Verträglichkeit und Reinheit des Subunit-Impfstoffes mit der Wirksamkeit des Ganzvirus-Impfstoffes zu kombinieren. Dieses Ziel wurde mit Hilfe von Adjuvantien bei den Influenza-Impfstoffen der neuesten Generation, bei den sogenannten adjuvantierten (= verstärkten) Impfstoffen erreicht.
    • Seit 2010/2011 steht auch ein adjuvierter Spaltmpfstoff zur intradermalen Applikation zur Verfügung. Bei der intradermalen Impfung wird das Impfstoffantigen in die Lederhaut (Dermis) appliziert, was einen direkten und effizienten Zugang zum Immunsystem ermöglicht. In der Dermis ist eine hohe Konzentration von spezialisierten Immunzellen und ein umfassendes lymphatisches Netzwerk zu finden. Dies führt zu einer synergistischen Aktivierung von Immunreaktionen. Die Fertigspritze mit Mikroinjektionssystem stellt durch ihre sehr kurze Nadel die genaue und zuverlässige Gabe in die Dermis sicher. Vom intradermalen Impfstoff gibt es zwei unterschiedliche Dosierungen für Personen zwischen 18 und 60 Jahren (9 μg) bzw. eine höhere Dosierung für Personen ab 60 Jahren (15 μg). Die Impfung wird in einem vorgefertigten Applikator geliefert und mit einer nur 1,5 mm langen Nadel injiziert. Der Stich verursacht kaum Schmerzen. Zusätzlich ist ein Vorteil bei Personen gegeben, die nicht intramuskulär geimpft werden sollen (wie z.B. oral antikoagulierte Patienten).
    • Seit einiger Zeit steht auch eine intranasale Influenzaimpfung zur Verfügung. Es handelt sich dabei um einen attenuierterten Lebendimpfstoff,

Influenza Fakten:
  • Besonders bei älteren Menschen kann die Grippe zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen (z.B. Lungenentzündung, Herz-/Kreislaufversagen).
  • Aber auch bei Kindern und Erwachsenen besteht die Gefahr einer schweren Erkrankung als Folge einer Grippe, insbesonders wenn bereits eine Grunderkrankung vorliegt (Erkrankungen der Atemwege, Asthma, Herz-/Kreislauf-Erkrankungen, Nierenfunktionsstörungen, Diabetes).
  • Kinder sind die ersten Opfer der Grippe. Jeder Grippewelle geht ein Erkrankungsgipfel bei Kindern voraus. Kinder tragen entscheidend zur Verbreitung der Grippe bei. Kinder können ältere Menschen durch Tröpfcheninfektion jederzeit infizieren.
  • Jeder Geimpfte vermindert das Risiko einer Ausbreitung der Erkrankung auf ältere und geschwächte Menschen.



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